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Wegeners Erben - Polarforschung heute

erstellt von Nicole zuletzt verändert: 23.08.2007 14:41

Die Polargebiete sind Schlüsselgebiete für das Verständnis des Systems Erde. Ob es das Entstehen und den Zerfall von Kontinenten, das globale Klimageschehen und damit verbunden die ozeanische Tiefenzirkulation oder die Biodiversitätsforschung betrifft, in den Polargebieten lässt sich hier eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen gewinnen.

Die Polargebiete geben tiefe Einsicht in das Entstehen und Zerfallen von Kontinenten. Die Antarktis entwickelte sich aus den Superkontinenten Rodinia und Gondwana. In der Arktis ist ein Ozean im Kern einer alten Kontinentalplatte entstanden. Deren Rückensysteme sind besonders an den Übergängen in die Kontinentalränder Schlüsselgebiete für die Lithosphärenforschung. Die Polarforscher heute befinden sich also in der guten Tradition Alfred Wegeners. Der Polarforscher und Geophysiker hatte im vergangenen Jahrhundert mit seiner Hypothese der Kontinentalverschiebung unser Weltbild ebenso revolutioniert wie Charles Darwin fünfzig Jahre vor ihm.

20 Mio. km² Eis bedecken den Kontinent Antarktis und weitere 14 Mio. km² Eis den arktischen Ozean. Diese Eisflächen haben enormen Einfluss auf das weltweite Wettergeschehen und den globalen Wärmehaushalt. Damit verbunden ist auch die Bildung von Tiefenwasser durch die Konvektion kalten Wassers in den Ozeanen der Polargebiete. Entsprechend bergen die Polargebiete auch einzigartige Archive zur Klimageschichte.

Die Polargebiete sind immer noch die am wenigsten erforschten Großökosysteme der Erde. Viele unbekannte neue Organismen werden hier vermutet. Die Artenvielfalt in der Arktis und Antarktis ist viel größer, als bisher angenommen. "Wenn man davon ausgeht, dass gerade im südlichen Ozean die Tiefsee kaum beprobt wurde", so der Kieler Polarforscher und Gesamtkoordinator des Antarktis Schwerpunktprogramms der DFG Michael Spindler, "ist zu erwarten, dass die Vorstellung von der Abnahme der Artenvielfalt zu den Polen hin weiter revidiert werden muss." Auf der Suche nach Naturstoffen ist das Potenzial der Polarorganismen ebenfalls unberücksichtigt geblieben, obwohl deren spezielle Gefrierschutzproteine seit langem bekannt sind.

Wie kaum ein anderer Wissenschaftszweig ist die Polarforschung auf Interdisziplinarität und internationale Vernetzung angewiesen. Alfred Wegener starb während einer Grönlandexpedition, als er eine entlegene Station mit Proviant versorgen wollte. Diese Logistik stellt heutzutage kein grundsätzliches Problem mehr dar. Sie ist aber dennoch mit unvergleichlich hohem Aufwand verbunden, so dass Expeditionen in nationaler und internationaler Zusammenarbeit durchgeführt und Stationen in der Antarktis und Arktis gemeinsam genutzt werden. "Auch mit modernster Logistik hat Polarforschung immer noch mit einem Hauch von Abenteuerlust zu tun", betont Michael Spindler.

Weiterführende Links:

- Über die Person Alfred Wegener
- Kontinentalverschiebung (Animation)
- Antarktis Schwerpunktprogramm

(Quelle: Institut für Polarökologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Deutsche Gesellschaft für Polarforschung

Redakteurin: Nicole Schmidt/GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung