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Hohe Angebotskonzentration von mineralischen Rohstoffen

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 23.03.2015 16:47

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat heute die neue DERA-Rohstoffliste zur globalen Angebotskonzentration veröffentlicht. Rund ein Drittel der knapp 300 untersuchten mineralischen Rohstoffe und Handelsprodukte weisen diesbezüglich erhöhte Preis- und Lieferrisiken auf. Zu ihnen gehören Stahlveredler wie Niob, Vanadium und Wolfram, aber auch Hochtechnologiemetalle wie Seltene Erden, Germanium, Platinmetalle und Tantal sowie eine Reihe von Eisenlegierungen. Die Ergebnisse sind vor allem für Unternehmen der verarbeitenden Industrie wichtig, um Schwachstellen in der Wertschöpfungskette zu identifizieren.

Die Kounrad Copper Mine in der Region Balkhash, Kasachstan. (Foto: BGR)Besonders auffällig ist z. B. die Angebotskonzentration bei Platin und Palladium. Diese Metalle, die u. a. in Fahrzeugkatalysatoren eingesetzt werden, stammen zu mehr als 75 % aus Südafrika und Russland. Eine noch höhere Konzentration weist Niob auf. Der in der Stahlindustrie vorrangig eingesetzte Metallrohstoff wird zu mehr als 90 % in Brasilien gefördert. Vor allem aber dominiert China bei zahlreichen Rohstoffen die globale Bergwerksförderung. So liegt der Anteil Chinas z. B. bei Antimon, Wolfram und Seltenen Erden bei rund 80 bis 85 %. Insgesamt belegt das Land im Bereich der Bergwerksförderung bei fast der Hälfte aller untersuchten Rohstoffe den ersten Platz. Aber nicht nur hier, sondern auch bei der Metallproduktion (Raffinadeproduktion) nimmt China bei 22 von 25 ausgewählten Rohstoffen die führende Position ein, darunter zahlreiche für Zukunftstechnologien benötigte Metalle wie Gallium, Germanium oder Indium. China ist zudem der bedeutendste Nettoexporteur von einer Vielzahl der in der Studie untersuchten Handelsprodukte. Das Land ist bei 32 der 79 potenziell kritischen Handelsprodukte weltweit größter Exporteur, z. B. bei Zwischenprodukten aus Magnesium, Seltenen Erden, Wismut oder Wolfram.

Die Analysen der DERA zeigen, dass die Angebotskonzentration auf den Weltrohstoffmärkten weiterhin sehr hoch ist und sich diese bei den meisten Rohstoffen in den vergangenen zwei Jahren – seit Erscheinen der ersten DERA Rohstoffliste – kaum verringert hat. Diese rohstoffbezogenen Risiken können sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken. Auch wenn die Rohstoffpreise deutlich zurückgegangen sind, bleiben die Preis- und Lieferrisiken bestehen.

Im Rahmen des Risikomanagements empfehlen die DERA-Experten den Einkaufs-, Produktions- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen, bei der Erfassung von betriebsinternen Rohstoffrisiken gemeinsam Ausweichstrategien zu erarbeiten. In erster Linie geht es darum, die eingesetzten oder herzustellenden Halbzeuge und Fertigteile daraufhin zu analysieren, welche Rohstoffe sie enthalten und welchen Einfluss entsprechende Preis- und Lieferrisiken auf den Unternehmenserfolg haben können. Inzwischen wird es immer komplizierter und zeitaufwendiger, das Gesamtrisiko für einzelne Bauteile, die Dutzende Rohstoffe enthalten können, zu überblicken. Noch schwieriger ist es, die gesamte Wertschöpfungskette im Blick zu behalten. Gerade jetzt, da die Preise für viele mineralische Rohstoffe gesunken sind, bieten sich jedoch günstige Handlungsoptionen. Jedes Unternehmen sollte geeignete Strategien und individuelle Lösungen entwickeln, um sich auch mittel- und langfristig den erforderlichen Rohstoffbezug zu sichern. Die DERA-Rohstoffliste bietet hier eine erste Orientierung und wichtige Hinweise.

Ziel der DERA-Studie ist es, die globale Angebotskonzentration sowie das Länderrisiko in den Produktionsländern für Bergwerksprodukte (Erze und Konzentrate) und Produkte der Weiterverarbeitung (Raffinade) zu untersuchen. Erstmalig wird in dieser Neuauflage der Rohstoffliste auch die Konzentration des internationalen Handels mit Rohstoffen und Zwischenprodukten auf der Basis der weltweiten Nettoexporte bewertet. 


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, März 2015