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Korallen in der Stressfalle

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 29.05.2015 10:46

Bei zu hohen Wassertemperaturen sind Korallen durch die sogenannte Korallenbleiche gefährdet. Ein Forscherteam der University of Southampton, der New York University Abu Dhabi und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat festgestellt, dass die Anpassungsfähigkeit von Korallen an veränderte Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Änderungen im Salzgehalt, auf Kosten ihrer Hitzetoleranz geht. Korallen, die derzeit in sehr warmen Meeresgebieten überleben, können deshalb nicht ohne weiteres in andere Regionen überführt werden, so das Ergebnis einer Studie, die jetzt in der internationalen Fachzeitschrift IMSE veröffentlicht wurde.

Korallen sind and das Überleben bei extremen Temperaturen und hohen Salzgehalten angepasst. (Foto: Grace Vaughan, SOC)Warmwasserkorallen leben in einer lebenswichtige Partnerschaft mit einzelligen Algen der Gattung Symbiodinium. Durch Hitzestress verursachte Schädigungen an dieser Alge führt zum Absterben der Korallen, der sogenannten Korallenbleiche. Die meisten Korallen fallen Bleichen bei Wassertemperaturen über 32°C zum Opfer. Im südlichen Persischen / Arabischen Golf (PAG) überleben jedoch auch Korallen regelmäßig Spitzentemperaturen von bis zu 35oC. Gleichzeitige Veränderungen im Salzgehalt kann die Hitzetoleranz der ansonsten besonders robusten Korallen jedoch schwächen und zu ihrem Absterben führen.

Der Senior-Autor der Studie, Professor Jörg Wiedenmann von der Universität von Southampton, erklärt: „Es war nicht klar, ob die Widerstandsfähigkeit durch die Anwesenheit von einer neuen Art von symbiotischen Algen (Symbiodinium thermophilum) beeinflusst wird, die das Forscherteam vor kurzem in dieser Region entdeckt hat. Unsere Untersuchungen entlang der Küste des südlichen Persischen Golf und dem angrenzenden Golf von Oman haben gezeigt, dass diese spezielle Symbionten in der Tat eine wichtige Rolle für das Überleben in den heißesten Meeresgebieten, in den Korallen vorkommen, haben.“

Das Wasser in dem untersuchten Gebiet ist nicht nur besonders warm sondern auch sehr salzhaltig. Außerhalb des Persischen Golfs, in Regionen mit „normalen“ Salzgehalten beherbergen die Korallen verschiedene andere Symbionten. Die vorgelegte Studie sollte u.a. die Frage klären, ob man die im Persischen Golf vorkommenden besonders hitzeresistenten Arten erfolgreich in anderen Meeresgebieten ansiedeln kann. „Wir haben die Bedingungen in unserem Labor simuliert und festgestellt, dass Korallen aus dem Golf ihre außergewöhnliche Hitzestresstoleranz verlieren, wenn sie gleichzeitig die Umstellung auf andere Salzgehalte bewältigen müssen, sagt der Hauptautor der Studie Dr. Cecilia D'Angelo, Senior Research Fellow an der Universität von Southampton. „Dies kann erklären, warum die PAG-typischen Korallenarten selten in den weniger salzigem Wasser zu finden sind“, so D’Angelo weiter.

Dr. D'Angelo fügt hinzu: „Einige Korallen könnten möglicherweise versuchen dem für sie schädlichen Hitzestress bedingt durch die globale Erwärmung zu entkommen, indem sie sich in anderen Regionen ansiedeln. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass zusätzlich zu Barrieren wie Landmassen, der Mangel an geeigneten Substraten und die Abhängigkeit von bestimmten lokalen Umweltbedingungen für die Habitate wie ein unsichtbarer Zaun wirken könnte, aus dem sie nicht entkommen können“

Mit dem in den nächsten 100 Jahren erwarteten Anstieg der Wassertemperaturen, wurde diskutiert, ob es möglich ist besonders hitzetolerante Korallenarten in anderen Riffen anzusiedeln. Professor Wiedenmann dazu: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Umsiedlung von Korallen über große geografische Entfernungen keine einfache Lösung darstellt, um bedrohte Riffe zu erhalten, da sie sich, abgesehen von der Temperatur, auch an verschiedene Umweltfaktoren in ihrem neuen Lebensraum anpassen müssen. Die Bemühungen um den Schutz von Korallenriffen sollten sich vielmehr auf andere Maßnahmen konzentrieren, wie die Verringerung von Nährstoffeintrag, Sedimentation, Überfischung und Zerstörung von Küstengebieten. Gleichzeitig sollten alle Versuche unternommen werden, um durch Reduktion von CO2-Emissionen eine weitere globale Erwärmung zu verhindern“. 


Quelle: GEOMAR, Kiel, Mai 2015