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Steigende Meeresspiegel, steigende Kosten

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 29.02.2016 16:33

Schäden durch Extremereignisse wie Überflutungen spielen eine noch größere Rolle als der durchschnittliche Meeresspiegelanstieg selbst, wenn es um die Kosten des Klimawandels in Küstenregionen geht. Doch obwohl der zu erwartende zukünftige Meerespiegelanstieg mittlerweile recht gut verstanden ist, gab es bislang kaum Fortschritte bei den damit verbundenen Kostenabschätzungen für die nächsten Jahrzehnte.

Ein Team von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat nun eine Methode entwickelt, mit der sich finanzielle Schäden durch Hochwasser bei ansteigendem Meeresspiegel bestimmen lassen. Erstmals zeigen die Forscher, dass die Schadenskosten stets schneller steigen als der Meeresspiegel selbst.

„Wo der Meeresspiegel steigt, steigen die Kosten für Schäden noch schneller“, sagt Leitautor Markus Böttle. Der Meeresspiegelanstieg als Folge des Klimawandels ist vor allem mit Blick auf häufigere und intensivere Hochwasser und Überflutungen ein Risiko für Küstenregionen. „Die Auswirkungen einer Flut werden allerdings nicht nur durch Umweltfaktoren bestimmt, sondern auch durch menschliche Entscheidungen: Hochwasserschutz kann dem steigenden Flutrisiko entgegenwirken“, sagt Böttle. „Unsere Studie zeigt auf, wie das komplexe Zusammenspiel von Klimawandel, Anpassung und Überschwemmung auf überraschend einfache mathematische Funktionen herunterbrochen werden kann, um die durchschnittlichen jährlichen Kosten des Meeresspiegelanstiegs über einen längeren Zeitraum abzuschätzen.“

Hochwasserschutz kann dem steigenden Flutrisiko entgegenwirken. (Bild: Thinkstock)

Hochwasserschutz kann dem steigenden Flutrisiko entgegenwirken. (Bild: Thinkstock)


Die neue Methode der Wissenschaftler übersetzt die Flutwahrscheinlichkeit in eine Wahrscheinlichkeit für Schäden. Der zu erwartende regionale Meeresspiegel wird dabei im Hinblick auf zweierlei Komponenten berücksichtigt: die steigende Zahl von Extremereignissen und die steigende Intensität der einzelnen Ereignisse. Gleichzeitig können auch potenzielle Maßnahmen zum Schutz vor Hochwassern wie Deiche oder Küstenbefestigungen mit einberechnet werden, die Schäden aus Sturmfluten verhindern oder mindern.

Flutrisiken, Schäden, Anpassung

Zwar sind Küstenstädte überall auf der Welt verschieden, und jede Küstenregion weist unterschiedliche Charakteristika auf, dennoch kamen die Wissenschaftler zu allgemeingültigen Ergebnissen. „Unsere Gleichungen funktionieren grundsätzlich überall, von Mumbai über New York bis Hamburg, vom Pazifik über den Atlantik bis zur Nordsee. Überall greifen die gleichen einfachen und universellen Gleichungen“, sagt Ko-Autor Jürgen Kropp, stellvertretender Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung & Vulnerabilität. Beispielhaft haben die Forscher ihre Methode auf die Stadt Kopenhagen in Dänemark angewendet: Bereits ein moderater Meeresspiegelanstieg von 11 Zentimetern bis Mitte des Jahrhunderts würde für Kopenhagen eine Verdopplung der ökonomischen Verluste im gleichen Zeitraum bedeuten, sofern nicht weitere Maßnahmen ergriffen werden.

„Eine präzise Abschätzung der möglichen ökonomischen Konsequenzen ist unabdingbar, um die Effizienz von Anpassungsmaßnahmen einordnen zu können“, sagt Ko-Autor Diego Rybski. „Sogar bei einer Temperaturstabilisierung werden die Meeresspiegel noch weiter ansteigen und  unsere Küsten für künftige Generationen formen. Deshalb müssen zusätzlich zum Klimaschutz auch vorsorgende Maßnahmen in Betracht gezogen werden, die Küstenregionen vor allem in Schwellen- und Enwicklungsländern dabei unterstützen, sich anzupassen und Schäden zu begrenzen.“

Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt in Küstenregionen

Die Methodologie, die im Rahmen des europäisch geförderten RAMSES-Projekts enstand, hat Grenzen. Extremereignisse geschehen nicht gleichmäßig verteilt über die Jahre – auf Jahre ohne Schäden folgen andere, in denen ungewöhnliche starke Fluten vorkommen können. Der Ansatz der Wissenschaftler kann einzelne Ereignisse und die daraus entstehenden Schäden nicht vorhersagen, aber die zu erwartenden Schäden verteilt über einen längeren Zeitraum abschätzen. Auch ohne das Wissen über das genaue Eintreten einer Überschwemmung lässt sich die Streuung der Schäden über Jahre hinweg beschreiben.

„Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt in Küstenregionen,“ sagt Jürgen Kropp, Koordinator des RAMSES-Projekts. „Vor dem Hintergrund begrenzter Mittel für die Anpassung ist es ein großer Vorteil, vergleichbare Kostenabschätzungen liefern zu können. Die Reduktion von Treibhausgasen bleibt zwar von entscheidender Wichtigkeit, um Klimafolgen auf einer beherrschbares Maß zu begrenzen. Eine Anpassungsperspektive kann jedoch an den geeigneten Stellen dazu beitragen, Schäden zu begrenzen.“


Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Februar 2016