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Der Nationale Geopark Muskauer Faltenbogen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Am 05.09.2006 hat die Expertengruppe der GeoUnion dem Muskauer Faltenbogen als siebentem deutschen Geopark das Prädikat "GeoPark Deutschlands" verliehen. Damit werden die Ergebnisse von Initiativen und Aktivitäten, die bereits bis ins Jahr 1994 zurück reichen, gewürdigt. Perspektivisches Ziel ist seine Entwicklung zu einem geotouristischen Objekt, das die Natur-, Kultur- und Bergbaufolgelandschaft noch besser als bisher erlebbar macht. Hierzu ist unter anderem eine stabile und unabhängige deutsch-polnische Organisations- und Betreiberstruktur aufzubauen.

Planung und Konzept

Im Länderdreieck Brandenburg, Sachsen (Deutschland) und der Wojewodschaft Lebuser Land (Wojewodstwo Lubuski, Republik Polen) liegt der landschaftlich reizvolle und von seiner geologischen Entstehung her unikale Faltenbogen. Nach anfänglichen Bemühungen des Landkreises Spree-Neiße zur Schaffung eines geologischen Naturparks im Jahre 1994 wurde nach einem brandenburgisch-sächsisch-polnischen Findungsprozess der Aufbau eines staats- und länderübergreifenden Geoparks begonnen. Dieses Ziel wurde in die Regionalplanentwürfe auf brandenburgischer und sächsischer Seite sowie in die Dokumente der Braunkohlensanierung des Altbergbaugebietes des Muskauer Faltenbogens beider Länder aufgenommen. Es folgten im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) und im Niederschlesischen Oberlausitzkreis (Sachsen) Kreistagsbeschlüsse. Eine Machbarkeitsstudie (Brandenburg) sowie eine Potenzialanalyse (Sachsen) schlossen sich, unterstützt durch die gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin Brandenburg sowie den Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, an. Gleichzeitig nahm das Panstwowy Instytut Geologiczny (Staatlicher Geologischer Dienst) in Warschau und Wrocław praktische Arbeiten zum Geopark auf.

Auf Grund der Komplexität ist der Geopark von Anfang an eines der 24 Einzelprojekte der Internationalen Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land". Seit 2003 laufen konzeptionelle Projekte und Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit im Rahmen des LEADER-Projektes "Strittmatter-Land". Seit Mitte 2005 liegt die länder- und staatsübergreifende Koordinierung des Geoparkprojektes in der Hand der IBA.

Im Ergebnis dessen wurde für den Geopark ein markantes inhaltliches Profil entwickelt.

  • Die Stauchendmoräne Muskauer Faltenbogen, ein besonders schön ausgebildeter Endmoränenbogen mit naturräumlicher Abgrenzung, vermittelt als Struktur einen geologisch-geomorphologisch repräsentativen Querschnitt durch die nordische Glaziallandschaft.
  • Der Faltenbogen weist eine charakteristische, durch seine natürlichen geologischen Besonderheiten bedingte Bergbaufolge- und Kulturlandschaft auf, die ihre Ursache in einer etwa 130 Jahre währenden standort- und rohstoffgebundenen Industrieentwicklung zwischen 1840 und 1970 hat.
  • Der Geopark verfügt über eine außergewöhnliche Häufung verschiedener Geotoptypen auf engem Raum.

Der Grundgedanke ist das Leitbild eines transnationalen Drei-Länder-Geoparks, das auf jeweils spezifischen inhaltlichen Schwerpunkt beruht:

Brandenburg:
- Quartärgeologie, Glazialgeologie
- Glazialmorphologie, Glazialtektonik

Sachsen:
- Bergbaufolgelandschaften und Nutzung der quartären Geomorphologie für die Anlage des historischen Fürst-Pückler-Parks und des Kromlauer Parks
- aktiver Bergbau Tagebau Nochten der Vattenfall Europe Mining AG

Polen:
- Wechselwirkungen zwischen Geotopen und Biotopen (geogene Bedingtheit der Biotopausbildung und -vernetzung, Kulturlandschaft der renaturierten Tagebaurestgewässer, klassischer Naturschutz)

Realisierungsstand

Naturgemäß ist bei den drei beteiligten Partnern der Stand der praktischen Realisierung unterschiedlich weit voran geschritten. Gegenwärtig hat Brandenburg "die Nase vorn". Im Rahmen eines EFRE-Projektes wurden 2002 bis 2004 die konzipierten Tagesareale realisiert. In diesem Rahmen wurde im Schullandheim Jerischke ein Informationszentrum eingerichtet, am Felixsee ein attraktiver Aussichtsturm erbaut und vier thematische Rad- bzw. Wandertouren (Geologie-, Glas-, Altbergbau- und Jerischker Endmoräne-Neißetal-Tour) geschaffen. Eine touristische Brückenverbindung zwischen Brandenburg und der Wojewodschaft Lebuser Land befindet sich bei den Ortschaften Zelz und Siedlec in Vorbereitung.

Im sächsischen Geoparkteil wurde ein erster Radweg zwischen dem Findlingspark Nochten, der selbst auch Bestandteil des Geoparks ist, und der Stadt Weißwasser durch die Vattenfall Mining AG realisiert. Der weitere Wegeausbau sowie ein Geoparkinformationspunkt im Weltkulturerbe Fürst-Pückler-Park Bad Muskau befinden sich in Planung.

Auf der polnischen Seite wird zurzeit ein touristischer Wanderweg durch die ausgekohlte Braunkohlengrube Babina östlich von Łęknica vorbereitet. Das ehemalige Gebäude der polnischen Zollverwaltung in Łęknica wird zu einem Vereinshaus umgebaut, in dem die Verwaltung des Landschaftsparks Łuk Mużakowa sowie der polnische Förderverein des Geoparks Verwaltungs- und Präsentationsmöglichkeiten erhalten werden.

Eine große Bedeutung haben die jährlich stattfindenden, zweitägigen Geoparktreffen (im September 2006 fand das fünfte Treffen in Łęknica statt) sowie thematische Exkursionen für verschiedene Zielgruppen. Im Schullandheim Jerischke werden hierzu insbesondere Schüler aller Klassenstufen angesprochen. Darüber hinaus finden regelmäßig obligatorische Fachexkursionen für Studenten der BTU Cottbus, der TU Freiberg sowie der Universitäten Hamburg und Göttingen statt. Seit Jahren werden im Faltenbogen auch studentische Qualifikationsarbeiten durchgeführt. Zurzeit laufen Diplomarbeiten und Dissertationen an der BTU Cottbus, der FU Berlin und der Universität Poznań.

Ausblick

In den kommenden zwei Jahren ist beabsichtigt, dass der Geopark Muskauer Faltenbogen als erster transnationaler Geopark die Mitgliedschaft im European Network of Geoparks erhält. Nachfolgend wird eine Anerkennung als "Global Geopark" der UNESCO angestrebt. Grundlage dafür ist eine stabile deutsch-polnische Organisations- und Betreiberstruktur.

Autoren:
Thomas Worms, Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, Großräschen
Manfred Kupetz, Landesumweltamt Brandenburg

Verweise
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