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Fahrtleiter-Logbuch: 16. April 2008

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Meeresforschung hautnah: vom 11. bis zum 24. Mai im Fahrtleiter-Logbuch, geführt von PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman. planeterde präsentiert das Fahrtleiter-Logbuch von der 76. METEOR-Expedition in Kooperation mit dem MARUM an der Universität Bremen.

Logbuch METEOR-Expedition M76/1 - 16. April 2008

16 April, 2008; 21:15 Uhr Bordzeit; 25°42’S, 12°52’E, 16,6° Lufttemp., 16,3° Wassertemp., Dünung 3m, Wind aus SSE 10m/s

Von Tim Ferdelmann

Am Anfang herrscht Verwirrung

Wenn ich im Hafen ankomme, um an Bord eines Forschungsschiffes zu gehen, sind die Eindrücke immer dieselben: Das Schiff, ob groß oder klein, liegt normalerweise hinter viel größeren Schiffen versteckt, noch durch die Gangway ans Land gebunden. Leute kommen und gehen. Dinge, die zwischen Land und Schiff schweben. Ein ständiges Kommen und Gehen, immer sind die falschen Türen auf. Jemand, der neu dazu stößt, wird unweigerlich durch die Vielzahl der Türen, Passagen und Gänge verwirrt – es ist halt kein Haus. Die Planungen für Treppen und Verbindungen machen für den Außenstehenden nicht immer Sinn – sie führen ihn zwar irgendwohin, aber meist eben genau nicht an sein eigentliches Ziel.

Wie eine zweite Heimat

Wenn ich auf die Meteor komme, dann komme ich an einen vertrauten Ort. Das dominierende Gefühl ist nicht Verwirrung, sondern ein starkes Gefühl von Déjà vu. Dies ist meine sechste Reise auf der Meteor in den letzten vierzehn Jahren. Seit der ersten Reise 1996 ist es, als hätte ich das Schiff gerade erst verlassen und würde einfach nur zurückkehren. Jedes Schiff hat einen eigenen Geruch. Die „Cape Henlopen“ aus Delaware auf der ich während meiner Ausbildung in den USA viele Wochen verbrachte, nennt eine kräftige Mischung aus Diesel und Badezimmer-Desinfektionsmittel ihr eigen. Die Meteor allerdings ist charakterisiert durch den Geruch von frischer Farbe, mit leichten Übertönen von Zigarettenrauch und Schmiere, die von den hölzernen Decks ausgehen. Viele deutsche Forschungsschiffe haben hölzerne Arbeitsdecks, die eine Wärme und Schönheit ausstrahlen, die ich liebe.


METEOR-Log: 16.April Sonnenuntergang auf Meteor





















Abendstimmung auf der METEOR: ein Augenblick der Ruhe, bevor die erste Station erreicht ist und die Bohrarbeiten beginnen. Foto: V. Diekamp, MARUM, Uni Bremen

Vertraute Gesichter in einer vertrauten Welt

Und dann sind da die vertrauten Gesichter der Mannschaft: Peter, Bernd und Gunter auf dem Deck oder Thilo auf der Brücke. Die Mannschaft wechselt, aber es sind immer ein paar bekannte Gesichter von der letzten Expedition dabei. So komme ich mir zwischen den tief-vertrauten Gerüchen, den bekannten Gesichtern und den tausendmal gelaufenen Treppen, Räumen und Laboren so vor, als wäre ich durch eine Tür von einem Teil meines Lebens in einen anderen, genauso vertrauten getreten.

Während des „Leinen Los“ und Auslaufen aus dem Hafen stehen wir traditionell auf dem oberen Peildeck – direkt über der Brücke - herum. Die Stimmung des abendlichen Kapstadt ist überwältigend. Danach verlagert sich die Aktivität nach drinnen. Unsere persönliche Welt liegt jetzt zwischen diesen Stahlwänden.


Fahrtleiter-Logbuch: Bild Schwerelot

















Außen eine massive Stahlhülle, innen Plastik: Das "Innere" eines Schwerelots, der Coreliner, enthält den Sedimentkern, den die Forscher quasi aus dem Meeresboden gestampft haben. Mit Hilfe tonnenschwerer Gewichte wird ein mehrere Meter langes Stahlrohr in den Meeresboden gestoßen und so Sedimentschichten um 10 Meter Tiefe beprobt, mit denen Aussagen über geologische Zeiträume bis zu einer Million Jahre möglich sind. Foto: V. Diekamp, MARUM


Es herrscht Lampenfieber

Es wird Zeit, die Labore auf Vordermann zu bringen. Ein bisschen ungeduldige Nervosität macht sich breit, bis wir die ersten Proben an Deck bekommen. Wir müssen einen gemeinsamen Rhythmus entwickeln, die neuen Wissenschaftler müssen lernen, wie die Geräte und Techniken zum Beproben des Meersbodens funktionieren. Zum Beispiel das Schwerelot – ein mit Gewicht beschwertes Rohr, mit dem wir bis zu vier Meter lange Kerne aus dem Meeresboden gestanzt haben. An diesem Material können wir unsere Methoden testen, analytische Prozeduren üben, Experimente starten. Denn in ein paar Tagen erwarten wir eine wahre Welle von Sedimentproben. Nicht nur von den Standard-Messgeräten wie dem Schwerelot, sondern vom Meeresbodenbohrgerät MeBo.

Mit besten Grüßen von Bord,

Tim Ferdelman

Tim Ferdelman




ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.
Autoren:
PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman