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Fahrtleiter-Logbuch: 18. April 2008

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Meeresforschung hautnah: vom 11. bis zum 24. Mai im Fahrtleiter-Logbuch, geführt von PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman. planeterde präsentiert das Fahrtleiter-Logbuch von der 76. METEOR-Expedition in Kooperation mit dem MARUM an der Universität Bremen.

Logbuch METEOR-Expedition M76/1 - 18. April 2008


Logbucheintrag 18. April: Position: 25°54’Süd, 13°00’ Ost

20:15 Uhr; leicht bewölkt; Luft: 17,7°C; Wasser: 16,5°C;
mittlerer Wind aus Südsüdost 8m/s; Seegang 2,5 m


von Matthias Zabel

Heute geht die erste Woche auf See zu Ende. Mittlerweile haben sich auch alle “Neulinge“ auf Meteor an das Schiff und das Leben an Bord gewöhnt. Mir geht es da ähnlich wie Tim Ferdelman, der vor zwei Tagen das Logbuch schrieb. Das Schiff im Hafen liegen zu sehen, über die Gangway an Bord zu kommen, alte Bekannte zu begrüßen, all das ist wie ein Stück nach Hause kommen. Kein Wunder, habe ich doch in den vergangenen 17 Jahren etwa 18 Monate auf der Meteor verbracht. In meinen Anfangszeiten als Doktorand waren es einmal sogar drei Fahrtabschnitte hintereinander. Zwei Reisen zu machen war damals keine Seltenheit. Nach der Dritten wusste ich allerdings, warum manch Seemann kein Freund großer Abschiede ist. Obwohl ich mich auch auf den letzten Abschnitt freute, fühlte ich mich auch zurückgelassen von denen, die von Bord gingen.


Meteor-Log: 18. April Bild 2


















Das Schwerelot wird zum Aussetzen vorbereitet: Das Gewicht drückt das lange Rohr in den Meeresboden. Dieser Schlamm ist für die Wissenschaftler wertvolles Probenmaterial, dass sie genauestens untersuchen. Foto: MARUM, V. Diekamp


Von Schwereloten und Tiefseerobotern

Seit dieser Zeit hat sich Vieles auf meinen Forschungsreisen geändert. Neue Methoden und Geräte wurden entwickelt. Beides hatte einen großen Einfluss auf den Ablauf einer Reise. Nach den bekannten Geräten wie Stahlrohren (Schwereloten), mit den man Sedimentkerne aus dem Meeresboden “stanzt“ und so genannten Kastengreifern und Multicorern zur Beprobung der Meeresbodenoberfläche, kamen Mitte der 90er Jahre Instrumente hinzu, die selbstständig zum Boden absinken, dort Messungen durchführen und Proben nehmen können. Diesen Landersystemen folgten schon bald von Bord aus ferngesteuerte, bewegliche Geräte, die sich bis zu den heutigen Tiefseerobotern wie dem Bremer QUEST weiterentwickelten. Das neueste Instrument ist das federführend am Bremer Zentrum für Umweltforschung (Marum) entwickelte Meeresbodenbohrgerät, von dem in diesem Logbuch schon mehrfach die Rede war und auch noch sein wird.

Meerestechnologie:Herausforderung für Mensch und Schiff

Jede neue Technologie brachte besondere Anforderungen an Mensch, Einsatzbedingungen und natürlich auch an das Schiff mit sich. Lässt sich mit einem Schwerelot oder Multicorer noch bis zu Windstärke 9 und Dünung um die 4m arbeiten, ist dies für die meisten neuen, hochtechnologischen Geräte undenkbar. Sie sind zumeist mit dem Schiff durch ein (Stahl)Seil verbunden, in dem sowohl die Stromversorgung verläuft, wie auch verschiedene Glasfaserkabel zur Datenübertragung. Mit Gewichten von mehreren Tonnen sind diese Geräte bei rauerer See nicht mehr handhabbar ohne erhebliche Verluste an Gesundheit und Material zu riskieren. Auch im scheinbar Kleinen haben sich jede Menge Neuerungen etabliert. Habe ich noch vor Jahren in den Kühlräumen des Schiffs täglich mehrere Stunden bei 4°C damit verbracht das Wasser aus den Sedimentproben zu quetschen, lässt sich dies heute in erheblich kürzerer Zeit machen in dem man das Wasser heraussaugt.

Wissenschaft gleicht einem Puzzle

Jedes neue Gerät, jede neu entwickelte Methode bringt uns einen Schritt weiter im Verständnis der Systeme, eröffnet die Bearbeitung neuer, weiterreichender Fragestellungen und lässt uns die ungeahnte Vielfalt des Ozeans mehr und mehr entdecken. Ohne Zweifel liegt in dieser Spannung Neues zu entdecken, wieder ein Puzzelstein zu finden, eine der Hauptmotivationen für Wissenschafter. Ich kenne keinen besser geeigneten Ort, um dieser Neigung nachzugehen als auf Forschungsschiffen. Wo sonst kommen sich Leute aus unterschiedlichen Fachdisziplinen so nahe, können so intensiv miteinander arbeiten, austauschen und diskutieren? Der Alltag mit all seinen Zwängen ist nahezu außen vor. Man muss nicht einkaufen, nicht kochen, nicht waschen, oder sich um die sonst notwendigen Dinge kümmern. All dies wird einem durch die Besatzung abgenommen. Trotz mancherlei Entbehrungen habe ich daher die Zeiten an Bord immer sehr genossen.

Meteor-Log: 18. April Bild 1












Die Proben müssen genau beschriftet und sortiert werden, damit man sie hinterher noch weiß, woher sie stammen: von welcher Stelle und auch aus welcher Tiefe. Foto: V. Diekamp MARUM


Nach ersten Beprobungen des Meeresbodens sind die Labore gut gefüllt. Der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes führt täglich an Bord eine Prognose für das Wetter durch. Leider sagt diese, dass uns am Wochenende starken Wind und Wellen bis zu maximal 5m erwarten. Daher befinden wir uns zurzeit auf einer Vermessungsfahrt Richtung Süden. Ab Montag sollen sich die Wetterbedingungen wieder bessern. Wir hoffen dann unser Programm weiter fortsetzen zu können. Für Interessierte möchte ich an dieser Stelle auf die wissenschaftlichen Wochenberichte verweisen, die jeden Montag auf der Homepage der Leitstelle Meteor veröffentlicht werden.
Wie immer im Namen aller Teilnehmer grüßt,

Matthias ZAbel Matthias Zabel












ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.
Autoren:
PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman