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Deutsche Forscher untersuchen untermeerische Berge

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 28.04.2015 09:43

Unter Leitung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) startet am 4. Mai 2015 in Manzanillo (Mexiko) eine 7-wöchige Expedition mit dem neuen deutschen Tiefseeforschungsschiff "SONNE". Das Ziel ist der Manganknollengürtel im Zentralpazifik zwischen Hawaii und Mexiko. Die Meeresforscher werden dort im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projekts u. a. den Einfluss von untermeerischen Bergen (sog. Seamounts) auf die Bildung von Manganknollen untersuchen. Die Forschungsfahrt „SO-240“ wird gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Bremen, der Jacobs Universität Bremen, des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven durchgeführt.

Die FS Sonne von oben. (Bild: BGR) Die Forschungsarbeiten werden in einem Teil des deutschen Lizenzgebiets für die Erkundung von Manganknollen stattfinden. Dieser Teil gehört zu einem Areal von insgesamt 75.000 km2 mit Wassertiefen von 4.200 bis 5.000 m. Die Seamounts erheben sich in der Tiefseeebene bis zu einer Höhe von 2.400 m. An den sedimentfreien Hängen der Seamounts kann Meerwasser in den Meeresboden eindringen und an anderen Stellen – chemisch verändert und erwärmt – wieder austreten. Diese Meerwasserzirkulation entzieht dem Ozeanboden signifikante Mengen an Wärme und chemischen Inhaltsstoffen, die dem Ozeanwasser, den Sedimenten oder den Manganknollen zugeführt werden. Diese Prozesse haben möglicherweise großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Manganknollen mit ihren wirtschaftlich interessanten Hochtechnologiemetallen wie Seltene Erden-Elemente, Zirkon und Kobalt.

„Durch die Arbeiten in diesem Projekt soll die chemische Zusammensetzung der Ozeane und der Abkühlungsmechanismus der ozeanischen Erdkruste besser verstanden werden. Art und Reichweite der Prozesse helfen uns, das Wissen über die Umwelteigenschaften zu erweitern“, erklärt BGR-Fahrtleiter Dr. Thomas Kuhn.

Bei ihrer Expedition kartieren die Forscher das Meeresbodenrelief und die Meeresbodenbeschaffenheit mit Hilfe hydroakustischer Verfahren (Wasserschall). Sie vermessen den Wärmestrom in den Sedimenten am Fuße der Seamounts, beproben die Sedimente und Manganknollen, analysieren die chemische Zusammensetzung von Poren- und Meerwasser und dokumentieren mit Foto- und Videoaufnahmen den Meeresboden.

Mit der Forschungskampagne werden zudem die langjährigen wissenschaftlichen Arbeiten der BGR zur Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen weitergeführt. „Diese Arbeiten sollen helfen, die Auswirkungen eines möglichen zukünftigen Abbaus von Manganknollen auf das Ökosystem der Tiefsee abzuschätzen“, so BGR-Wissenschaftler Kuhn. Diesem Ziel dienen auch Untersuchungen von bodennahen Strömungen mit Hilfe von Messgeräten, die seit über einem Jahr in 4.200 m Wassertiefe autark arbeiten. Diese Geräte werden während der bevorstehenden Kampagne geborgen, gewartet, die Daten ausgelesen und dann für ein weiteres Jahr wieder an den Meeresboden verbracht.

Als Plattform für diese Arbeiten dient das erst Ende 2014 in Dienst gestellte Tiefseeforschungsschiff SONNE, das mit seinen zahlreichen Labor- und Technikeinrichtungen zu den modernsten Forschungsschiffen weltweit zählt. Während der Expedition veröffentlicht die BGR auf ihrer Internetseite ein Tagebuch über die Arbeit und das Leben der Forscher an Bord.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, April 2015