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Bremer Umweltphysiker liefern Eis-Karten der Arktis und Antarktis

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:42

Aus den Daten der Polargebiete erstellen Wissenschaftler der Uni Bremen mit einem eigens entwickelten Verfahren taeglich aktualisierte Meereiskarten, die ueber die Ausdehnung des Meereises in Arktis und Antarktis Auskunft geben. Dies sind die detailliertesten Karten, die weltweit zur Verfuegung stehen. Sie werden von der Schifffahrt und den Wetter- und Eisdiensten zahlreicher Laender genutzt. Fuer die erfolgreiche Mitarbeit in internationalen Science-Teams wurden Bremer Wissenschaftler vor kurzem ausgezeichnet.

Das Meereis der Arktis schmilzt, es geht Jahr fuer Jahr zurueck. Diese Informationen stammen von passiven Mikrowellensensoren, die auf Satelliten die Erde umkreisend seit mehr als drei Jahrzehnten die Pole beobachten. Ihr grosser Vorteil: Sie messen unbeeinflusst von Lichtverhaeltnissen (Polarnacht) und Bewoelkung. Aus den Daten beider Polargebiete erstellen Wissenschaftler vom Institut fuer Umweltphysik (IUP) der Universitaet Bremen mit einem eigens entwickelten Verfahren taeglich aktualisierte Meereiskarten, die ueber die Ausdehnung des Meereises in Arktis und Antarktis Auskunft geben. Dies sind die detailliertesten Karten, die taeglich global zur Verfuegung stehen. Sie werden von der Schifffahrt und den Wetter- und Eisdiensten zahlreicher Laender genutzt. Fuer die Wissenschaft sind sie interessant, weil sie Hinweise auf die globale Klimaentwicklung geben.


(c) IUP Universitaet Bremen

Die Arbeiten der Bremer Umweltforscher um Professor Justus Notholt, Dr. Lars Kaleschke und Dr. Georg Heygster - die eng mit dem Alfred Wegener Institut in Bremerhaven kooperieren - finden in der ganzen Welt grosse Aufmerksamkeit. Georg Heygster beispielsweise ist im vergangenen Jahr von japanisch-amerikanischer Seite fuer seine erfolgreiche Mitarbeit zweimal mit einem "Group Achievement Award" ausgezeichnet worden: von der National Areonautics and Space Administration, besser bekannt unter NASA, und deren Forschungszentrum Goddard Space Flight Center. Er gehoert naemlich - quasi als europaeischer Exot - zu japanisch-amerikanischen Science-Teams, die seit 2002 die Erfahrungen mit der neuesten Generation von Mikrowellensensoren auf den Satelliten ADEOS II und Aqua auswerten. Mit der jetzt erreichten Aufloesung von etwa fuenf Kilometern der Bilder von den AMSR-Sensoren (Advanced Microwave Scanning Radiometer) kann man Untersuchungen in Angriff nehmen, die frueher nicht moeglich waren, etwa die genaue Ueberwachung von eisfreien Gebieten im sonst eisbedeckten Ozean. Fuer die Schifffahrt ermoeglichen die Bilder Aussagen darueber, ob eine Passage in arktischen Gewaessern noch eisfrei oder nicht mehr befahrbar ist. Zwar gibt es optische und Radar-Satellitenbilder, die hoeher aufgeloest sind. Diese stehen jedoch nicht taeglich fuer die gesamte Erdoberflaeche zur Verfuegung.

Nicht nur die Bremer Eiskarten sind fuer die Schiffsnavigation aeusserst wichtig. Verbesserungen fuer die Wettervorhersage bringt auch ein weiteres, in der Entwicklung befindliches Verfahren: Die mit AMSR gewonnenen Daten lassen auch Aussagen zur Bewoelkung ueber dem Meereis zu, einschliesslich deren Fluessigwassergehalt. Diese Information ist fuer die Wettervorhersage wichtig, weil sie mit dem Wolkenfluessigwasser ueber Meereis eine Komponente des globalen Klimasystems erfasst, die bisher nicht global zu messen war.

Das Verfahren wird darueber hinaus dazu dienen, moegliche Klimaaenderungen fruehzeitig und genau zu beschreiben. Die Folgen fuer den Klimakreislauf durch globale Erwaermung, Abschmelzen des Meereises und erhoehte Wasserdampfbildung durch die Sonneneinstrahlung sind naemlich noch nicht vorhersehbar. Moegliche Szenarien koennten sein: Durch erhoehte Wolkenbildung werden die Sonnenstrahlen verstaerkt reflektiert und der globale Erwaermungseffekt gebremst. Oder: Das veraenderte Meereis beeinflusst das globale Wettersystem, indem sich beispielsweise das Entstehen von Tiefdruckgebieten aendert. Fest steht fuer die Klimaforscher allerdings, dass sich Klimawandlungen zuerst und ausgesprochen deutlich in den polaren Breiten abzeichnen. Denn waehrend Wasser Sonnenstrahlen absorbiert, reflektiert Eis diese.

Mit diesen Aktivitaeten sind die Bremer Wissenschaftler gemeinsam mit den Kollegen vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut fuer Polar- und Meeresforschung an europaeischen Forschungsaktivitaeten beteiligt. Im grossen EU/ESA-Programm ICEMON (ICE-Monitoring) werden Arktis und Antarktis mit einer Vielzahl von Satellitensensoren ueberwacht, um Daten zur Sicherheit der Schifffahrt, aber auch ueber Klima und Umwelt sowie zum Ressourcen-Management zu erhalten - mit Hilfe des Know-hows der Umweltphysiker von der Universitaet Bremen.

Die Bremer Eiskarte ist im Internet taeglich aktualisiert einsehbar.