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Spuren isländischer Vulkane

erstellt von eschick zuletzt verändert: 21.04.2016 13:08

Ascheablagerungen von isländischen Vulkanausbrüchen wurden in den Sedimenten des Tiefen Sees im Naturpark Nossentiner-Schwinzer Heide in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Damit lassen sich Klimaänderungen während der letzten 11500 Jahre präziser datieren. Ein internationales Team von Geowissenschaftlern unter Leitung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ konnte Spuren von insgesamt acht Vulkanausbrüche auf Island nachweisen, von denen sechs genau identifiziert werden konnten.

Seebohrung auf dem Tiefen See in Mecklenburg-Vorpommern. (Bild: Stefan Lauterbach/GFZ) Der älteste Ausbruch fand vor 11400 Jahren statt, der jüngste geschah 1875 und ist auch in historischen Dokumenten beschrieben.
Jahresgeschichtete Ablagerungen in Binnenseen eignen sich hervorragend als Geoarchive zur Einordnung natürlicher Klimaschwankungen in der Vergangenheit.

Achim Brauer vom GeoForschungsZentrum erläutert die besondere Bedeutung der jetzt identifizierten Asche-Ablagerungen: „Partikel von drei der im Tiefen See identifizierten vulkanischen Aschen wurden auch 500 km weiter östlich in einem See in Polen gefunden. Damit ergibt sich erstmals die Möglichkeit einer jahrgenauen Synchronisierung der Seeablagerungen, so dass selbst geringfügige regionale Unterschiede im Klimawandel der Vergangenheit erkannt werden können. Mit diesen Informationen werden bessere Abschätzungen zukünftiger regionaler Auswirkungen des derzeitigen Klimawandels möglich.“

Aschepartikel von Ausbrüchen der Dyngjufjöll-Vulkanregion (Island) aus dem Tiefen See (Deutschland) und dem Czechowskie See (Polen). (Bild: S. Wulf/GFZ)Die besondere Herausforderung dieser Studie war, dass es sich nicht um sichtbare Lagen im Sediment, sondern um einzelne Aschepartikel in Form vulkanischer Gläser handelt. „Diese kleinen Ascheteilchen sind meist nicht größer als etwas 50 Mikrometer“, erklärt GFZ-Wissenschaftlerin Sabine Wulf. „Um diese geringen Spuren in den Seeablagerungen zu finden und aus dem Sediment zu separieren, wurde eine spezielle Kombination chemischer und mikroskopischer Methoden angewandt.“ Geochemische Analysen der einzelnen Partikel und deren Vergleich mit Vulkanaschen in Island erlauben im Idealfall eine genaue Bestimmung des jeweiligen Vulkanausbruchs. Darüber hinaus lässt sich mit dieser Methode das Verbreitungsmuster von Aschewolken von Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit rekonstruieren. Das gibt einen genaueren Einblick in die Windverhältnisse der Vergangenheit.


Quelle: Helmholtz-Zentrum/Deutsches GeoForschungsZentrum Potsdam, Januar 2016