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Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler BDG voller Sorgen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Die deutschen Geowissenschaftler erbringen in allen Bereichen einer hochindustrialisierten Gesellschaft unverzichtbare Leistungen. Doch im 20. Jahr des Bestehens der berufsständischen Vertretung BDG drücken den ca. 19.000 Geowissenschaftler umfassenden Berufsstand große Sorgen.

Am 24. Juni 1984 wurde in Bonn der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler BDG gegründet. Der BDG ist die berufsständische Vertretung der etwa 19.000 Geowissenschaftler in Deutschland. Die Gründung einer Lobbyvertretung für Geowissenschaftler war eine Reaktion auf die stark steigenden Studentenzahlen in den Geowissenschaften sowie auf die sich nachhaltig ändernden Berufsanforderungen durch den Rückgang der Rohstoffexploration und das Zunehmen der Tätigkeitsfelder im Umweltbereich. Die Gründungsversammlung wählte Prof. Dr. Werner Kasig aus Aachen zum ersten Vorsitzenden.

Geowissenschaftler erbringen in allen Bereichen Leistungen, die für das Funktionieren einer modernen Industriegesellschaft unverzichtbar sind. Bei der Rohstofferkun-dung (Erze, Energierohstoffe, Steine und Erden, Baurohstoffe, Wasser), in der Bauindustrie (Baugrundgutachten, Standsicherheit), in der Abfallentsorgung (über- und unterirdische Deponien), bei Planungen (Trinkwasserschutzzonen, Geotopschutz, Tunnel- und Straßenbau, Bauvorhaben aller Größenordnungen), in der Altlastenbearbeitung (Sanierung, Grundwasserschutz) sowie in der Industrie (Projetkmanagement, Grundstücksbewertung, Rohstoffexpertise, Qualitätsmanagement, Produktionsbetriebe) etc. Aber auch in Ämtern, Behörden, im Tourismus, in Museen und in der Öffentlichkeitsarbeit kommen Geowissenschaftler zum Einsatz.

Die Basis für die große Breite des beruflichen Einsatzes liefert die Grundlagenforschung, die sich an den Universitäten und Forschungseinrichtungen immer mehr dem "System Erde" und dessen Wechselwirkung mit der Gesellschaft widmet. Das Verstehen globaler Prozesse, wie etwa Gründe und Auswirkungen des Klimawandels, aber auch regionaler Ereignisse, wie Erdbeben, Hochwasser oder Hangrutschungen und ihrer Ursachen ist für die nachhaltige Entwicklung unserer hochindustrialisierten Gesellschaft von eminenter Bedeutung.

Doch den Berufsstand drücken große Sorgen. Die seit Jahren andauernde konjunkturelle Flaute führte zu einem dramatischen Verfall der Gutachterpreise und zur Exi-stenznot vieler Ingenieur-, Consulting- und Geobüros. Die Staatlichen Geologischen Dienste unterliegen einem starken Einsparungsdruck. Dies führte in der Vergangenheit zu nicht immer von Sachargumenten getragenem Verlust der Eigenständigkeit der meisten Geologischen Landesämter und oft genug auch zu einem Bedeutungsverlust der dort betriebenen hoheitlichen geologischen Grundlagenarbeit. Daß man derartige Aufgabengebiete nicht vernachlässigen darf, zeigt sich häufig genug, wenn es zu spät ist. Beispiele wie das Elbehochwasser von vor zwei Jahren oder einstürzende Schächte eines längst stillgelegten Bergbaues zeigen nachdrücklich, daß geologisches Know-how weder durch andere Disziplinen abgedeckt noch eingekauft werden kann, sondern vorgehalten werden muß.

Ein anderes Sorgenkind des geowissenschaftlichen Berufsstandes sind die Umstrukturierungen an den Hochschulen. Auch hier führt der finanzielle Druck zum Auslaufen geologischer Ausbildung an zur Zeit sieben Universitäten. Waren in der Vergangenheit die Berufsaussichten von Geowissenschaftlern wegen zu vieler nicht bedarfsgerecht ausgebildeter Absolventen schlecht, befürchtet der Verband nun, daß nach dem Inkrafttreten der Schließungsbeschlüsse der Bedarf an geowissenschaftlichem Nachwuchs in Deutschland nicht mehr gedeckt werden kann. Parallel zur Ausdünnung der Ausbildungsstandorte verläuft an den verbleibenden Standorten die Einführung neuer Bachelor- und Masterstudiengänge. Hier ist es Aufgabe des BDG dafür zu sorgen, daß die neuen Studieninhalte eine effektive Berufsbefähigung erbringen. "Der BDG begrüßt die Einführung der international vergleichbaren Studienabschlüsse. Wenn wir aber nur die Namen der Hochschulabschlüsse austauschen und die Studieninhalte nicht an die geänderten beruflichen Anforderungen anpassen, werden die deutschen Absolventen in den geowissenschaftlichen Disziplinen ihre Berufsaussichten nicht verbessern.", so kürzlich der BDG-Vorsitzende Dr. Werner Pälchen aus Freiberg anläßlich des kleinen Jubiläums.

BDG, Oxfordstr. 20-22, 53111 Bonn; Tel.: 0228/696601, Fax: 0228/696603; e-Mail: BDGBonn@t-online.de; Internet: www.geoberuf.de

Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) e.V. GEOAgentur Berlin-Brandenburg; Tamara Seelig Schönhauser Allee 10/11 10119 Berlin, Tel.: 030 - 42809115, info@geoagentur.de, http://www.geoagentur.de