Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Von Lothringen an den Niederrhein - römischer Natursteinhandel und ein Sarkophag

Von Lothringen an den Niederrhein - römischer Natursteinhandel und ein Sarkophag

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:47

Im Sommer 2003 fanden Mitarbeiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege bei Weilerswist nahe Euskirchen drei römerzeitliche Sarkophage. Einer der Sarkophage ist aus Kalkstein gearbeitet und reich verziert. Er wurde zwischen den Jahren 211 und 222 n. Chr. hergestellt. Glasbeigaben aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts beweisen, dass der Sarkophag wieder verwendet und hierzu nach Weilerswist gebracht wurde.


(c) Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, Andreas Frings
Der römische Sarkophag von Weilerswist, Klein Vernich, Sommer 2003

Der für die Herstellung des Sarkophags benutzte Kalkstein weist einige auffallende Besonderheiten auf, die Gesteine aus der näheren Umgebung nicht besitzen. Er konnte also nicht aus dem Raum Weilerswist stammen. Doch von wo kam der Werkstein und wie wurde der schwere Sarkophag an den Niederrhein gebracht? Warum wurde ein importiertes Gestein für seine Herstellung benutzt? Welche Rückschlüsse ergeben sich für den römischen Steinhandel? Diese Fragen wollten der Geologische Dienst NRW und das Paläontologische Institut der Universität Mainz in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege beantworten.

Zu Beginn wurde vermutet, dass der Kalkstein aus dem Mainzer Becken stammen könnte. Hier wurde von den Römern im großen Umfang Kalkstein gewonnen. Das Mainzer Becken liegt außerdem transporttechnisch sehr günstig am Rhein, sodass der Rohling oder Sarkophag mit relativ geringem Aufwand an den Niederrhein hätte transportiert werden können. Doch schon die ersten paläontologischen Untersuchungen zeigten, dass der Stein nicht aus dem Mainzer Becken stammen kann.


(c) Geologischer Dienst NRW, Christoph Hartkopf-Fröder
Dünnschliff, Detail. Ein Seeigelstachel, quer geschnitten, zwischen Rindenkörnern. Gut zu erkennen ist der dunkle, charakteristische Saum der Rindenkörner

Zu weiteren Detailuntersuchungen wurden dünngeschliffene Proben des Kalkstein mikroskopisch untersucht. Dabei kamen Teile von Fossilien und Seeigeln zum Vorschein. Die spezielle Zusammensetzung des Steines gab Aufschluss über die Herkunft des Steines: Der Werkstein kommt aus dem viel weiter entfernten Lothringen und zwar aus Steinbrüchen an der Mosel bei Norroy-lès-Pont-à-Mousson zwischen Metz und Nancy. Tatsächlich bauten die Römer dort einen begehrten ca. 170 Millionen Jahre alten Kalkstein ab. Offensichtlich war dieser weiße Werkstein damals sehr beliebt, denn aus Mainz und Köln sind römische Fundstücke aus dem Gestein bekannt. Der Kalkstein eignet sich besonders gut für hochwertige Steinmetzarbeiten. Diese Qualitätsmerkmale waren wohl der Grund dafür, dass der aufwändige und teure Transport von Lothringen bis zum Niederrhein auf Schiffen über Mosel und Rhein in Kauf genommen wurde.


(c) Geologischer Dienst NRW, Christoph Hartkopf-Fröder
Dünnschliff, Detail. Ein Seeigelstachel, quer geschnitten