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Metallsulfide im Indischen Ozean entdeckt

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 20.12.2012 15:53

Auf der Suche nach mineralischen Rohstoffen in der Tiefsee haben Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Indischen Ozean erneut Vorkommen metallreicher Sulfiderze entdeckt. Die knapp 5-wöchige Ausfahrt mit dem Forschungsschiff FUGRO GAUSS war nach 2011 die zweite Expedition im Rahmen des Projekts INDEX, das die Erkundung von Buntmetallvorkommen am Meeresboden zum Ziel hat.

Die Schiffbesatzung beim Hochholen der kamerageführten Greiferschaufel. (Bild: GBR)Im Rahmen der Untersuchungen konnten die BGR-Wissenschaftler nicht nur bereits bekannte Felder kartieren und beproben. „Wir haben auch ein bisher noch unbekanntes Feld in 3 000 m Wassertiefe entdeckt, das vorrangig zink- und kupferreiche Metallsulfide aufweist. Der Neufund belegt das hohe Potenzial für Metallanreicherungen entlang der Spreizungszonen im südwestlichen Indischen Ozean“, so BGR-Projektleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera.

Während der Forschungsfahrt wurden vom Schiff aus mehr als 4 800 Kilometer Meeresboden vermessen und kartiert sowie an 50 Lokationen Gesteins- und Erzproben aus 2 500 bis 3 200 m Tiefe genommen. Zudem wurden Daten über Umweltparameter inklusive der biologischen Vergesellschaftung erhoben. In dem neu entdeckten, inaktiven Feld, das nach dem deutschen Mathematiker und Namensgeber des Forschungsschiffes, Johann Carl Friedrich Gauß, benannt wurde, gibt es keine hydrothermalen Aktivitäten und damit auch keine damit verbundenen spezifischen Lebewesen. Insgesamt wurde entlang der Spreizungsachsen ein Gebiet von 980 km Länge und 65 km Breite neu kartiert. Auf diese Weise wurden 57 000 km² Meeresbodenrelief erfasst. Das entspricht einer Fläche, die ein Fünftel größer ist als das Land Niedersachsen. „Wir konnten unseren Kenntnisstand über potenzielle Rohstoffe in diesem Teil des Indischen Ozeans deutlich erweitern“, betont BGR-Experte Schwarz-Schampera.

BGR-Wissenschaftler analysieren bereits an Bord die gewonnenen Erzproben. (Bild: BGR)Die BGR ist vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) beauftragt, im südwestlichen Indischen Ozean Explorationsgebiete für polymetallische Massivsulfide zu definieren. Derzeit werden metallreiche Sulfiderze nur an Land abgebaut und sind die wichtigste Rohstoffquelle für Buntmetalle (Blei, Kupfer und Zink). Darüber hinaus beinhalten sie signifikante Gehalte an Edelmetallen (Gold und Silber) sowie an Spurenmetallen (u. a. Antimon, Bismut, Germanium, Indium, Kobalt, Nickel, Selen und Tellur). Die jetzt im Fokus stehenden marinen Vorkommen gehören zum gleichen Lagerstättentyp und können künftig einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffversorgung leisten.

Ziel des Projekts INDEX ist die Vorbereitung einer Explorationslizenz für die marinen Vorkommen, die die BGR im Namen der Bundesrepublik Deutschland bei der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) beantragen möchte. Das Regelwerk der ISA zur Lizenznahme polymetallischer Sulfide erfordert durch kleinräumige Gebietsfestlegungen die genaue Kenntnis und Bewertung potenziell ertragreicher Gebiete am Meeresboden. Diese Festlegung ist nur durch intensive Vorarbeiten möglich.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Dezember 2012