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Menschlicher Einfluss auf Klimawandel auch über bodennaher Atmosphäre

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 20.10.2009 09:32

Forscher der Uni Graz konnten erstmals anhand neuartiger Satellitendaten auch in der freien Atmosphäre über den bodennahen Luftschichten nachweisen, dass sich das Ausmaß der globalen Erwärmung nur erklären lässt, wenn von Menschen verursachte Klimatrends durch Treibhausgase mit einbezogen werden.

Die Diskussion um die Ursachen des Klimawandels ist nun um ein neues, stichhaltiges Argument reicher.
Jahrelang hatten Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Zentrums  für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz sowie des Bereichs Geophysik im Institut für Physik, und Dr. Andrea Steiner als KoordinatorInnen einer internationalen Arbeitsgruppe mit ihren Teams Daten gesammelt und ausgewertet. Die bahnbrechenden neuen Forschungsergebnisse, die kürzlich im führenden geophysikalischen Fachjournal "Geophysical Research Letters" publiziert wurden, sorgen nun weltweit für Aufsehen. Sie fanden sich letzte Woche unter den "Top Five Weekly Downloads" der Zeitschrift.


Im Mittelpunkt der jüngsten Erkenntnisse steht der statistisch gesicherte Nachweis, dass die gegenwärtigen Klimatrends nicht nur in der bodennahen Luft, sondern ebenso in der oberen Wetterschicht - auch obere Troposphäre genannt - und in der darüber liegenden Stratosphäre vorherrschen. "Während sich die Troposphäre erwärmt, kühlt sich die Stratosphäre zunehmend ab", berichtet Gottfried Kirchengast. Dieses Verhalten sei zwar von Modellen und ungenaueren Daten grundsätzlich bekannt, überrascht waren die WissenschafterInnen aber vom Ausmaß des Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrastes seit 1995. "Dieser Kontrast ist aufgrund natürlicher Schwankungen allein nicht erklärbar", betont Kirchengast. "Die gemessenen Trends weisen nach, dass der menschliche Einfluss im Spiel ist." Bei diesen Analysen konzentrierten sich die ForscherInnen auf die Tropen. Dort ist die Wetterschicht mit 16 Kilometern am dicksten und der Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrast von grundlegender Bedeutung für das gesamte Klimasystem der Erde.
Möglich gemacht hat diesen nicht auf Modelle, sondern rein auf Daten gestützten Meilenstein der Klimaforschung die "GPS Radiookkultation". "Dabei handelt es sich um Messungen mit Satelliten, welche GPS-Signale nach ihrem Weg durch die Atmosphäre empfangen. Dies liefert im Gegensatz zu bisherigen Methoden auch über lange Zeiträume äußerst genaue Klimadaten", erklärt Andrea Steiner. Als eine der international führenden Gruppen in der Klimaforschung mit Satelliten arbeiten die Grazer WissenschafterInnen bereits seit Einführung der GPS Radiookkultation Mitte der 1990er-Jahre auf diesem Gebiet.
Von zukunftweisender Bedeutung sind die aktuellsten Erkenntnisse der ForscherInnen am Wegener Zentrum auch für die Verbesserung der Vorhersagegüte von globalen Klimamodellen. "Derzeit scheint der Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrast in Modellen zu schwach simuliert zu werden. Herauszufinden, wo die Ursachen dafür liegen, ist extrem wichtig", blickt Kirchengast bereits auf nächste Schritte. "Endlich haben wir hinreichend Daten mit Benchmark-Qualität, um Klimamodelle in der freien Atmosphäre fundamental testen zu können."

Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier und auf der Seite des Wegener Zentrums.


(Pressemitteilung der Karl-Franzens-Universität Graz, Oktober 2009)
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