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Feuerkontinent Afrika

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:40

Mit Afrika verbinden viele unwillkürlich offene Savannen mit vereinzelten pittoresken Schirmakazien, zwischen denen Elefanten, Nashörner und Giraffen, Antilopen, Zebras und Löwen umherziehen. Vater dieses Afrikabildes zumindest in den Köpfen der Deutschen dürfte der Tierfilmer Bernhard Grzimek sein. Zu den Schöpfern der realen Savannen im Osten und Süden Afrikas gehört unzweifelhaft das Feuer.

Außerhalb der tropischen Regenwälder und der großen Wüsten könnte man Afrika einen Kontinent des Feuers nennen. Die regelmäßigen Savannenbrände halten Gras und Buschwerk kurz und sorgen für andauernde Erneuerung der Vegetation. Nicht zuletzt dadurch kann die offene Landschaft den Tierreichtum auch ernähren, für den Afrika so bewundert wird. Auch wenn es verblüffen mag: Die für ein Feuer verfügbare Biomasse auf einem Hektar Feuchtsavanne ist etwa gleich groß wie auf einem Hektar Wald. Denn auch im Wald brennen in der Regel nicht die Bäume, sondern nur Gras und Unterholz.

Ein Langzeitversuch im südafrikanischen Krüger-Nationalpark hat die Wichtigkeit der Brände für das Ökosystem ergeben. 35 Jahre lang wurde dort ein größeres Areal vom Feuer freigehalten, mit den entsprechenden Konsequenzen. "Ohne regelmäßige Brände würde die Landschaft schnell verbuschen und böte den Tieren nur einen entsprechend reduzierten Lebensraum", bilanziert Johann Goldammer, Leiter des Zentrums für globale Feuerüberwachung.

Umso wichtiger ist es, auch in den stark geschützten und überwachten Nationalparks das Feuer zu seinem Recht kommen zu lassen. Denn je mehr Brennmaterial sich ansammelt, umso schlimmer wütet dann der Brand, wenn es schließlich dazu kommt. Deshalb sind die Parkverwaltungen dazu übergegangen, eigens Feuer legen zu lassen, um das trockene Gras der Savannen zu vernichten, falls es aus natürlichen Gründen, etwa Blitzeinschlägen, nicht oft genug brennt.

Der Mensch dürfte sich schon seit langem das Feuer zunutze gemacht haben, um die Landschaft seinen Wünschen entsprechend zu gestalten. Die ältesten afrikanischen Zeugnisse vom Feuergebrauch des Menschen gibt es in den Swartkrans-Höhlen in Südafrika. Sie sind 1,3 Millionen Jahre alt, datieren also aus der Zeit des Homo erectus, einer sehr frühen Menschenart, die vor rund 400.000 Jahren ausstarb. Damals konnte der Mensch offenbar noch kein Feuer anzünden, wohl aber es unterhalten - und er hat es vermutlich auch eingesetzt, um hohes Gras und Buschwerk loszuwerden. Denn das verstellte ihm die Sicht auf Beute und Feinde gleichermaßen.