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Geo-Bachelor noch kein Erfolgsmodell

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Obwohl die Bachelor-Studienabschlüsse im Bereich Geowissenschaften besser sind als ihr Ruf, gibt es noch einige Probleme, die so schnell wie möglich gelöst werden müssen. Dies ist das Fazit eines Studienforums, das am 30. Januar 2009 auf gemeinsame Initiative des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) und der Universität Potsdam stattfand.

Auf der Veranstaltung in Potsdam trafen sich zahlreiche Studiengangverantwortliche, Fachstudienberater oder Studiendekane von 14 deutschen Geo-Instituten, um erste Erfahrungen mit den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen auszutauschen. „Die ursprünglichen Ziele der Studienreform - Straffung der Studiengänge, Verringerung der Abbruchquoten, Schaffung interdisziplinärer Studiengänge sowie internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse – sind bisher kaum erreicht worden“, fasste Professor Dr. Patrick O´Brien, Studiendekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, einige der wichtigsten Mängel zusammen. „Das liegt zum Teil daran, dass die Politik nur den kostenfreien Teil des angelsächsischen Systems übernommen hat und den notwendigen Mehraufwand bei Personal – und Sachkosten beispielsweise für die intensive Betreuung in Kleingruppen nicht wahrhaben will“.

Bachelor-Ausbildung zu kurz?
Scharf kritisiert wurde auf der Veranstaltung darüberhinaus die kurze Dauer der Bachelor-Ausbildung: in drei Jahren können aus Sicht der Teilnehmer am Studienforum längst nicht alle Wünsche und Aufgaben erfüllt werden. Daher sollte in Zukunft deutlich gemacht werden, ob ein Bachelor of Science (B.Sc.) anwendungsorientiert und damit berufsqualifizierend für einfache Tätigkeiten ist, oder forschungsorientiert (nicht berufsqualifizierend, Vorstufe zum Master of Science (M.Sc.)  oder Doctor of Philosophy (Ph.D)).  Einig waren sich die Vertreter der Geo-Institute auch darüber, dass ein B.Sc Absolvent in jedem Fall über geowissenschaftliche Kernkompetenzen wie dreidimensionales Verständnis, Gelände-erfahrungen und Kartiertechniken, Prozessdenken im System Erde und Labortechniken sowie soft skills verfügen sollte.

Praktika wichtiger als Regelstudienzeit
Ausführlich und angeregt diskutiert wurde in Potsdam zudem über die Jobchancen der neuen B.Sc’s. Erste Absolventen der Studiengänge stehen mittlerweile auf dem Sprung in den Arbeitsmarkt oder haben bereits in Bereichen wie Bauleitung und Sampling oder in den technischen Laufbahnen im öffentlichen Dienst eine Stelle gefunden – allerdings mit entsprechend geringerer Bezahlung. Auf einen wichtigen Aspekt, der den Einstieg ins Berufsleben erheblich erleichtern könnte, wies Susanne Gardberg hin: „‚Jugendwahn‘ war in der Praxis in Deutschland noch nie das entscheidende Einstellungskriterium. Wichtiger als der Abschluss des Studiums in der Regelstudienzeit ist das Absolvieren von mindestens 6-wöchigen Praktika“, so die Vertreterin des BDG-Ausschusses Industrie und Wirtschaft.

Rückkehr zu den etablierten Namen
Gemeinsam mit Dr. Hans-Jürgen Weyer, Geschäftsführer des BDG, forderte Susanne Gardberg eine Rückkehr zu den etablierten Namen der Studiengänge wie Geologe, Mineraloge, Rohstoffgeologe etc. Ihrer Erfahrung nach wollen Personalchefs keine mehrseitigen Diploma- Supplements lesen, sondern auf den ersten Blick wissen, welche Qualifikation der jeweilige Bewerber hat. Die BDG-Vertreter setzten sich weiterhin für mehr Transparenz bei den Studiengängen sowie eine klare Profilierung der Master-Studiengänge ein.

Abbrecherquoten senken
Sorgen macht allen Teilnehmern des Studienforums die hohe Zahl an Studienabbrechern in der Bachelor-Ausbildung. Sie liegt mit 30 bis 40 Prozent deutlich über der an amerikanischen oder britischen Universitäten. Der angeregte Meinungsaustausch zum Thema lieferte aber zumindest einen Hinweis, wie dieser Missstand zu beseitigen ist: Nach Ansicht einiger Repräsentanten der Geo-Institute könnten sorgfältige Eingangsprüfungen und Auswahlsysteme nach dem Vorbild des angelsächsischen Modells die Quote in Zukunft deutlich senken.


(Pressemitteilung des Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V.)