Meteor-Logbuch 3. August: Erfolgreicher Quest-Tauchgang Nr. 217
Der 217. Tauchgang des Bremer Unterwasserrobotors QUEST war ein voller Erfolg. Gewinnen Sie einen Einblick in die Tiefseewelt am REGAB pockmark und erfahren Sie von Doktorandin Christina Bienhold, was Cold Seep Ökosysteme mit Holzkolonisations-Experimenten zu tun haben.
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
3. August
2008 (Autorin: Christina Bienhold)
Heute im Meteor-Blog:
Erfolgreicher Quest-Tauchgang Nr. 217
Hallo, heute berichtet wieder die GLOMAR Doktorandin
Christina Bienhold (siehe Blog vom 17.07.08) vom Tagesgeschehen an Bord der
Meteor.
Nach einem abgebrochenen Tauchgang und zwei missglückten Multicorern
am gestrigen Tag, starteten wir heute morgen um 8:30 Uhr Schiffszeit in den
Quest-Tauchgang 217. Dieser Tauchgang war der Erkundung neuer Habitate im REGAB
Gebiet gewidmet. An einem großen Muschelfeld aus Mytiliden (eine Muschel
Familie, zu der auch unsere Miesmuschel gehört) wurden ausführliche Messungen
mit verschiedenen Sensoren durchgeführt, die unter anderem Temperatur, pH-Wert
und Sauerstoff direkt vor Ort messen können (Bild 1). Die Muscheln saßen auf
Karbonaten, welche mit Gashydraten durchzogen waren und an verschiedenen
Stellen konnte man zwischen den Muscheln Gas (Methan) entweichen sehen, das in
kleinen Blasen in der Wassersäule aufstieg. Auf dem Muschelbett tummelten sich
außerdem viele Krabben und einige Krebse. Passend, denn zum Abendbrot gab es
heute Büsumer Krabbenbrot mit Spiegelei ;-).
Bild 1: Messungen von Sauerstoff, Temperatur und pH mit dem
„Handheld“ direkt im Muschelfeld.
Bild 2 (unten): Petra Ristova und Christina Bienhold vor dem Aussetzen ihres Holzkolonisations-Experimentes.
Eine weitere Aufgabe während des heutigen Tauchgangs war die
Beprobung eines Holzkolonisations-Experimentes, welches wir vor drei Tagen in
diesem Gebiet versenkt haben (Bild 2). Es besteht aus einem großen, etwa zwei
Meter langen Holzstück, an das zehn kleinere Holzstücke (Länge ca. 20 cm,
Durchmesser 15 cm) gebunden sind (Bild 3). Es wird für längere Zeit am
Meeresboden bleiben und nach etwa 1-2 Jahren erneut besucht und beprobt, um die
Kolonisation von auf Holzabbau spezialisierten Makro- und Mikroorganismen der
Tiefsee zu untersuchen. Die heutige Beprobung markiert den Beginn dieses
Langzeit-Experimentes. Holz stellt, ähnlich wie Walkadaver oder abgestorbene
Großalgen, einen organischen Eintrag in die ansonsten weitgehend nahrungsarme
Tiefsee dar. Abbauprozesse durch Tiere und Mikroorganismen lassen an diesen
Holzeinträgen Bedingungen entstehen, die vergleichbar mit chemosynthetischen
Lebensräumen an kalten Quellen oder Hydrothermalquellen sind. Deshalb finden
sich in diesen unterschiedlichen Lebensräumen oft dieselben oder nahe verwandte
Arten und vergleichende Untersuchungen können interessante Ergebnisse zur
Evolution solcher Lebensgemeinschaften in der Tiefsee liefern.
Bild 3: Holzkolonisations-Experiment nach 3 Tagen in über 3000 m Tiefe, zum Ende der Reise und in zwei Jahren soll es erneut beprobt werden.
Zum Ende des Tauchgangs besuchte das ROV ein weiteres Muschelfeld mit Vesicomyiden, auch hier wurden Sensormessungen durchgeführt, mit Netzen Muscheln für die Biologen gesammelt (Bild 4) und „Push core“-Sedimentkerne (Bild 5) gesetzt, die eine umfangreiche Beschreibung dieser Habitate ermöglichen sollen. Wenn das ROV heute am späten Abend wieder auftaucht, werden diese maximal 30 cm hohen Sedimentkerne schon von Geochemikern und Mikrobiologen/Biogeochemikern an Deck erwartet und umgehend für die Beprobung in den Kühlraum gebracht. Dort wird dann bis in die Nacht gearbeitet, um Unterproben für die Bestimmung verschiedenster Parameter zu gewinnen. Anschließend fallen alle müde und zufrieden in ihre Koje und freuen sich über einen gelungenen Tauchgang.
Allen an Bord geht es gut.
Grüße an Deutschland und den Rest der Welt.
Christina Bienhold
Bild 4: Mit einem Netz werden Muscheln aus einem Muschelfeld aufgesammelt, die an Bord von den französichen Biologen untersucht werden.
Bild 5: Push cores für die Entnahme von Sedimentkernen werden direkt in einem Muschelfeld gesetzt.








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