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Gesunder Wald schützt gegen Taifune

erstellt von eschick zuletzt verändert: 20.11.2013 12:04

Erst durch Waldrodungen an Küsten und in Bergregionen der philippinischen Insel Leyte konnte Taifun Haiyan seine volle Zerstörungskraft entfalten, so die Ansicht von Agrarexperten. Gezielte Wiederaufforstung mit heimischen Baumarten, kombiniert mit landwirtschaftlichen Alternativen für die lokale Bevölkerung, könnte ähnlich verheerenden Katastrophen in Südostasien vorbeugen. Die Forschungskooperation der Universität Hohenheim und der philippinischen Visayas State University (VSU) unterstützt ein Aufforstungsprogramm der Stiftung NatureLife-International.

Taifune wirbeln nicht nur das Meer auf, sondern sorgen auch für heftige Regenfälle im Landesinneren. (Bild: P. Agrawal/WFP, ECHO/Flickr)Wind und Regen sind nur für einen Teil der Zerstörung direkt verantwortlich, die Taifun Haiyan auf der philippinischen Insel Leyte angerichtet hat. Weil Mangrovenwälder in den Küstengebieten weitgehend abgeholzt sind, konnte die nachfolgende Flutwelle die Küstengebiete ungebremst treffen. Eine weitere Katastrophe steht möglicherweise noch bevor. Denn Taifune wirbeln nicht nur das Meer auf, sondern sorgen auch für heftige Regenfälle im Landesinneren. Überall dort, wo die fragilen Böden nicht durch dichte Vegetation geschützt sind, besteht die Gefahr von Erdrutschen. Auf Leyte kam es in den letzten fünfzehn Jahren bereits mehrfach zu verheerenden „Landslides“. Bei der folgeschwersten Katastrophe in Ormoc waren rund 8.000 Tote zu verzeichnen.

Die Universität Hohenheim kooperiert seit über zwanzig Jahren mit der Visayas State University (VSU) auf Leyte. Gemeinsam hat das bilaterale Forscherteam ein Programm entwickelt, das neben Umweltschutz auch die wirtschaftliche Situation der Inselbewohner berücksichtigt. Prof. Dr. Friedhelm Göltenboth, Honorarprofessor und Mitglied des Tropenzentrums der Universität Hohenheim und wissenschaftlicher Berater der Stiftung NatureLife-International, ist überzeugt, dass die zerstörerischen Folgen von Taifunen wie Haiyan erheblich reduziert werden könnten. „Es ist von elementarer Bedeutung, dass sowohl der grüne Schutzgürtel an Küsten als auch die Regenwälder an den Berghängen erhalten bleiben oder wieder aufgeforstet werden“, betont der Experte. „Dafür muss die lokale Bevölkerung von Anfang an mit einbezogen werden. Denn ohne landwirtschaftliche Alternativen und ohne Alternativen für die Beschaffung von Brennholz ist die Rodung der Wälder für die Inselbewohner eine Frage des Überlebens.“

Kleinbauern könnten naturnahe Nutzwälder auch für Landwirtschaft nutzen

Taifunschaden an Palmen auf der Insel Leyte, Philippinen. (Bild: Arlynn Aquino, ECHO/Flickr)Vielversprechende Pilotprojekte gibt es bereits. Seit zehn Jahren arbeitet Prof. Dr. Göltenboth als wissenschaftlicher Berater der Wiederaufforstungsprogramme der Stiftung NatureLife-International, welche auf eine Forschungskooperation der Universität Hohenheim mit der örtlichen Visayas State University zurückgehen. „Uns ist wichtig, dass dabei ausschließlich lokale Baumarten herangezogen werden, da sie auf die Verhältnisse vor Ort am besten angepasst sind. Die Erfahrung zeigt, dass Gehölze aus Südamerika, die von Behörden wegen ihres schnellen Wachstums derzeit häufig für die Aufforstung eingesetzt werden, den Naturgewalten vor Ort nicht standhalten“, berichtet Prof. Dr. Göltenboth. Doch auch zum unberührten Regenwald führt aus Sicht des Agroforstexperten kein Weg zurück. „Die Waldregionen sind für die lokale Bevölkerung eine wichtige wirtschaftliche Ressource. Dieser Tatsache müssen wir Rechnung tragen. Letztlich können auch die restlichen bestehenden Regenwaldgebiete nur geschützt werden, wenn bereits gerodete Flächen durch naturnahen, hochdiversen Nutzwald aufgeforstet werden.“

Gute Erfahrungen habe das bilaterale Forscherteam mit einer Mischkultur aus heimischen Obstbäumen und Tropengehölzen gemacht, die mit einer besonderen Form der kleinbäuerlichen Landwirtschaft kombiniert werden kann. Dafür geeignet ist eine Vielzahl von sogenannten „Schattengewächsen“ wie Gewürzpflanzen oder auch Faserbananen, die zwischen den Bäumen des Mischwalds angebaut werden können. Neben dem Obstanbau könnten diese landwirtschaftlichen Produkte in Zukunft verstärkt als Einnahmequelle für Kleinbauern erschlossen werden.

Ein weiterer Pfeiler, um die Rodung zu stoppen, ist aus Sicht des Experten das Programm „Grow your own Firewood“, das künftig vom Forest Department der Visayas State University in ausgewählten Modellbereichen durchgeführt werden soll. Es unterstützt Dorfgemeinschaften dabei, ihr eigenes Feuerholz anzubauen. Dank schnell wachsender heimischer Baum- und Heckenarten greife das Programm zum Teil bereits nach einem halben Jahr.


Quelle: Universität Hohenheim, November 2013