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Internationale “Atlantis Massif”-Expedition gestartet

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 28.10.2015 15:11

Seit Montag, den 26. Oktober, ist ein internationales Wissenschaftler_innen-Team an Bord des englischen Forschungsschiffs James Cook auf dem Weg in den zentralen Atlantik. Dort wird es ab Anfang kommender Woche während einer sechswöchigen Expedition das Atlantis Massif erkunden; ein untermeerisches Gebirgsmassiv, das den Ozeangrund um fast 4.000 Meter überragt. Mit an Bord ist das MARUM-MeBo. Es ist das erste Mal, dass ein ferngesteuertes Meeresboden-Bohrgerät auf einer solch internationalen Expedition eingesetzt wird.

Das Expeditionsschiff James Cook. (Foto: NOC Southampton)Geleitet wird die Fahrt von Prof. Gretchen Früh-Green, ETH Zürich, und Dr. Beth Orcutt vom US-amerikanischen Laboratory for Ocean Sciences, Bigelow/Maine. Mit Hilfe von MARUM-MeBo sowie einem britischen Bohrgerät will das Team an maximal elf Lokationen in Wassertiefen zwischen 720 und 1.770 Meter Proben vom Atlantis Massif an die Oberfläche holen. Dabei liegen die maximalen Bohrtiefen zwischen 50 und 70 Meter.

Das Atlantis Massif ist Teil des mittelatlantischen Rückens, des längsten Gebirgsrückens weltweit. „Der Meeresboden bietet hier etwas ganz Besonderes“, sagt Meeresgeologin Gretchen Früh-Green, die die Region erstmals 2003 und 2005 erforschte und dabei mitten im Atlantik eine „versunkene Stadt“, Lost City, entdeckte. „Das sind grandiose, bis zu 60 Meter hohe Türme aus schneeweißem Kalkstein. „Diese Strukturen haben uns an Atlantis erinnert, daher der Name des Gebirgsmassivs“, sagt die Expeditionsleiterin.

Das Atlantis Massif besteht aus Gesteinen des Erdmantels, die normalerweise unter der Erdkruste verborgen sind. Durch chemische Reaktionen zwischen Meerwasser und Gestein wird das Mineral Olivin in Serpentin umgewandelt und dabei Methan, Wasserstoff und Wärme freigesetzt. „In der Nähe der damals entdeckten Lost City wollen wir die Natur dieser Prozesse jetzt eingehend erkunden“, sagt die Meeresgeologin Früh-Green. Sie seien vergleichbar mit denen in der Frühzeit unserer Erde, als sich erste Lebensformen entwickelten.

„Deshalb wollen wir auch gezielt erforschen, welche Organismen am und im Meeresboden leben“, ergänzt die Mikrobiologin Beth Orcutt. „In diesem Zusammenhang wollen wir herausfinden, ob die chemischen Reaktionen zwischen Meerwasser und Gestein dazu führen, dass Kohlenstoff am oder im Meeresboden abgelagert wird – und ob dieser Prozess eventuell auf den globalen Kohlenstoffkreislauf und damit auf das Klima rückwirkt.“

Die „Atlantis Massif“-Expedition verfolgt u.a. folgende wissenschaftliche Fragestellungen:

• Wie gelangt das Mantelgestein aus der Tiefe an die Meeresbodenoberfläche?
• Wie reagieren Gesteine und Meerwasser miteinander?
• Wie wirkt sich dies auf den Kohlenstoffkreislauf aus?
• Welche Lebensformen finden sich im Meeresboden und wie sichern diese ihr Überleben unter den dort vorherrschenden extremen Bedingungen?

Organisiert, finanziert und ausgeführt wird die „Atlantis Massif“-Expedition vom Europäischen Konsortium für wissenschaftliches Ozeanbohren (ECORD). Sie ist ein Beitrag zum International Ocean Discovery Program (IODP), in dem europäische Staaten u.a. mit Japan und den USA zusammen arbeiten. Während der Vorbereitungsphase in Southampton wurden auf dem Forschungsschiff James Cook die beiden Meeresboden-Bohrgeräte MARUM-MeBo und Rockdrill2 des Britischen Geologischen Dienstes (BGS) installiert. Sie sollen im Wechsel bohren, um die Zeit vor Ort optimal zu nutzen.

Für das IODP bietet diese Expeditionen gleich zwei Premieren: Erstmals werden zwei ferngesteuerte Bohrgeräte eingesetzt statt des bislang auf solchen Expeditionen üblichen Bohrturms. Und erstmals stehen zwei Forscherinnen an der Spitze einer ECORD-Expedition.

Nach Abschluss der Expedition werden die Bohrkerne nach Bremen verschifft. Dort, im Bohrkernlager des IODP, treffen sich ab 20. Januar 2016 die etwa 30 an der Expedition beteiligten internationalen Wissenschaftler_innen, um die erbohrten Proben eingehend zu analysieren.


Quelle: MARUM, Bremen, Oktober 2015