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Forscher-Logbuch vom 20. April:Natur pur und Vollpension

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Abenteuer Meeresforschung direkt von Bord: vom 11. bis zum 24. Mai im Forscher-Logbuch, geführt von Nachwuchsforschern und erfahrenen Wissenschaftlern auf der METEOR. Über die maritime Lebensart an Bord und markante Eindrücke seiner ersten Forschungsexpedition berichtet Johan Faust (25), Student der Geologie.

Forscher-Logbuch vom 20. April 2008


Logbucheintrag 20. April: Position: 20.04.; 16:40; 26°42' Süd, 13°37' Ost

Sonnig; Luft: 16,8°C, Wasser: 14,6°C

Wind: 8-9 Bft aus Südsüdost; See: 4-5m; Wassertiefe 700m


von Johann Faust
Student der Geologie

Wir befinden uns zurzeit im Südatlantik etwa 100 Seemeilen westlich von Afrika. Der Himmel ist zwar blau und die Sonne scheint, aber es weht ein kräftiger Wind mit Stärke 8 in Böen bis 10 und der Wellengang ist mit 4,5 bis 5,5 Meter nicht ohne. Ein großer Spaß ist es übrigens wenn das Schiff so schaukelt wie jetzt, durch die langen schmalen Korridore, zum Beispiel auf dem Weg zum Essen oder ins Labor, zu gehen und dabei zu versuchen, die Wände nicht zu berühren. Aber das nur nebenbei.

METEOR ist meine Premiere

Ich bin das erste Mal mit einem Forschungsschiff unterwegs und auch sonst habe ich bislang nur sehr wenig Zeit auf Schiffen verbracht. Die Meteor habe ich mir trotz der vielen Bilder, die ich zuvor vom Schiff gesehen hatte, deutlich kleiner vorgestellt. Ein bisschen fühlt es sich so an, wie auf Klassenfahrt zu sein. Bis auf die Fahrtleiter ist man zu zweit "auf Kammer“. Keiner kann sich von dannen machen. Alle müssen miteinander auskommen und man lernt manch einen viel besser kennen.


Meteor-Log: 20. April Bild 1

















Ein Moment an Deck: von rechts: Der Autor Johan Faust, Simone Sauer und Vera Bender.Foto: V.Diekamp, MARUM


Bleibst Du kalt?

Es hat einige Zeit gedauert bis ich mich an das Leben hier an Board gewöhnt habe und bis ich gelernt habe die Kuriositäten besonders während der Mahlzeiten als normal zu empfinden. So fällt es mir gar nicht mehr auf, wenn zum Frühstück die Frage kommt, ob es was aus der warmen Küche sein darf oder "ob man kalt bleibt“. Denn wer mag, kann nicht nur zum Mittag und Abendbrot warm essen, nein auch eine leckere Thüringer Bratwurst mit ordentlich Senf oder ein Spargeltoastbrot schmeckt dem einen oder anderen bereits zur frühen Stunde. Beim Abendbrot wird so lange Tee eingeschenkt, bis man den Teelöffel in die Tasse stellt. Es hat etwas gedauert bis ich das raus gefunden hatte und bis dahin musste ich erst mal nach dem Abendbrot, wegen den Unmengen an Tee die ich trinken musste, ständig aufs Klo.

Interessant ist auch das sich nur hingesetzt werden darf wo auch eingedeckt ist, was unter Umständen bedeutet das man sich ganz alleine an ein Tisch setzen muss, obwohl an dem Tisch wo die Kumpels sitzen noch Platz wäre. Aber wehe, man setzt sich dorthin wo kein Besteck liegt! Auch den Tee, den es immer zum Abendbrot gibt, darf man sich nicht selber einschenken, obwohl dieser direkt neben einem auf dem Tisch steht, und wenn man es doch tut, muss man sich vorher vergewissern, dass der Stuart nichts mitbekommt. Aber ich lerne hier schnell. Der Ärger ist nicht schlimm, aber die Ansage ist deutlich.

Leider mussten wir vor ein paar Tagen die Uhr um eine Stunde zurückstellen, weil wir in Richtung Westen in eine neue Zeitzone gefahren sind. Dadurch konnten wir zwar eine Stunde länger schlafen, aber nun geht die Sonne erstens früher und dann auch noch genau zur Essenszeit unter. Der Tagesablauf hier an Board richtet sich ohnehin eher nach den einzunehmenden Mahlzeiten und weniger nach der Uhr oder danach ob es Tag oder Nacht ist.

Rund um die Uhr: Arbeiten und Essen

Gearbeitet wird immer, wenn Arbeit da ist (zum Verhängnis mancher) und wenn keine da ist, wird darauf gewartet. Die Mahlzeiten hingegen sind zeitlich festgelegt und da werden auch keine Ausnahmen gemacht. Zwischen den Hauptmahlzeiten um halb acht, halb zwölf und halb sechs gibt es noch um zehn Kaffee und um drei Kaffee und Kuchen. Am besten ist es, wenn das Wetter es zulässt, den Nachmittags-Kaffee und den Kuchen mit hoch an Deck zu nehmen, und dann an der Rehling zu stehen, die Sonne im Gesicht, den Wind im T-Shirt und den Kuchen im Mund zu haben. Ein Traum. Wer trotz der reichlichen Mahlzeiten immer noch nicht satt ist, kann jeder Zeit in die Messe gehen und sich ein Brot schmieren. Ich gehöre zu denjenigen, die auch häufig zwischen den Mahlzeiten in der Messe anzutreffen sind, denn komischerweise habe ich seit dem wir an Bord sind, ununterbrochen Hunger. Aber vielleicht liegt das auch einfach daran, dass man für jede Mahlzeit nur eine halbe Stunde Zeit hat. Anfangs habe ich gedacht das ist unschaffbar in so kurzer Zeit zu essen. Aber inzwischen brauch ich sogar nur noch zwanzig Minuten inklusive Nachtisch.


Meteor-Log: 20. April Bild 2

















Ein Sedimentkern wird bebrobt von Bernhard Schnetger, Geochemiker vom ICBM in Oldenburg, Michael Formolo und Gail Arnold, beides amerikanische Geochemiker am MPI in Bremen. Foto: V. Diekamp, MARUM


Steuerbord, Backbord, achern

Mit der Orientierung an Board hat es auch ein wenig dauert. Das es Steuerbord und Backbord gibt wusste ich zwar schon als Kind, aber als ich am zweiten Tag unserer Reise auf der Suche nach einer Kiste durch das Schiff irrte und einer der Matrosen zu mir sagte "da musst du mal achtern kucken“ hab ich nur Bahnhof verstanden. Aber Gott sei dank geht das nicht nur mir so, selbst der Doc hat erzählt, dass er bei einer Übung den Verletzten vergeblich auf dem Vorschiff anstatt auf dem Backdeck gesucht hat. (Achtern ist übrigens hinten bei einem Schiff, wobei das Backdeck durchaus vorne ist, aber eben auf einer anderen Ebene als das Backdeck. – Anm. der Redaktion)

Mutter Natur pur

Urcool sind auch die ganzen Tiere, die man hier zu sehen bekommt. In der vergangenen Nacht haben wir Kalmare auf der Jagd beobachten können. Und auf unserer zweiten Station begleiteten uns Seelöwen für die Zeit, die wir dort verbracht haben. Ganz zu schweigen von den vielen Albatrossen, Tölpeln und andern Seevögeln. Wir scheinen hier in der Gegend eine echte Attraktion zu sein. Hoffentlich sehen wir noch ein paar mehr solcher wunderbaren Tiere, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder aus dem Zoo kennt.

Auch habe ich mich schon das ein oder andere mal hier auf dem Schiff bei dem Gedanken erwischt, dass diese Tierwelt doch irgendwie viel interessanter ist, als diese grüne Matsche, die wir aus rund tausend Metern mit unseren Multicorer und unserem Schwerelot zu Tage fördern und die dann auch noch ganz fürchterlich nach „pups“ stinkt. Aber wenn ich dann im „Geolabor“ sitze und zuhöre wie die einen oder anderen über die ersten Analyse-Ergebnisse rätseln, dann ist das auch wieder super spannend. Ich mache ganz große Ohren, um möglichst viel mitzubekommen und die ganzen Tiere sind sofort vergessen.

Meine erste Ausfahrt ist für mich ein Riesen-Abenteuer. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Die Matrosen sind rau aber knorke, die Leute an Board sind super und ich freue mich auf die verbleibenden Wochen.

Alle warten jetzt gespannt auf den Einsatz des MeBos, das voraussichtlich am Montag, wenn sich das Wetter wieder ein bisschen beruhigt, hat zu Wasser gelassen wird.

Johan Faust





planeterde präsentiert das Fahrtleiter-Logbuch von der 76. METEOR-Expedition in Kooperation mit dem MARUM an der Universität Bremen.




ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.