13. Nov. 2017

Satellitendaten können den Landwirten großflächige Informationen über den Zustand von Feldfrüchten und Ackerböden geben und so zu einer nachhaltigen, effizienten und ressourcenschonenden Landwirtschaft beitragen.

Wie kann moderne Landwirtschaft von der Satellitenfernerkundung profitieren? Welche Konzepte bieten Raumfahrttechnologien für digitalen Ackerbau und Pflanzenzucht ("Smart Farming")? Antworten auf diese und ähnliche Fragen gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vom 12. bis 18. November 2017 auf der weltweit größten Messe für Landtechnik, der Agritechnica, in Hannover.

"Die Agritechnica bietet genau das, was wir wollen: Raumfahrt und andere Branchen zusammenbringen. Hier zeigen wir, wie Landwirte konkreten Nutzen aus Raumfahrttechnologien ziehen können. Moderne Software wertet sehr effizient hochgenaue Satellitendaten aus, Landwirte erhalten so für jedes Feld aktuelle Infos zur Bodenfeuchtigkeit, zum Pflanzenwachstum, zum Ertrag usw. Basis dafür sind die neuen Satelliten aus dem Copernicus-Programm der Europäischen Union, das Deutschland wesentlich mitträgt“, erläutert Dr. Gerd Gruppe, Vorstand für das DLR Raumfahrtmanagement, den Hintergrund.

Denn nur ein gesunder Boden liefert am Ende eine reiche Ernte. Satellitenkarten können den Landwirten großflächige Informationen über den Zustand von Feldfrüchten und Ackerböden geben, um zum Beispiel Ertragsprognosen erstellen, Ertragsrisiken erkennen und Schadensfälle abschätzen und damit auch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln optimieren zu können. "So wird eine nachhaltige, effiziente und letztlich auch ressourcenschonende Landwirtschaft möglich", verdeutlicht Godela Roßner, die sich in der Abteilung Erdbeobachtung im DLR Raumfahrtmanagement mit der Nutzung und Anwendung von Fernerkundungsdaten befasst. Die Daten des europäischen Erdbeobachtungs-Programms Copernicus sind offen und frei verfügbar für jedermann, Services können von verschiedenen Anbietern bezogen werden. "Wir sehen uns hier als neutrale Berater und unterstützen sehr gerne bei der Vernetzung mit Experten", so Godela Roßner weiter.

Zur digitalen Landwirtschaft gehören auch entsprechend ausgestattete Traktoren.
Bild: DLR/CC-BY 3.0
Satellitenkarten liefern dem Landwirt in kurzen Zeitabständen eine verlässliche Ertragsprognose. Im Bild sieht man die Ertragsänderung im Zeitraum Anfang September bis Mitte Oktober 2017.
Bild: Vista GmbH

Satelliteninformationen ermöglichen ein zeitgemäßes Management landwirtschaftlicher Betriebsflächen. Sie erlauben ein räumlich differenziertes und präzises Vorgehen. Von der Bodenbeprobung über Düngung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder auch die Festlegung des Erntezeitpunkts wird die Effizienz des Ressourceneinsatz gesteigert. Der Landwirt kann Informationen zu Pflanzengesundheit und Pflanzenentwicklung, zur Abschätzung von Biomasse und Futterwert, einer effektiveren Düngung, der Bestimmung von Erntezeitpunkten und zusätzliche Daten zu "Standortfaktoren" wie Klima, Böden, Terrain erlangen. Auch Bodenfeuchte und Humusgehalt können kartiert sowie Minderertragsflächen erkannt werden. DLR-Wissenschaftlerin Godela Roßner: "Fernerkundung ist damit fester Bestandteil des sogenannten Smart Farming und die Informationen sind auch in übergeordnete Systeme integrierbar, zum Beispiel in der Farmverwaltung. In Hannover zeigen wir anhand verschiedener - auch interaktiver - Exponate das breite Einsatzspektrum von Fernerkundungsdaten für die landwirtschaftliche Nutzung."

Die Agritechnica ist mit 2.900 Ausstellern aus 52 Ländern und 450.000 Besuchern (2015) die weltweit größte Messe für Landtechnik. Sie findet seit 1985 alle zwei Jahre statt, zunächst in Frankfurt am Main, seit 1995 in Hannover.


Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), November 2017