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Asteroidenschauer traf die Erde

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:46

Impaktforschung des Museums fuer Naturkunde der Humboldt Universitaet zu Berlin und der Vrije Universiteit Brussel belegt einen Asteroiden-Schauer im spaeten Eozaen.


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Der 100 km grosse Popigai-Krater in Sibirien und der 80 km grosse Chesapeake-Bay Krater an der Ostkueste der USA galten bislang als Produkt eines Einschlages grosser Kometen vor ca. 35 Millionen Jahren. Forschungen des Chemikers Roald Tagle vom Museum fuer Naturkunde der Humboldt-Universitaet zu Berlin und des Geologie-Professors Philippe Claeys aus Bruessel widerlegen jetzt diese These. Vielmehr wurde die Erde im spaeten Eozaen von einem ganzen Asteroidenschauer heimgesucht. Die gewaltigen Krater entstanden demnach durch Einschlaege von Meteoriten-Bruchstuecken, die von einem Zusammenstoss im Asteroidenguertel herruehren. Die gewaltigen, hierbei freigesetzten Energiemengen koennten zu den gravierenden Umweltveraenderungen beigetragen haben, die das globale Aussterbeereignis am Ende des Eozaens ausloesten.

Im Rahmen einer Dissertationsarbeit am Institut fuer Mineralogie des Museums fuer Naturkunde der Berliner Humboldt-Universitaet kam der junge Geochemiker Dr. Roald Tagle (30) gemeinsam mit Prof. Dr. Philippe Claeys von der Vrije Universiteit Brussel, Belgien zu erstaunlichen Ergebnissen. Bei Untersuchungen an Gesteinen des Popigai-Kraters in Sibirien, die am GeoForschungsZentrum Potsdam durchgefuehrt wurden, konnten die Konzentrationen und Verhaeltnisse einiger Platingruppenelemente extraterrestrischer Herkunft bestimmt werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Zusammensetzung des Einschlagkoerpers der eines L-Chondriten entspricht - des am haeufigsten auftretenden Meteoritentyps.

Ging man bisher davon aus, dass sowohl der sibirische Popigai-, wie auch der Chesapeake-Bay Krater in den USA von einem Kometen verursacht wurden, gilt diese These jetzt fuer den Popigai als widerlegt. Kometen bestehen zum groessten Teil aus Eis und weisen nach bisheriger Erkenntnis eine ganz andere Zusammensetzung auf.

L-Chondriten sind hingegen Bruchstuecke von Asteroiden, die wiederholt als Meteoriten auf die Erde fallen. So kann darauf geschlossen werden, dass auch der Popigai-Einschlagkoerper von einem Asteroiden stammte. Diese Erkenntnisse ueber den Popigai-Einschlagkoerper in Kombination mit neuesten Studien ueber die Bewegung von Asteroiden, lassen den Schluss zu, dass unsere Erde vor 35 Millionen Jahren durch einen grossen Asteroidenschauer getroffen wurde. Die Bruchstuecke, die dabei die Erde trafen, stammten vermutlich von einem gewaltigen Zusammenstoss im Asteroidenguertel. Bei diesem Zusammenstoss wurden sowohl unzaehlige feine Staubpartikeln freigesetzt, die zu den erhoehten Konzentrationen eines bestimmten Helium-Isotops (3He)in irdischen Sedimentgesteinen fuehrten, als auch groessere Bruchstuecke von bis zu 5 km Durchmesser, die auf der Erde einschlugen. Diese erzeugten Einschlagkrater von 80 und 100 km Durchmesser, wie sie der Popigai und Chesapeake-Bay-Krater darstellen.


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Vergleichbar dem Impaktereignis des Chixculub-Kraters in Mexiko(umfangreiche Forschung dazu findet ebenfalls am Museum fuer Naturkunde statt), koennten die gewaltigen Energiemengen, die durch mindestens zwei grosse Einschlaege freigesetzt wurden, zu den Umweltveraenderungen beigetragen haben, die zu dem letzten grossen Aussterbeereignis der Erdgeschichte am Ende des Eozaen gefuehrt haben. Diese Ergebnisse zeigen nicht zuletzt, dass aufgrund von grossen Kollisionen im Asteroidenguertel unsere Erde auch in Zukunft ueber einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren verstaerkt Ziel von Einschlaegen werden kann. Derartige Ereignisse wuerden zu grossen Katastrophen auf lokaler und globaler Ebene fuehren.

Pressemitteilung Humboldt-Universitaet zu Berlin, 05.08.2004