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Zwanzigste Polarstern-Expedition in die Arktis geht zu Ende

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:35

Am 3. Oktober wird das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts fuer Polar- und Meeresforschung von seiner 20. Arktisexpedition nach Bremerhaven zurueckkehren.

Waehrend des letzten Fahrtabschnittes haben 44 Wissenschaftler aus Deutschland, Russland und Suedkorea, unterstuetzt von Besatzungsmitgliedern, Hubschrauberpiloten und Technikern, das Gebiet noerdlich und westlich von Spitzbergen erforscht. Schwerpunkte waren geophysikalische und geologische Untersuchungen der Framstrasse und des Yermak-Plateaus. Dabei standen seismische Vermessungen des Aufbaus der oberen Kilometer des Untergrunds und Beprobungen der Sedimente mittels verschiedener Lote im Vordergrund.


(c) AWI Bremerhaven

Im Rahmen des Geologie-Programms wurden unter anderem die grossen Rutschmassen am noerdlichen Kontinentalrand von Spitzbergen untersucht. Rutschmassen sind Zeugen grosser Sedimentumlagerungen, die auf ploetzliche Ereignisse wie zum Beispiel Erdbeben oder Instabilitaeten am oberen Kontinentalhang als Folge einer enorm erhoehten Sedimentzufuhr zurueckzufuehren sind. Die Untersuchungen sind Teil des internationalen Forschungsprojekts "Euromargins". Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Alterseinstufung dieser Ereignisse, die mengenmaessige Abschaetzung der umgelagerten Sedimente und die Interpretation der Datensaetze in Bezug auf Klimaaenderungen waehrend der letzten 150.000 Jahre.


(c) Foto: R. Stein/Alfred-Wegener-Institut

Die Framstrasse ist die einzige Tiefenwasserverbindung der Arktis mit den Weltmeeren. Im Zentrum der Framstrasse befindet sich ein aktiver, langsam spreizender mittelozeanischer Ruecken, der auch heute noch dafuer verantwortlich ist, dass sich Spitzbergen von Groenland entfernt. Nach heutigem Kenntnisstand war der Zufluss von kaltem arktischem Wasser durch die Framstrasse fuer die haeufigen Zyklen der Warm- und Eiszeiten in den letzten Millionen Jahren von entscheidender Bedeutung. Details ueber den zeitlichen Ablauf dieser plattentektonischen Bewegungen, die fuer genaue Klimarekonstruktionen wichtig sind, sind aber sehr spekulativ.

"Insbesondere die neuen seismischen Datensaetze werden die Wissenschaftler in die Lage versetzen, wissenschaftliche Tiefbohrungen in das Gebiet der Framstrasse, des Yermak-Plateaus und vor Ostgroenland im Rahmen des internationalen Bohrprogramms IODP - Integrated Ocean Drilling Program - konkreter zu planen und in die Realitaet umzusetzen", erlaeutert der Fahrtleiter Prof. Dr. Ruediger Stein vom Alfred-Wegener-Institut. "Derartige Bohrungen in der Arktis sind eine grosse Herausforderung fuer die marinen Geowissenschaften. Diese Bohrungen werden dazu beitragen, das grosse Geheimnis ueber die plattentektonische und palaeoklimatische Entwicklung der Arktis im Verlauf der letzten 120 Millionen Jahre zu lueften", erklaert Stein.


(c) Foto: R. Stein/Alfred-Wegener-Institut

Eine Vorerkundung, die der verschollenen Deutschen Arktischen Expedition 1912 gewidmet ist, ist in das Expeditionsprogramm mit aufgenommen worden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Seewiesen haben den Landeplatz dieser Expedition im Duvefjord - Nordostland Spitzbergens bei 80.17 N, 24.10 E - und den Landeplatz der Hilfsexpedition 1913 am Beverlysund nahe Nordkap, wo das Expeditionsschiff "Loevens-Kioeld" 1912 im Packeis einfror und sank, identifiziert und dokumentiert. Der Untergangsort ist mit Hilfe historischer Stereobilder und Feldvermessungen eingegrenzt worden. Das Schiff ist das noerdlichst gelegene Wrack der Welt und soll 2006 mit dem deutschen Tauchboot "Jago" eingehend untersucht werden.

"Polarstern" wird waehrend einer Werftzeit in Bremerhaven fuer ihre 22. Expedition in die Antarktis vorbereitet, die am 12. Oktober beginnt.

Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts fuer Polar- und Meeresforschung, 01.10.2004