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Kiefern als Klimazeugen

erstellt von smaier zuletzt verändert: 11.09.2013 11:13

Auf dem Telegrafenberg in Potsdam werden die Jahrringe von Kiefern untersucht, um das Klima der letzten Jahrhunderte zu rekonstruieren. Untersuchte man mit dieser, Dendrochronologie genannten Methode bisher die Jahrringe der Bäume, um auf das vergangene Klima zu schließen, so geht man jetzt hinunter bis auf die Ebene einzelner Holzzellen.

Mikroskopische Aufnahme eines Dünnschnitts (50 µm Dicke) von einer Kiefer. (Bild:GFZ) Der Potsdamer Wissenschaftler Ingo Heinrich hat am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ diese neue Methode entwickelt, die es ihm erlaubt, nicht nur einfache Jahrringbreiten zu messen, sondern die einzelnen Zellgrößen pro Jahrring. „Die Bäume auf dem Telegrafenberg sind unser Testmodell, sozusagen vor der Haustür“, so Heinrich, „Wir erhalten so detailliertere Informationen als mit der klassischen Jahrringmethode.“

Das Problem: Zwar werden weltweit Baum-Jahrringe schon lange dazu benutzt, das Klima vergangener Jahrhunderte zu rekonstruieren. Bisher wurden dafür aber hauptsächlich die Jahrringbreiten gemessen, und zwar von Bäumen, die von extremen Standorten der alpinen und polaren Waldgrenzen stammen. Hingegen fehlen lange Klimarekonstruktionen auf der Grundlage von Jahrringen aus den Flachlandgebieten der gemäßigten Breiten völlig. Nur haben sich diese Bäume sich bisher nicht besonders klimasensitiv gezeigt. Hier setzt Ingo Heinrich mit seinem Team an. Mit einer Lasermikroskop-Untersuchung konnte die Doktorandin Wei Liang am GFZ in einer ersten Pilotstudie feststellen, dass verschiedene Zellparameter wie z.B. die Querschnittsflächen der Holzzellen, hervorragend mit Temperaturveränderungen korrelieren. Die Kiefern auf dem Telegrafenberg formen demnach große Zellen, wenn der vorherige Herbst und Winter wärmer waren. Wichtig für besseres Zellwachstum sind auch überdurchschnittlich hohe Niederschlagswerte im Frühjahr und Sommer.

Im nächsten Schritt wird die neue Methode nun für neue lange Temperaturrekonstruktionen in Nordostdeutschland und Polen genutzt, um endlich auch für unsere gemäßigten Breiten Aussagen über langfristige Temperaturveränderungen treffen zu können. 


Quelle: Deutsches GeoForschungsZentrum Potsdam, September 2013