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Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V. kritisiert neue B.Sc.-Studiengänge in den Geowissenschaften

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Die Einführung der neuen Studiengänge Bachelor of Science (B.Sc.) und Master of Science (M.Sc.) war in den Geowissenschaften lange umstritten. Nachdem inzwischen eine größere Anzahl von B.Sc.- und M.Sc.-Absolventen den Arbeitsmarkt erreicht hat, zeigt sich angesichts der globalen Ausrichtung des Arbeitsmarktes, dass zwar eine Straffung der Ausbildung und somit ein geringeres Alter der Absolventen erreicht wurde, gleichzeitig jedoch auch viele Probleme auftauchen, die bestimmte Konsequenzen erfordern.

Praxisrelevanz nur teilweise verbessert

Die Praxisbezogenheit der neuen Studiengänge hängt stark von den hochschulspezifischen Angeboten ab. An vielen Studienorten ist die Grundausbildung weiterhin vorwiegend wissenschaftlich ausgerichtet und dient prinzipiell als Vorbereitung für ein direkt anschließendes M.Sc.-Studium. Falls tatsächlich, wie vorgesehen, nur ein Teil der Studierenden zum M.Sc.-Studium zugelassen werden soll, ist eine B.Sc.-Ausbildung an Universitäten, die nur auf eine wissenschaftliche Karriere ausgerichtet ist, nicht bedarfsorientiert und verschlechtert die Arbeitsmarktchancen der Studierenden.

Lehrangebot problematisch

Eine klare Vorgabe des Studienablaufs sollte eine Verkürzung der Studiendauer unterstützen, was offenbar auch erreicht wird. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die Stundenpläne - mit bis zu 28 Semesterwochenstunden zuzüglich abgeprüfter Vorbereitung und bewerteter Berichte - oft kaum zu realisieren waren. Deshalb werden einige der bereits frühzeitig konzipierten Studiengänge aktuell schon wieder überarbeitet.

Geländeausbildung zu stark reduziert

Besonders negativ wirkt sich die an vielen Universitäten reduzierte Geländeausbildung auf die Arbeitsmarktchancen der Absolventen aus. Für die überwiegende Mehrheit der Arbeitgeber im Geo-Bereich gehören gerade die im Gelände erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten zur elementaren Grundausbildung in der Geologie und den Geowissenschaften. Für ein praxisorientiertes B.Sc.-Studium ist die Stärkung der Geländeausbildung bzw. die Beibehaltung der Geländeausbildung entsprechend des bisherigen Diplom- Studienganges Geologie daher unerlässlich!

Internationale Standards

Die Anpassung an internationale B.Sc.-Standards scheint zur Zeit noch problematisch; insbesondere, da international die Regelungen noch nicht so einheitlich sind wie ursprünglich gedacht. Daher ist ein Wechsel zwischen Studienorten trotz europaweit anerkannter Credit- Points z.T. schwieriger als früher. Häufig erfordern standortspezifische Module den Erwerb zusätzlicher Punkte.

B.Sc.-Abschluss nicht als vollwertig anerkannt

Nach den Beobachtungen des BDG wird der B.Sc.-Abschluss weder von der Industrie von von den Behörden als vollwertiger geowissenschaftlicher Abschluss betrachtet. Weder bei privaten noch bei öffentlichen Arbeitgebern gibt es einheitliche Einstellungsbedingungen oder vergleichbare tarifliche Regelungen. In allen Bereichen zeichnet sich jedoch ein eher geringeres Gehaltsniveau ab. Ein Vorteil des B.Sc.-Abschlusses im Vergleich zum Vordiplom wird darin gesehen, dass er einen zumindest formal berufsqualifizierenden Abschluss darstellt. Während einige Absolventen Arbeitsplätze gefunden haben, sind andere wegen der unklaren Lage irritiert oder wegen der in der Regel geringen Einstiegsbezahlung frustriert und nehmen meist direkt nach dem Abschluss ein M.Sc.-Studium auf.

Forderungen des Berufsverbandes

Aufgrund der vorliegenden Erfahrungen sieht der BDG folgende dringende Aufgaben und fordert daher: Schaffung von Transparenz hinsichtlich der Schwerpunkte der einzelnen Hochschulen und der Vergleichbarkeit der Studiengänge. Information potentieller Arbeitgeber über die Qualitäten und Vorteile der neuen Studiengänge. Verbesserung und Erweiterung der z. T. stark gekürzten Geländeausbildung. Erhöhung des Praxisbezugs durch stärker methodenorientierte Ausbildung aller Art (u.a. GIS). Erleichterte Wechselmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Studienorten auf der Basis vergleichbarer Module in den einzelnen Studiengängen. Durchsetzung einer breiten einheitlichen Lehrinhaltsplattform für den B.Sc., damit jede/r B.Sc.-Absolvent/in überall für die Aufnahme eines M.Sc.-Studiums anerkannt werden kann und auch potentielle Arbeitgeber den Abschluss als einen Standard akzeptieren können. Verstärkte Kooperation auf europäischer Ebene zur Festlegung eines europäischen Ausbildungsstandards. Bessere statt immer schlechtere Finanz- und Stellenausstattung der geowissenschaftlichen Ausbildungsinstitutionen und keine Kontingentierung der Studierendenzahlen in den B.Sc.- und M.Sc.-Studiengängen.

Bonn, den 8. Januar 2007

Kontakt: Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V.
GEOAgentur Berlin Brandenburg
Tamara Fahry-Seelig
Schönhauser Allee 10/11
10119 Berlin


Tel.:033 20921246
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