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Kalkstein ist Gestein des Jahres 2010

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 27.01.2010 12:05

Man findet ihn in den Riffen der Ozeane, aber auch in der Schwäbischen Alb oder in den Kalkalpen: Kalkstein gehört zu den vielseitigsten Gesteinen - und zu den wertvollsten. Denn auch als Rohstoff oder als Baumaterial ist dieser Alleskönner unentbehrlich.

Kalksteine bestehen zum großen Teil aus dem Mineral Calcit (CaCO3). In vielen Kalksteinen ist häufig aber auch der magnesiumhaltige Dolomit vorhanden, weshalb man dann von einem dolomitischen Kalkstein spricht. Um auf die große Bedeutung des Kalksteins für Mensch und Natur aufmerksam zu machen, hat ihn der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) jetzt zum „Gestein des Jahres 2010“ gekürt.


Korallen als Baumeister


Bei der Entstehung der meisten Kalksteine spielen Lebewesen eine entscheidende Rolle. So bauen beispielsweise Korallen das im Meerwasser vorhandene Kalzium zusammen mit Sauerstoff und Kohlenstoff direkt in ihr Skelett ein. Nach dem Absterben der Tiere bleibt nur das CaCO3-Gerüst erhalten und durch Verfestigungsprozesse wird daraus Kalkstein.

Nicht nur das mehrere tausend Kilometer lange Great-Barrier-Reef vor der Küste Australiens ist auf diese Weise immer weiter gewachsen, sondern auch viele Hunderte von Millionen Jahre alte Riffgürtel, deren Überreste heute noch in Deutschland zu bewundern sind – an Land. Denn viele unserer Landschaften sind durch Riffkalke geprägt. Das betrifft die in einem flachen Meer im Devon gebildeten Riffe des Rheinischen Schiefergebirges ebenso wie die Zechsteinriffe in Ostthüringen gebildet hatten. In diesen Gegenden zeugen viele Steinbrüche von der großen Nachfrage nach dem begehrten Kalkstein."


Kalksteine nicht nur biologischen Ursprungs


Die größten Kalksteinvorkommen der Erde sind jedoch auf dem Grund von Ozeanen entstanden, wo sich mit der Zeit die kalkhaltigen Reste von abgestorbenen Algen, Muscheln, Schnecken und Seeigeln in mächtigen Sedimentschichten ansammelten und durch hohen Druck in Gestein umgewandelt wurden.

Doch längst nicht alle Kalksteine haben einen biologischen Ursprung. „Kalkstein kann auch durch chemische Prozesse aus dem Wasser ausgefällt werden“, erklärt Dr. Werner Pälchen vom BDG. Dabei entstehen Quellkalke, Kalk-Tuffe, Travertine und Sinter. Auch sie können sich zu hohen Kalkbecken, Terrassen oder „Steinernen Rinnen“ entwickeln. In diesen Quellsedimenten ist oft auch Aragonit vorhanden, eine andere kristallographische Modifikation des Kalziumkarbonats.


Vielseitig verwendbar


Kalksteine bilden nicht nur die Grundlage für Naturwunder wie die Kalksinterfelsen von Pamukkale in der Türkei, die Solnhofener Plattenkalke in Bayern oder die Kreidefelsen der Insel Rügen, sondern sie sind auch von unschätzbarer Bedeutung für die Industrie. Denn der Rohstoff ist nicht nur reichlich vorhanden, sondern auch vielseitig verwendbar.

„Jeder Einwohner der Bundesrepublik Deutschland verbraucht in einem 70-jährigen Leben etwa 100 Tonnen Kalk- und Mergelsteine“, verdeutlicht Dr. Werner Pälchen vom BDG. In erster Linie ist Kalkstein ein Baurohstoff und wird zu Zement und Branntkalk verarbeitet. Denn Kalkstein verändert durch Erhitzen seine chemische Zusammensetzung. Bei Temperaturen zwischen 900 und 1200°C wird der Kalkstein (CaCO3) in gasförmiges Kohlendioxid (CO2) und Calciumoxid (CaO = Branntkalk) zerlegt.

„Vor allem in der Eisen- und Stahlindustrie werden große Mengen Kalkstein gebraucht, denn ohne ungebrannten Kalkstein würde aus dem Eisenerz kein Roheisen und ohne Branntkalk aus dem Roheisen kein Stahl. Aber auch als Dünger für Pflanzen und Tiere wird Kalkstein benötigt“, so Pälchen weiter.


Hilfsmittel für Architekten und Rohstoffexperten


Wichtige Dienste geleistet hat Kalkstein auch in der Architektur. So sind beispielsweise der Kaiserdom in Königslutter, der Dom von Halberstadt, das Pergamonmuseum in Berlin sowie eine Vielzahl von Dorfkirchen in Mittel- und Süddeutschland zu großen Teilen aus Kalksteinen errichtet worden.

„Wenn man schließlich noch berücksichtigt, dass poröse Kalksteine als geologische Speicher für Erdöl und Erdgas fungieren können und die vielfältigen Karstphänomene in den Kalksteinfolgen interessante und attraktive Tropfsteinhöhlen geschaffen haben, lässt der Kalkstein wohl keine Wünsche offen. Mit seiner Vielseitigkeit ist er ein würdiges ‚Gestein des Jahres 2010‘“, so die Geowissenschaftler des BDG.


Gestein des Jahres


Bereits zum vierten Mal haben sie ein Gestein des Jahres ausgewählt. Ziel dieser Aktion ist es, Gesteine und ihre Bedeutung für Landschaft, Boden, Vegetation oder als Rohstoff im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Der Kalkstein ist dabei Nachfolger von Basalt, Sandstein und Granit.


(Pressemitteilung des Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler [BDG], Januar 2010)

Verweise
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