26. Jul. 2017

So könnte die neu entdeckte Raubfischart Birgeria americana ausgesehen haben.

Die Nahrungsketten erholten sich nach dem verheerenden Massenaussterben vor rund 252 Millionen Jahren rascher als bisher angenommen. Das zeigt der fossile Schädel eines grossen Raubfisches namens Birgeria americana, den Paläontologen der Universität Zürich in der Wüste Nevadas entdeckt haben.

Das katastrophalste Massenaussterben auf der Erde erfolgte vor rund 252 Millionen Jahren – erdgeschichtlich an der Wende vom Perm zur Trias. Bis zu 90 Prozent der im Meer lebenden Arten wurden damals ausgelöscht. Die weltweite Artenvielfalt erholte sich daraufhin in mehreren Phasen während rund fünf Millionen Jahren. Paläontologen gingen bisher davon aus, dass die ersten Raubtiere, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, erst in der mittleren Trias vor 247–235 Millionen Jahren aufgetaucht sind.

Nun haben schweizerische und US-amerikanische Forschende unter der Leitung des Paläontologischen Instituts und Museums der UZH die fossilen Überreste eines der frühesten grossen Raubfische der Trias entdeckt: ein ca. 1,8 Meter grosser Knochenfisch mit langen Kiefern und spitzen Zähnen. Dieser gehört zu einer neuen, bisher unbekannten Art namens Birgeria americana. Der Räuber bewohnte bereits eine Million Jahre nach dem weltweiten Artensterben das Meer, das damals das heutige Nevada und benachbarte US-Bundesstaaten bedeckte.

Aus den USA waren bisher praktisch keine Fossilien von Wirbeltieren aus der Zeit der frühen Trias (vor 252–247 Millionen Jahren) bekannt. "Der überraschende Fund aus dem Elko County im Nordosten Nevadas gehört zu den am komplettesten erhaltenen Wirbeltier-Überresten aus dieser Zeit, die je in den USA entdeckt wurden", betont Carlo Romano, Erstautor der Studie. Es handelt sich dabei um einen 26 Zentimeter langen Schädelrest eines Raubfisches. Das belegen drei parallele Reihen von scharfen, bis zu 2 Zentimeter langen Zähnen entlang der Kiefer, sowie zahlreiche kleinere Zähne im Innern des Mauls.

26 Zentimeter langes Fossil der rechten Seite des Schädels von Birgeria americana.
Bild: UZH

Birgeria jagte ähnlich wie der heutige Weiße Hai: Die Beutefische wurden verfolgt und mit den Zähnen gefasst, bevor sie als Ganzes verschlungen wurden. Birgeria-Arten existierten weltweit. Beim nun entdeckten Fund handelt es sich um das früheste Exemplar einer grosswüchsigen Birgeria-Art, rund eineinhalb mal länger als geologisch ältere Verwandte.

Gemäß früheren Studien bauten sich die durch das Massensterben verkürzten Nahrungsketten der Meeresbewohner nur schrittweise und langsam wieder auf. Zudem nahm man an, dass die Gebiete um den damaligen Äquator im Nachgang des Artensterbens zu heiß waren, als dass sich dort Wirbeltiere entwickeln konnten. Funde wie die neu entdeckte Birgeria-Art und Fossilien weiterer Wirbeltiere zeigen nun, dass sogenannte Top-Prädatoren, die zuoberst in der Nahrungskette stehen, bereits in der frühen Trias lebten. Das Vorkommen von Knochenfischen nahe am Äquator ‒ dort lag Nevada während der frühen Trias ‒ deutet darauf hin, dass die Meerestemperatur maximal 36 Grad Celsius betrug. Die Eier heute lebender Knochenfische können sich bei Temperaturen von über 36 Grad Celsius nicht mehr normal entwickeln.

"Die Wirbeltierfunde aus Nevada weisen darauf hin, dass bisherige Interpretationen, wie sich vergangene globale Veränderungen und Biodiversitätskrisen entwickelt haben, zu einfach waren", schätzt Carlo Romano. Trotz des Ausmaßes des damaligen Artensterbens und der intensiven Klimaveränderungen konnten sich die Nahrungsnetze rascher wieder aufbauen als bisher angenommen.


Quelle: Universität Zürich (UZH), Juli 2017