Meteor-Logbuch 15.-16. August: Neue Arten während Tauchgang 225 entdeckt
Mit seinen frisch eingeflogenen Ersatzteilen läuft das Bremer ROV QUEST 4000 wieder wie am Schnürchen. Carole Decker berichtet über den sehr erfolgreichen Tauchgang Nr. 225 und die dabei neu entdeckten Arten!
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
15.-16. August 2008 (Autorin: Carole Decker)
English version
Neue Arten während Tauchgang 225 entdeckt
Autorin ist Carole Decker, siehe auch BLOG vom 28 Juli 2008.
Bild 1: Eine Übersicht von REGAB mit dem neu erforschten Habitat VA/V1 und den vorherigen Probennahme-Stellen im Norden und Osten.
Ziel des ROV QUEST
Tauchgangs 225, der in der Nacht vom 15. auf 16. August begann und am Abend des
16. August endete, ist den Südwesten des REGAB Pockmarks (Bild 1) zu erforschen
und ein weiteres Habitat zu beproben, das auch von Muscheln der Familie der
Vesicomyidae besiedelt ist. Dieses Habitat ist so interessant, weil es trotz
seiner Randlage das größte Feld symbiotischer Muscheln beherbergt – zumindest
war es so in 2001, bei den ersten Tauchgängen hier vom ROV VICTOR des IFREMER.
Bild 2: Die Kastengreiferproben: ein Exemplar von “Vesicomya” chuni und jede Menge Calyptogena n. sp.
Spannend ist auch, dass dort eine weitere Art von vesicomyiden Muscheln
vorkommt, die sich morphologisch und phylogenetisch von der den Norden des
Pockmarks dominierenden Art unterscheidet (siehe auch BLOG vom 28 Juli 2008).
Zusammen mit einigen anderen Biologen an Land, wollen wir die Biodiversität und
Ökologie der chemosynthetischen Muscheln an Seeps besser verstehen, daher waren
wir darauf aus, diese neue Art mit unseren vom ROV gezielt eingesetzten
Kastengreifern zu beproben. Wie auch für die andere Muschelart ist das Ziel,
die Symbionten der Muschel zu analysieren und ihre Physiologie und Anpassung an
die hohen Sulfidgehalte zu untersuchen.
Bild
3: Die Schalen der zwei Arten von Vesicomyiden Muscheln an REGAB
Der Tauchgang 225 war dafür ein voller Erfolg - wir konnten 3 Probennahmen auf den Muschelbetten durchführen und haben immerhin einige wenige Spezies der neuen Art (“Vesicomya” chuni) erhalten (Bild 2). Beim Auswerten der Proben wurde schnell klar, dass auch im Südwesten die andere Art Calyptogena n.sp. dominiert, die wir schon im Norden und Osten des Pockmarks beprobt hatten (Bild 1). Beide Muschelarten werden gerade beschrieben, dabei ist Calyptogena n.sp. eine neue Art, und “Vesicomya” chuni eine Wiederbeschreibung eines neuen Genus. Die taxonomischen Arbeiten werden von R. von Cosel am französischen Nationalmuseum der Naturgeschichte in Paris durchgeführt – dabei sind gemäß der zoologischen Regeln die wissenschaftlichen Namen der neuen Arten noch geheim - bis zu ihrer Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal.
Bild 4: Die benthischen Kammern von IFREMER und MPI zur Messung von Respiration auf den Muschelbetten. An der gleichen Stelle haben die Geochemiker vom MARUM/AWI auch ihre Porenwasseruntersuchungen durchgeführt.
Über
die Verbreitung und Ökologie der “Vesicomya”
chuni ist übrigens noch fast gar
nichts bekannt, sie wurde ja erst zweimal an dieser Stelle beprobt. Vom ROV aus
kann man auch mit den hoch auflösenden Kameras die beiden Arten leider nicht
voneinander unterscheiden, da sie sich im Sediment eingraben und auch noch
gemeinsam die reduzierten, schwefligen Sedimente besiedeln. Das macht die
Untersuchung der Symbionten und ihrer physiologischen Anpassung so spannend,
wie auch die Erforschung ihrer taxonomischen Zuordnung. Warum teilen zwei solch
hoch angepasste Organismen mit gleicher Funktion eine Nische? Sind sie im
Wettkampf um Schwefelwasserstoff als Energiequelle, und um Platz? Hoffentlich
erlauben die Untersuchungen ein besseres Verständnis der Biologie, Ökologie und
des Vorkommens dieser Arten. Auf jeden Fall hat der Tauchgang 225 eine Vielzahl
neuer Daten aus diesem interessanten Habitat erbracht. Wir haben sehr gutes
Foto- und Videomaterial, sowie Messungen der Respirationsraten, der Methan und
Sulfidflüsse und auch die detaillierte Porenwasserchemie erhalten








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