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Erdbebensicher Bauen mit traditioneller Architektur

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:44

Im März 2005 wurde die Sumatra vorgelagerte Insel Nias von schweren Erdbeben erschüttert. 1000 Menschen starben. Die in traditioneller Bauweise errichteten Häuser hielten dem Beben stand, während fast die gesamte Bausubstanz zerstört wurde. Forscher der Technischen Universität (TU) Wien untersuchen in Nias, Indonesien, was die traditionelle Bauweise so stabil und sicher macht. Sie untersuchen Konstruktionen und Methoden traditioneller Bauten und entwickeln Planungsgrundlagen für ein nachhaltiges und erdbebensicheres Bauen.


(c) Erich Lehner

Die traditionelle Architektur der indonesischen Insel Nias ist hervorragend an lokale Gegebenheiten angepasst. Die Siedlungen liegen auf den Hügelkuppen, verwendeten Holz als Baumaterial und haben eine dreistufige Konstruktion bestehend aus Aufständerung, Wohngeschoss und hohem aber zugleich leichtem Dach. Diese Konstruktionen sind Resultat eines jahrhundertelangen Entwicklungsprozesses. Sie bieten ausgezeichneten Schutz vor dem feucht-heißen Klima und den immer wiederkehrenden Erdbeben.

Altes architektonisches Wissen sichern

Trotz dieser zahlreichen Vorteile verschwindet das Wissen um die traditionellen Konstruktionen zunehmend. Dem wollen die Wiener Forscher mit Ihrem Projekt "Untersuchung traditioneller Konstruktionen und Methoden für ein erdbebensicheres Bauen in Nias" etwas entgegensetzen. Ziel ist es traditionelle Bautechniken und deren Verwendungsmöglichkeiten für zukünftige Bauprojekte zu analysieren. Dazu werden Veränderungen an den Häusern und Dorfstrukturen dokumentiert die Erdbebenschäden an den Bauwerken analysiert und die Ursachen des Versagens ermittelt.


(c) Günter Zöhrer

Alte Bauweise mit neuem Blickwinkel für die Bevölkerung Nias'

Das Ergebnis der Untersuchung ist eine detaillierte Beschreibung der Funktionsweise traditioneller Bautechniken und ein Ausblick auf Anwendungsmöglichkeiten bei der Planung und Errichtung neuer Bauten in Nias. Entwürfe werden hierzu bei Lehrveranstaltungen an der TU Wien ermittelt. Für die Bevölkerung auf Nias werden die Ergebnisse in einer filmischen Dokumentation zusammengefasst. So sollen Sie die Vorteile ihrer vorhandenen Bautechniken aus einem neuen Blickwinkel kennenzulernen. Die Wissenschaftler erhoffen sich so einen Anreiz zu schaffen, eigene Traditionen neu aufleben zu lassen, bestehende Häuser zu erhalten und die tradierten Techniken auch bei neuen Gebäuden anzuwenden. In Zusammenarbeit mit lokalen Stellen können Bauprojekte und Renovierungsmaßnahmen auch finanziell unterstützt werden.

Nähere Informationen erhalten Sie beim Institut für Architektur und Entwerfen TU Wien und beim Institut für vergleichende Architekturforschung Wien