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Klima-Kühlung aus der Sahara?

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 22.10.2012 16:09

Staub aus der Sahara wirkt wie ein natürliches Düngemittel auf das Pflanzenwachstum im Meer. Beeinflusst er dadurch möglicherweise auch das globale Klima? Diese Theorie will nun Dr. Jan-Berend Stuut, Mitarbeiter des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (MARUM) und des niederländischen Meeresforschungsinstituts NIOZ, prüfen.

Westafrikanischer Sandsturm. (Foto: Jutta Leyrer, NIOZ)Schätzungsweise eine Milliarde Tonnen Staub werden jedes Jahr in der Sahara und der südlich angrenzenden Sahelzone aufgewirbelt und von Winden fortgetragen. Der Großteil dieses Materials lagert sich am Grund des Ozeans ab. Da der Wüstenstaub viele Nährstoffe und Metalle enthält, wirkt er wie ein natürliches Düngemittel und fördert so das Algen- und Planktonwachstum im Meer. Zum Wachsen benötigen die marinen Mikroorganismen aber auch das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid, das sie der Atmosphäre entziehen. Könnte der Saharastaub auf diese Weise möglicherweise Einfluss auf den globalen Klimawandel haben? „Um das beantworten zu können, müssen wir zunächst die genauen Auswirkungen der Staubablagerungen auf die marine Umwelt untersuchen“, erläutert Dr. Jan-Berend Stuut, der sowohl am MARUM in Bremen als auch am niederländischen Meeresforschungsinstitut NIOZ (Nederlands Instituut voor Onderzoek der Zee) auf Texel arbeitet.

Dies ist das Hauptziel seines Projekts „DustTraffic: Transatlantic Fluxes of Saharan Dust“, für das der Meeresgeologe insgesamt 1,97 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council – ERC) erhält. Mithilfe dieses „ERC Starting Grant“ werden Stuut und sein Team in der Lage sein, die Transportwege des Saharastaubs und dessen Effekte auf die Meeresumwelt zu erforschen.

Stuuts fünfjähriges Projekt startet im Oktober 2012 mit einer Expedition an Bord des Deutschen Forschungsschiffes METEOR – von den Kapverdischen Inseln quer über den Atlantik bis in die Karibik. Entlang dieser Strecke sollen bei etwa 12 Grad nördlicher Breite zehn Sedimentfallen unter Wasser ausgesetzt werden, in denen sich alles sammelt, was zum Meeresboden rieselt. Anhand der Proben aus den Sedimentfallen können der Staubtransport und seine Auswirkungen später im Labor analysiert werden. Zusätzlich wird ein schwimmender Staubsammler konstruiert und in der Mitte des Atlantiks ausgesetzt. In Kombination mit Satellitendaten können so die zeitlichen Änderungen in der Verteilung und der Ablagerung des Staubs verfolgt werden.

Mit dem „ERC Starting Grant“ unterstützt der ERC wissenschaftlich exzellente Forschungsvorschläge unabhängiger Nachwuchsforscher mit einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz. Für die mittlerweile fünfte Ausschreibung des Starting Grant gingen 4741 Bewerbungen aus den Bereichen Lebenswissenschaften, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie den Sozial- und Geisteswissenschaften ein.

Jan-Berend Stuut an seinem Arbeitsplatz in der Wüste. (Bild: MARUM)

Jan-Berend Stuut an seinem Arbeitsplatz in der Wüste. (Bild: MARUM)


Quelle: MARUM Bremen, Oktober 2012