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Leipziger Forscher auf Polarexpedition

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 18.04.2012 13:48

Während hierzulande der Frühling langsam in die Gänge kommt, starten Wissenschaftler des Leipziger Instituts für Meteorologie (LIM) der Universität Leipzig zu einer vierwöchigen Forschungsreise in die kanadische Arktis. Dort herrschen noch winterliche Temperaturen vor, sodass die Mitarbeiter der Gruppe um Prof. Dr. Manfred Wendisch neue Erkenntnisse zur Bedeutung von kalten Wolken im arktischen Klimasystem sammeln können.

Die Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts (Bild: AWI)Dazu reisen sie nach Inuvik, in den äußersten Nordwesten von Kanada. Kurz vor der Küste des Arktischen Ozeans im Mackenzie-Delta gelegen, werden der dortige Flughafen und das heimische Aurora-Forschungsinstitut als Basis für ihre Forschungen dienen. Innerhalb der nächsten vier Wochen sollen insgesamt 60 Stunden an Messflügen mit einem Forschungsflugzeug über dem Eismeer unternommen werden. Die Flüge sind Teil der internationalen Messkampagne VERDI (Vertical Distribution of Ice in Arctic Clouds), die von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie weiteren beteiligten Großforschungseinrichtungen und der Max-Planck Gesellschaft gefördert werden. Die wissenschaftliche Koordination liegt in der Verantwortung des LIM. Das AWI stellt sein Forschungsflugzeug Polar 5 und zahlreiche Messinstrumente zur Verfügung. Neben den Wissenschaftlern von LIM und AWI sind weiterhin Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich, der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie und des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Oberpfaffenhofen an Bord.

Messungen während des Fluges der Polar 5 (Foto: Andreas Herber, Alfred-Wegener-Institut).Ziel der gemeinsamen Forschungsflüge ist die noch zugefrorene Beaufortsee nördlich von Kanada, über der häufig Wolken auftreten, die sowohl Eiskristalle als auch flüssige Wassertropfen enthalten. In Wechselwirkung mit der hellen Meereisoberfläche stellen diese Wolken immer noch eine wesentliche Schwachstelle in den bisherigen Klimamodellierungen und Satellitenbeobachtungen dar, wie Prof. Wendisch feststellte. "Von oben gesehen sind natürlich sowohl Meereis als auch Wolken weiß und reflektieren damit nahezu gleichstark die einfallende Sonnenstrahlung. ‚Wo liegt da das Problem?', könnte man fragen. Für die klimatische Wirkung der Wolken ist es aber eben nicht egal, denn Eisoberfläche und Wolken beeinflussen vor allem die Ausstrahlung von terrestrischer Strahlung unterschiedlich und führen zu Unterschieden in der lokalen Niederschlagsverteilung. Und hier ist dann auch entscheidend, ob eine Wolke mehr oder weniger Eiskristalle enthält", sagte Wendisch.

Meteorologischer Messflug der Polar 5 über der Küste des Arktischen Ozeans nahe Ellesmere Island, Kanada (Foto: Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut).Genau das wird Ziel der Flugzeugmessungen sein. Mittels modernster Messgeräte an den Flugzeugflügeln werden Wassertropfen und Eiskristalle innerhalb der Wolken detektiert, während verschiedene Fernerkundungssyteme im Boden des Flugzeugs die Aufgabe der Satellitenmessungen simulieren, wenn das Flugzeug oberhalb der Wolken fliegt. Die VERDI-Daten sollen in Klimamodelle einfließen und deren Vorhersagen für die Polarregionen zu verbessern helfen. Denn in der Arktis wirkt sich die globale Erwärmung weltweit am schnellsten und gleichzeitig am drastischsten aus. Die Eigenschaften und der Einfluss arktischen Wolken sind immer noch ein bedeutender Unsicherheitsfaktor bei den entsprechenden Vorhersagen.

Nach zweijähriger Vorbereitung werden derzeit im Heimatflughafen der Polar 5 in der Nähe von Toronto die Messgeräte in das Forschungsflugzeug eingebaut, bevor es dann einmal quer durch Kanada in die Arktis geht. Wenn alles wie geplant läuft, werden die ersten Messflüge für das kommende Wochenende erwartet. Die Leipziger Forscher fiebern diesem Termin schon entgegen. Vom LIM aus verfolgen Studenten und Forscher die Wetterlage in Inuvik und hoffen auf möglichst tiefe Temperaturen vor Ort. Denn genau dann gibt es viel Eis in den Wolken und die Chance auf gute Messungen.


Quelle: Universität Leipzig, April 2012