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Das Schlafzimmer aus dem Moor - Möbel für den Klimaschutz

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Greifswalder Forscher entwickeln Alternativen für die wirtschaftliche Nutzung von Moorstandorten.

Nach Wiedervernässung und Aufforstung kann auf geeigneten Niedermoorstandorten wertvolles Erlenholz (Alnus glutinosa) gewonnen werden. Dies ist ein zentrales Forschungsergebnis des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten ALNUS-Projektes "Renaturierung von Niedermooren durch Schwarzerlenbestockung" unter der Federführung von Prof. Michael Succow, Direktor des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald.


(c) Andreas Kaffke
Erlen auf nährstoffreichem halbnassem Standort im Peenetal, südwestlich von Demmin

Wertvolles Holz aus dem Moor

Im Rahmen des praxisorientierten Forschungsprojektes wurden die ökologischen und ökonomischen Bedingungen für die umweltverträgliche Erzeugung von Erlenwertholz auf wiedervernässten Niedermoorstandorten erforscht. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Erlenholz, welches beispielsweise für die Herstellung hochwertiger Massivholzmöbel verwendet werden kann, auch einen sofort wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Bei einer potenziellen Anbaufläche von 20.000 ha würde die Atmosphäre jährlich um 600.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) entlastet. Von Bedeutung sind derartige Flächen aber auch für den Arten- und Biotopschutz sowie den Gewässerschutz. Eine entsprechende Erlenproduktion auf wiedervernässten Niedermoorstandorten bietet somit mehrere Vorteile - die Erzeugung hochwertiger Holzprodukte (Nachhaltigkeit), einen Beitrag zum Klimaschutz und nicht zuletzt die Möglichkeit der Schaffung von Lebensräumen für gefährdete Pflanzen und Tierarten (Biodiversität).

Erlenanbau Klimaschutz

Ferner können bei einer energetischen Nutzung der Holzbiomasse fossile Energieträger (Gas, Kohle, Öl) ersetzt werden. Eine Honorierung der Kohlenstofffestlegung ist zu empfehlen, da sie eine volkswirtschaftlich günstige Klimaschutzmaßnahme darstellt und einen Beitrag zur effizienten Nutzung knapper Ressourcen (das sind die völkerrechtlich verbindlichen Reduktionsverpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland nach dem Kyoto-Protokoll) erbringt.

Über die umsetzungsrelevanten Ergebnisse des ALNUS-Projektes informiert ein praktischer Leitfaden, der Kriterien und Maßgaben für die Standortwahl und Standortbehandlung von Aufforstungsflächen enthält. Der Leitfaden richtet sich vorrangig an Landwirte und Eigentümer, die für Niedermoorflächen ökonomisch tragfähige Nutzungsalternativen suchen. Für politische Entscheidungsträger werden kostengünstige und umweltverträgliche Nutzungsalternativen aufgezeigt und eine Übersicht zu innovativen marktwirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten gegeben.

Landnutzung in der EU

Die Landnutzung in den Ländern der Europäischen Union befindet sich in einer permanenten Umstrukturierung. Allein in Norddeutschland nehmen Niedermoore etwa eine Fläche von 820.000 ha ein, wovon sich 300.000 ha in Mecklenburg-Vorpommern befinden. Die herkömmliche, auf tief greifende Entwässerung basierende Nutzung von Niedermooren als Grünland führte zu einer starken Standortdegradierung und zur Belastung der Umwelt durch das dadurch freigesetzte treibhausrelevante Kohlendioxid. Dies widerspricht nicht nur den Erfordernissen einer dauerhaft umweltgerechten Landnutzung, sondern verursacht zudem erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Umweltverträgliche Nutzungsformen auf wiedervernässten Niedermooren gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Derartige Lebensräume sind hochproduktiv, da ihnen sowohl ausreichend Wasser als auch Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Nähere Informationen erhalten Sie hier

Pressemitteilung der Universität Greifswald