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Einfluss des Klimas auf den Menschen

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 14.01.2011 15:42

Ein Forscherteam unter der Leitung von Ulf Büntgen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL hat erstmals das europäische Sommerklima der letzten 2500 Jahre anhand von Jahrringen erfasst. Die Resultate zeigen eine auffällige Beziehung zwischen starken Klimaschwankungen und großen gesellschaftlichen Veränderungen wie Völkerwanderung, mittelalterlicher Blütezeit sowie Folgen von Pest und Krieg.

Ein internationales Team von Archäologen, Geographen, Historikern und Klimatologen hat erstmals den Niederschlag und die Temperatur der letzten 2500 Jahre in Mitteleuropa lückenlos rekonstruiert. Dies gelang dank der Untersuchung von Jahrringen von rund 9000 subfossilen und archäologisch-historischen Hölzern und lebenden Bäumen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich.

Die interdisziplinäre Studie unter der Leitung von Ulf Büntgen (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL) ist in der renommierten Fachzeitschrift Science erschienen und zeigt den möglichen Einfluss vergangener Klimavariabilität auf historische Entwicklungen. Die Wissenschaftler stellen die Schwankungen des europäischen Sommerklimas von der späten Eisenzeit vor 2500 Jahren bis ins 21. Jahrhundert auffallenden historischen Ereignissen und Epochen gegenüber.

"Das Klima während der Römerzeit war überwiegend feucht-warm und vergleichsweise stabil" sagt Ulf Büntgen. Zeitgleich mit dem Zerfall des Weströmischen Reiches wurde es ab 250 n. Chr. deutlich kälter und wechselhafter. Diese Phase starker Klimaschwankungen dauert über dreihundert Jahre und überlagert die sozio-ökonomische Katastrophe der Völkerwanderung. Zunehmende Temperaturen und Niederschläge ab dem siebten Jahrhundert begünstigten wahrscheinlich den kulturellen Aufstieg des Mittelalters. Naheliegend ist auch ein klimatischer Einfluss auf die Verbreitung und Virulenz der Pest nach 1347. Genauso kann eine Kältephase während des Dreissigjährigen Krieges am Anfang des 16. Jahrhunderts die verbreiteten Hungersnöte verstärkt haben.

Die Studie stellt eindrücklich das durch den Menschen (mit-)beeinflusste Klima des 20. Jahrhunderts seiner natürlichen Variabilität der letzten 2500 Jahre gegenüber. Im Kontext der natürlichen Klimadynamik erscheinen die Sommer des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts als aussergewöhnlich warm. Frühere Veränderungen der Niederschläge hingegen haben die heutigen Messwerte durchaus übertroffen. Das Autorenteam macht aber auch auf die Komplexität der Beziehungen zwischen Klimaschwankungen und historischen Ereignissen aufmerksam und warnt vor einfachen kausaldeterministischen Verknüpfungen.


(Pressemitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Januar 2011)

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