Meteor-Logbuch 6. August: Blackout am Meeresgrund
In einem unbekannten Gebiet treten schon einmal einige Probleme auf: wenn dem ROV einmal die Sicht weg bleibt oder der LIFT nicht mehr fahren kann. Es berichtet Petra Ristova.
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
6. August 2008 (Autorin: Petra Ristova)
English version
Blackout am Meeresgrund
Hallo! Heute kommt der Blog noch einmal von Petra Pop Ristova, die auch
schon am 19.07.2008 über die Ereignisse an Bord der Meteor berichtet hat.
Wir sind zurück im REGAB Pockmark, unserem Hauptuntersuchungsgebiet und das
ROV ist bereit für einen neuen Tauchgang in die Tiefsee. Der Tauchplan ist
fertig gestellt, und alle Wissenschaftler und Instrumente warten auf einen
langen, ganztägigen Tauchgang. Das heutige Ziel ist Beproben eines neuen
Habitats im Südosten des REGAB Gebietes, nahe an den großen Muschelbetten und
Gashydratansammlungen. Zuerst hatten wir eine Menge Glück, in dem wenig
bekannten Terrain sehr schnell den richtigen Fleck für unsere Untersuchungen zu
finden. Unser Zielgebiet ist durch ein mosaikartiges Auftreten von vesicomyiden
Muscheln gekennzeichnet (siehe auch BLOG vom 04.08. für weitere Erklärungen).
Bild 1: Die benthischen Kammern des MPI und Ifremer stehen für in situ Experimente auf einem der Muschelflecken
Bei der Beprobung der Muschelflecken haben die verantwortlichen Piloten und
Wissenschaftler alle Hände voll zu tun. Viele Proben müssen genommen werden und
alle Instrumente sollen auf den vorgesehenen Plätzen verteilt werden (Bild 1).
Die Wissenschaftler wechseln sich bei ihrer Arbeit im ROV Kontrollraum ab,
jeder gespannt darauf, sein jeweiliges Instrument einzusetzen (Bild 2).
Bild 2 (oben r.): Probennahme mithilfe so genannter „Push cores“ - von der Probennahme angezogen schwimmt links ein großer Rochen vorbei.
Bild 3: Blackout für die Kameras des ROVs: Durch die Eigenbewegung des
Unterwasserrobotors werden Schlammwolken
aufgewirbelt, die minutenlang die Sicht behindern.
Leider
geht aber bei den ferngesteuerten Arbeiten in einer so unvorhersagbaren und
harschen Umgebung wie dieser hier, eigentlich niemals alles so glatt wie
geplant. Die schwere Last der Instrumente auf dem ROV macht die Nutzung der
Rotoren nötig, um den Tauchroboter am Schweben zu halten. Dadurch werden jedoch
die feinen Bodensedimente gestört und dichte Schlammwolken im Wasser verringern
die Sicht für viele Minuten (Bild 3). Für die Arbeit unter diesen erschwerten
Bedingungen, ist viel Geduld und Erfahrung nötig. Schlussendlich sind jedoch
fast alle Proben genommen und auch fast alle Instrumente sicher zum Lift
gebracht. Ein paar müssen unten bleiben: Leider ist der Greifarm des ROV nicht
mehr in der Lage die Klaue zu schließen – daher ist es Zeit für den Aufstieg
zur Wasseroberfläche. Aber unglücklicherweise reagiert der LIFT nicht auf die
akustischen Auslösesignale vom Schiff, so dass die Ballastgewichte nicht
abgeworfen werden. Der Grund, warum der LIFT nicht aufsteigen kann: Seine Füße
sind zu tief in das weiche Sediment eingesunken (Bild 4).
Bild 4: Der LIFT steckt tief mit seinen Füßen im Meeresboden fest.
Das ist eine unschöne Situation – ein Lift voll mit Messgeräten und Proben klebt am Meeresboden bei 3155m Wassertiefe fest. Die einzige verbleibende Möglichkeit den Lift wieder frei zu bekommen ist, mit dem ROV nahe heran zu fahren und an ihm zu rütteln (Bild 5). Es hat funktioniert! Der Lift ist mit Hilfe des ROV ausgelöst und steigt nun zur Wasseroberfläche auf.
Nun steht noch eine lange Nacht an Arbeit vor uns, mit Probenaufbereitung und Auslesen der Messdaten aus den Instrumenten. Jetzt muss auch ich den Blog für heute beenden und wieder zurück zu meiner Laborarbeit. Bis zum nächsten Mal.
Viele Grüsse von allen!
Petra
Bild 5: Befreit – einmal angehoben, steigt der LIFT zurück an die Wasseroberfläche.








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