Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Vermischtes Geoparks Nationaler Geopark "Eiszeitland am Oderrand" - Landschaftsgestalter Eiszeit

Nationaler Geopark "Eiszeitland am Oderrand" - Landschaftsgestalter Eiszeit

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Wo Eiszeiten walten, hinterlassen sie Spuren für Jahrhunderttausende. Gerade einmal 15.000 Jahre zurück liegt die Kälteperiode, die im Nordosten Brandenburgs die Landschaft modellierte. Der Nationale Geopark "Eiszeitland am Oderrand" zeigt hier auf fast 1800 Quadratkilometern die Abdrücke von Gletscherzungen und Toteisblöcken.

Grund- und Endmoräne, Sander und Urstromtal - so heißen die typischen Charakteristika einer Eiszeitlandschaft. In Brandenburg nördlich des Oder-Havel-Kanals unweit von Berlin sind sie wie sonst nirgendwo in Deutschland auf engstem Raum erkennbar. Damit bietet sich Besuchern nicht nur eine einzigartige Landschaft, sondern vor allem auch ein recht genauer Blick in die eiszeitliche Vergangenheit. Und diese war - zumindest auf erdgeschichtlichen Zeitskalen betrachtet - recht wild.

Nach dem Rückzug des Gletschers von der Pommerschen Eisrandlage vor rund 15.200 Jahren kam es immer wieder zu Kälteperioden, in denen neue Eismassen heranwuchsen. Die schnelle Abfolge von Abtauen und Gefrieren, von Vorrücken und Zurückweichen des Eisrandes schob den Untergrund zu einer kurzen, fast waschbrettartigen Aufeinanderfolge von End- und Grundmoränen zusammen. Die Gestaltungskraft des vordringenden Gletscherstroms war gewaltig und schuf zusammen mit Schmelzwasser und Wind eine Endmoränenlandschaft, wie sie sonst nirgendwo in Deutschland zu finden ist.

"Eiszeitland am Oderrand", im September 2006 zum Nationalen Geopark ernannt, zählt zu den Gebieten mit der höchsten Artenvielfalt in ganz Deutschland - hier leben noch Tiere und Pflanzen, die woanders schon längst ausgestorben sind. Der Geopark liegt mit seiner Gesamtfläche von 1.755 Quadratkilometern im Bundesland Brandenburg und schließt Teile des UNESCO-Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin sowie des Nationalparks Unteres Odertal ein. Da sich die Eismassen des ausgehenden Pleistozäns nicht durch Ländergrenzen aufhalten ließen, prägten sie auch das Landschaftsbild jenseits der deutsch-polnischen Grenze. Die Akteure des Eiszeitlandes am Oderrand arbeiten daher heute eng mit Ihren Kollegen aus dem polnischen Moryn und mit Geowissenschaftlern der Universität Szczecin zusammen.

Die Bedeutung der durch den Geopark abgedeckten Region liegt nicht nur im Geotourismus, sondern auch in der Geschichte. Die naturräumlichen Bildungen nordöstlich von Berlin boten im 19. Jahrhundert die besten Voraussetzungen, die Theorie von der "skandinavischen" Binnenvergletscherung herauszuarbeiten. Das Gebiet um Chorin - auch als "klassische quartärgeologische Meile" bezeichnet - spielte auf diese Weise eine herausragende geohistorische Rolle.