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Meeresboden ertasten und überfliegen - Deutsches Schifffahrtsmuseum

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 24.10.2007 22:20

Seit neuestem kommen Besucher des Deutschen Schifffahrtsmuseum der unbekannten Unterwasser-Topographie noch etwas näher: In der Abteilung "Geschichte der Meeres- und Polarforschung" steht ein robustes Tastmodell aus Metallguß zur Verfügung, an dem Kinder, aber bitte gern auch Erwachsene, "handgreiflich" erfahren können, wie sich die Höhen und Tiefen auf der flach aufgespannten Erde verteilen. Anschaulich lassen sich die Raumbezüge begreifen. Deswegen ist das Tastrelief ist nicht als Ersatz einer Atlaskarte gedacht, sondern soll vielmehr dazu anregen, sich die dreidimensionalen Strukturen konkret zu vergegenwärtigen.


(c) E. Laska/DSM
Robustes Tastmodell aus Metallguß zur "handgreiflichen" Erfahrung von Höhen und Tiefen auf der Erde

Die Darstellung der Erdtopographie basiert auf Datensätzen, die im wesentlichen bei Satelliten-Missionen gewonnen wurden. Für das Relief sind sie in maschinelle Fräsbahnen "übersetzt" worden, aber gleich nebenan bildeten sie die Grundlage für die ebenfalls überhöhte Geländegestaltung der "leer gelaufenen" Ozeane, die bei virtuellen Überflügen erkundet werden können. An einem Bildschirm-Terminal hat der Besucher nun die Möglichkeit, aus einem Angebot von fünf etwa zwei Minuten langen "Fernflügen" auszuwählen und sich aus 30 Kilometern "Höhe" die bewegten Formen unter der in der virtuellen Darstellung nicht mehr vorhandenen Wasseroberfläche zeigen zu lassen.

Virtueller Flug über den Meeresboden
(c) DSM
Eingefrorenes Bild vom virtuellen Flug zur Veranschaulichung der Erdtopographie

So kann er etwa, von Madeira kommend, über das gesamte Mittelmeer bis zum Roten Meer "fliegen", wo der Film mit dem Blick auf den Ostafrikanischen Graben endet, an dem sich die gleichen Prozesse abspielen, die vor 200 Millionen Jahren zur Entstehung des Atlantiks geführt haben. Wenn der Museumsbesucher dabei Mallorca passiert, kann er sehen, daß es vom Strand zugspitztief in die Tiefsee geht - ein Eindruck sicherlich, den der Urlauber vor Ort nicht hat. Andere Perspektiven bietet der "Flug" entlang des Mittelatlantischen Rückens, wo Großplatten der Erdkruste auseinander weichen und an der Zentralspalte wachsen. Gewissermaßen das Gegenteil wird über dem westlichen Pazifik deutlich: Die dort aneinander gereihten Tiefseegräben entstehen, weil sich ozeanische Kruste in den Erdmantel hinabschiebt, die Platten also verschluckt werden. Die Gräben können dabei weit tiefer werden als die höchsten Berge hoch sind, bis zu 11 Kilometer im Marianengraben, den der "Fluggast" auf seinem Weg von Australien nach Alaska quert.