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Fahrtleiter-Logbuch: 22. April 2008

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Meeresforschung hautnah: vom 11. bis zum 24. Mai im Fahrtleiter-Logbuch, geführt von PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman. planeterde präsentiert das Fahrtleiter-Logbuch von der 76. METEOR-Expedition in Kooperation mit dem MARUM an der Universität Bremen.

Logbuch METEOR-Expedition M76/1 - 22. April 2008

Autor: Matthias Zabel
Logbuch Meteor-Expedition M76/1
22. April 2008; 25°30’ Süe, 13°27’ Ost
16:40 Uhr; sonnig; Luft: 25,4°C, Wasser: 16,4°C,

kaum Wind; Seegang 1m

In den vergangenen Tagen haben sich Wetter und Seebedingungen deutlich verbessert. Kaum zu glauben, aber die raue See mit bis zu 5m hohen Wellen am Sonntag gleicht heute eher einer sich langsam auf und ab bewegenden Frischhaltefolie. Das Wasser ist grünlich blau, typisch für nährstoffreiche Gebiete mit einer Vielzahl von Leben unter wie auf dem Wasser. Seit heute morgen liegen wir auf Station, dass heißt das Schiff steht auf der Stelle. In kürzester Zeit haben sich hunderte von Seevögeln um die Meteor herum niedergelassen. Womöglich halten sie uns für einen Fischtrawler und erhoffen sich reiche Beute. Insbesondere die majestätischen Albatrosse, aber auch die anderen Arten wie Raubmöwen und Seeschwalben sind wahre Flugkünstler. Ohne erkennbaren Flügelschlag segeln sie zumeist nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Ein herrliches Schauspiel, dem ich stundenlang zuschauen könnte – wenn ich denn Zeit dazu hätte. Gegen Mittag kam dann noch, wie schon zu Begin der Reise, eine ganze Herde Seelöwen hinzu. Sie umkreisen nun seit Stunden das Schiff, jagen nach Fischen, scheinen zu „spielen“, oder lassen sich einfach treiben. Wir scheinen eine echte Attraktion zu sein.


METEOR-Log: 22.April: Bild 3












Neugierig und verspielt: Eine Herde Seelöwen begleitet die Meteor.

Festmenue für hungrige Forscher

Schon oft war in den Logbucheinträgen der letzten Tage vom Tagesablauf auf der Meteor die Rede. Wie auch schon beschrieben, spielen die Mahlzeiten hier eine wichtige Rolle. Es beginnt mit dem Frühstück von 7-7:30 Uhr, gefolgt von einer Kaffeepause um 10 Uhr, dem Mittagessen von 11:30-12 Uhr, wieder einer Kaffeepause – diesmal mit Kuchen oder Keksen – und dem Abendessen von 17:30-18 Uhr. Die allmorgendlich neue Speisekarte ersetzt manchem die Tageszeitung. Um einen Eindruck der Vielfalt des Angebots zu vermitteln, hier die Auswahlliste vom Dienstag, den 22. April 2008:

À la Carte

Frühstück: Rühreier mit Speck, Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch, Paprika, Champignons, Lauch, oder mexikanisch (sprich mit roten und grüner Paprika) nach Wahl; Spiegeleier mit Speck; Käseomelett; gekochte Eier weich oder hart; Pfannkuchen mit Himbeeren; geschnetzelte Hühnerleber mit Zwiebeln und Pilzen; dazu versch. Brotsorten, Brötchen, Marmeladen, Honig, Tee, Kaffee, Saft, Milch, Cornflakes, Müsli, Jogurt und Obst.

Mittagessen: Steinpilzcremesuppe, Hähnchenbrust mit Currysauce, gebackene Ananas, Risotto Reis, Röstitaler und gemischte Bohnen; Obstplatte mit Äpfeln, Birnen, Ananas, Mango, Papaya, Pflaumen, Weintrauben, Bananen, und Kiwi.

Abendessen: Nordseekrabben auf Schwarzbrot und Spiegeleier; Wurst- und Käseplatte, Rohkostplatte.

Auf meinen ersten Reisen an Bord habe ich kaum eine dieser Mahlzeit ausgelassen. Leider ist damit seit ein paar Jahren Schluss, denn an der Rückführung der Auswirkungen hatte ich zunehmend länger zu kämpfen. Da andererseits die notwendigen Arbeiten an Bord keine Rücksicht auf Essenszeiten nehmen, kommt es öfter vor, dass die eine oder andere Mahlzeit ausfällt. Entweder kann man sich dann etwas zurückstellen lassen, oder man bedient sich an den gekühlten Schubladen im Bereich der Messe (des Essensraums), wo immer Brot und diverse Auflagen zu finden sind. Mit Ausnahme der Offiziere hat die Mannschaft einen eigenen Essensraum, in dem es auch möglich ist mit Arbeitskleidung essen zu gehen.

Spätestens nach knapp einer Woche bin ich mir des Wochentags nicht mehr sicher, denn im Grunde gleicht ein Tag dem nächsten. Auch hier hilft ein Blick auf die Speisekarte. So steht freitags Fisch, samstags einen Eintopf und sonntags Eis und/oder Torte auf dem Speiseplan.

METEOR-Log: 22.April: Bild 1


















Möwen sind allgegenwärtige Begleiter von Schiffe. Es könte ja ein Häppchen für sie abfallen.


Arbeitsalltag an Bord

Viele wissenschaftliche Arbeiten laufen Hand in Hand und nach einem zuvor festgelegten Schema ab. Das heißt Probenmaterial durchläuft häufig ein Labor nach dem anderen. Die Reihenfolge ergibt sich danach, wie leicht die Messungen durch äußere Einflüssen verfälscht werden. In der Regel hat das Wasser des tiefen Ozeans eine Temperatur um oder unter 4°C. Auf dem Weg vom Boden bis zum Schiffsdeck, erwärmen sich die Proben bereits. Dadurch beschleunigen sich zum Beispiel die  Stoffwechselprozesse der Mikroorganismen, die in der Regel von der Temperatur abhängen. Da uns jedoch genau diese im Meeresboden stattfindenden Prozesse interessieren, müssen die Konzentrationen der gelösten Gase und die chemische Zusammensetzung des Wassers zwischen den Sedimentpartikeln so schnell wie möglich gemessen werden. Nur so können die Daten den Zustand am Meeresboden, wo sie herstammen, möglichst genau widerspiegeln. Dies ist auch der Grund, warum viele Untersuchungen in den drei Kühlräumen des Schiffs bei annähernd 4°C stattfinden müssen. Vielleicht hat mein Körper früher durch die vielen Stunden im Kühlkeller einfach mehr Kalorien verbraucht, so dass keine Gefahr der übermäßigen Gewichtszunahme während einer Reise drohte. Vermutlich ist es ein Zusammenspiel aus beidem: dem zunehmendem Alter und der jetzt anderen Arbeit.

Bunte Türen, Kammern, Kojen

Wie jedes andere Schiff, so ist auch die Meteor aus unterschiedlichen Decks (Stockwerken) aufgebaut. Zu unterst liegt das tiefe Deck oder auch „Stauung“ genannt. Hier finden sich zum Beispiel im hinteren Teil des Schiffes („achtern“) die Maschinen, Lagerräume und weiter vorne die Stauräume für den Proviant. Darüber folgt das Zwischendeck, unter anderem mit den beiden Messen. In folgender Reihenfolge kommen dann das Haupt-, das Back- und fünf Aufbaudecks. Damit man sich besser zurechtfindet, haben die Türen ab dem Hauptdeck unterschiedliche Farben. Auf dem Hauptdeck sind sie rot. Dann folgen orange, gelb, hellgrün und schließlich dunkelgrün für die Brücke, dem Ort, an dem die Nautiker das Schiff steuern. Die Kabinen („Kammern“) liegen auf den roten bis hellgrünen Decks. Während jedes Mannschaftsmitglied eine eigene Kammer hat, teilen sich unter den Wissenschaftlern meist zwei Personen eine. Sind, wie auf dieser Reise, alle 30 Wissenschaftlerplätze belegt, haben nur der Seniorwissenschaftler und der Fahrtleiter bzw. die Fahrtleiterin Einzelkammern. Alle Kammern verfügen über ein eigenes kleines Bad mit Waschbecken, Dusche und WC. Der Fahrtleiter hat dazu noch einen kleinen Aufenthaltsraum mit Arbeitsplatz. Zur Ausstattung gehören Schränke, eine Sitzbank, ein Stuhl, ein Schreibplatz und die übereinander liegenden Betten („Kojen“). Soweit zum Aufbau des Schiffes.

METEOR-Log: 22.April: Bild 2







Eine typische Kabine auf der Meteor.

MeBo erstes Mal im Einsatz

Lange haben wir auf ruhiges Wetter warten müssen, heute war es dann soweit. Endlich konnten wir das Meeresbodenbohrgerät einsetzten. Zurzeit steht es in etwa 800m Tiefe, ca. 20m vom hinteren Ende des Schiffs entfernt auf dem Meeresboden. Alle Systeme scheinen zu funktionieren und das erste Kernrohr wurde in die weichen Ablagerungen gebohrt. Auch die Bildübertragung ist perfekt und so sitzen wir fast alle gebannt vor den Monitoren und beobachten wie sich das vom MeBo-Team im Kontroll-Container gesteuerte Gerät bewegt. Wie alle, so bin auch ich sehr auf die ersten Proben gespannt, die zusammen mit dem MeBo vermutlich morgen an Deck zurückgeholt werden. Hierzu später mehr.

Lieben Gruß,

Matthias ZAbelMatthias Zabel













ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.
Autoren:
PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman