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Große Manganknollenvorkommen identifiziert

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 04.06.2012 12:05

Die wirtschaftlich interessantesten Manganknollenvorkommen im deutschen Lizenzgebiet im Pazifik haben jetzt Meeresforscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bei einer Forschungsfahrt mit ihren französischen Kollegen vom Institut IFREMER identifiziert.

Lizenzgebiete zur Exploration von Manganknollen (Quelle: BGR).Die Gebiete mit der höchsten Manganknollendichte von bis zu 30 kg/m² umfassen etwa 20 Prozent der Gesamtfläche des deutschen Lizenzgebietes im Pazifik. „Das sind etwa 110 Millionen Tonnen, damit wären in Zukunft mehr als 40 Jahre Manganknollenbergbau in der Tiefsee möglich“, sagt BGR-Expeditionsleiter Dr. Carsten Rühlemann. Manganknollen enthalten neben Mangan Elemente wie Kobalt, Eisen, Kupfer, Nickel und Zink.

Die rohstoffwirtschaftliche Erkundung war Teil der vierwöchigen Forschungsfahrt des deutsch-französischen Wissenschaftlerteams mit dem Schiff "L'Atalante" im deutschen Manganknollen-Lizenzgebiet und im 1300 km entfernten französischen Lizenzgebiet im Zentralpazifik. Dort haben die Wissenschaftler vordergründig die Umweltbedingungen in 4000 bis 5000 Meter Tiefe untersucht, um Aufschlüsse über mögliche Auswirkungen einer potentiellen Rohstoffgewinnung zu erhalten. „Manganknollen sind eine Rohstoffquelle der Zukunft, die Auswirkungen eines möglichen zukünftigen Abbaus auf das Ökosystem der Tiefsee sind bislang aber nur in Ansätzen erforscht", so Rühlemann. „Umso wichtiger sind Kenntnisse über die marine Umwelt, um eine nachhaltige Nutzung und einen wirkungsvollen Schutz der Tiefsee zu gewährleisten.

Kastengreifer mit Manganknollen (Quelle: BGR)Dies gilt besonders für den Artenreichtum der Tierwelt in den ausgedehnten Knollenfeldern unter den extremen Bedingungen der Tiefsee mit völliger Dunkelheit, frostiger Kälte und enormem Druck", sagt der Meeresgeologe. Der Fokus der Forschungsfahrt lag auf einer umfangreichen Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen. Mit Hilfe von speziellen Geräten wurden etwa 100 Proben des Meeresbodens mit den darin lebenden Tieren genommen. „Diese Expedition war eine der umfangreichsten biologischen Beprobungskampagnen, die bisher im Manganknollengürtel durchgeführt wurden.

Die vollständige Auswertung des enorm großen Probensatzes mit modernsten Methoden durch das Deutsche Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Sie soll Erkenntnisse darüber liefern, wie viele Arten es gibt, wie sie verteilt sind und wie groß deren Verbreitungsgebiet ist", verdeutlicht Rühlemann. Ein erster Vergleich der beiden Lizenzgebiete zeigt, dass einige Arten die Tiefsee weiträumig bewohnen und dass eine Wiederbesiedlung im Falle eines Abbaus der Manganknollen nicht durch Wanderbarrieren beeinträchtigt würde. Ob dies auch für weitere Arten zutrifft, sollen die Untersuchungen der Proben zeigen.

Unter den insgesamt 26 Forschern der Expedition waren außerdem Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sowie Experten aus Großbritannien, Russland, Portugal und der Schweiz. Für die BGR-Meeresforscher war es die vierte Fahrt ins deutsche Manganknollen-Lizenzgebiet. Grundlage dafür ist ein im Jahr 2006 zwischen der Internationalen Meeresbodenbehörde und der BGR geschlossener Vertrag, der Deutschland das exklusive Recht gibt, auf einem Meeresareal von 75.000 km² Größe in rund 5000 Meter Tiefe 15 Jahre lang den Bestand der rohstoffreichen Manganknollen zu erfassen.

Seegurke über Manganknollenfeld in 4200 Meter Tiefe (Quelle: BGR).Die Manganknollen-Vorkommen waren bereits vor rund 30 Jahren ein Rohstoff-Thema. Die in der Tiefsee verbreiteten Knollen wurden während der 1970er- und 1980er-Jahre als eine neue, bisher nicht genutzte Quelle für verschiedene Metalle entdeckt, die zusammen rund drei Prozent der Knollenmasse ausmachen. Nach Jahren intensiver Forschungstätigkeit erschien ein submariner Abbau greifbar nahe. Ein Konsortium mit Beteiligung deutscher Firmen erwarb daher 1984 eine Förderlizenz im zentralen Pazifik. Allerdings verhinderte damals ein unerwarteter Preisverfall bei Metallrohstoffen den Beginn der kommerziellen Gewinnung von Manganknollen und die Lizenz erlosch.

Angesichts teilweise dramatisch steigender Rohstoffpreise gewinnen die Manganknollen erneut an Aktualität. „Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben auch eine Maßnahme der strategischen Vorsorge. Durch die frühzeitige Forschungstätigkeit der BGR wird ein Beitrag zur zukünftigen Rohstoffsicherung unseres Landes geleistet“, so BGR-Wissenschaftler Rühlemann.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Mai 2012