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Leise rieselt der Kalk

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:45

Unbeachtet von uns Menschen rieselt ein stetiger Kalkregen von der lichtdurchfluteten Oberflaeche der Ozeane auf die dunklen Gebirge der Tiefsee herab. Die "Regenmacher" sind mikroskopisch kleine Kalkalgen, die waehrend ihres Wachstums im Oberflaechenozean bizarr anmutende Kalkstrukturen bilden; den Kalk nehmen die Algen nach ihrem Absterben mit in die Tiefe. Dieser Vorgang reduziert - aufgrund von Veraenderungen des chemischen Gleichgewichtes im Meerwasser - das Speichervermoegen der Ozeane fuer Kohlendioxid (CO2), wodurch sich der Anteil des Treibhausgases in der Atmosphaere entsprechend vergroessert. Unser Klima war und ist eng mit dem CO2-Gehalt in der Atmosphaere verknuepft: In den vergangenen Eiszeiten war die Konzentration von Kohlendioxid deutlich geringer als waehrend der warmen Klimaperioden. Koennte der durch die Algen verursachte Kalkregen den CO2-Gehalt beeinflussen? Dieser Frage widmet sich eine in der aktuellen Ausgabe von Nature erschienene Studie von Forschern* des Kieler Leibniz-Instituts fuer Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).


(c) Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel

Zusammen mit ihren Kollegen vom AWI in Bremerhaven und dem niederlaendischen NIOZ untersuchten die Meereswissenschaftler den Einfluss von Spurenmetallen auf die Kalkbildung. Die Spurenmetalle sind fuer das Algenwachstum unabdingbar, ihre Verfuegbarkeit im Oberflaechenozean variiert jedoch vermutlich je nach Klimaperiode. Bedingt durch schwaechere Winde war in den Warmzeiten der Eintrag von Spurenmetallen - in Form von Staub - in den Ozean um ein Vielfaches kleiner als in den Eiszeiten. Die Meereswissenschaftler fanden in ihren Laborexperimenten heraus, dass geringe Konzentrationen des lebenswichtigen Spurenmetalls Zink zu extrem stark verkalkten Algenzellen fuehren. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die Intensitaet des unterseeischen Kalkregens von der Zinkverfuegbarkeit beeinflusst werden kann: Waehrend es in Warmzeiten giesst und schuettet, hat es in Eiszeiten eventuell nur genieselt. Der in den Eiszeiten niedrigere atmosphaerische CO2-Gehalt koennte so zumindest teilweise auf das Konto des Kalkregens gehen. Doch nicht nur das Klima mit seinen staerkeren oder schwaecheren Winden beeinflusst die kalkigen Niederschlaege. Bohrkerne aus dem arktischen Eis zeigen, dass seit Beginn der Industrialisierung der Zinkeintrag in die Meere deutlich gestiegen ist. Aehnlich wie beim Klimawandel koennte der Mensch auf diesem Wege also auch "Wettergott" in der Tiefsee spielen.


(c) Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel

Weitere Informationen finden Sie hier.

Uta Deinet, Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit, Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel