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Forscher-Logbuch vom 23. April:Giftige Metalle im einstigen Fisch-Eldorado

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Abenteuer Meeresforschung direkt von Bord: vom 11. bis zum 24. Mai im Forscher-Logbuch, geführt von Nachwuchsforschern und erfahrenen Wissenschaftlern auf der METEOR. Heute berichtet Bernhard Schnetger, Geochemiker vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Universität Oldenburg im Logbuch von der Meteor.

Forscher-Logbuch vom 23. April 2008


23. April 2008, 25°3´S, 13°3´E, 12:45 Uhr, sonnig, Lufttemperatur 24°C, Wassertemperatur 16°C, schwacher Wind aus SSE, Seegang 1m

Seit über einer Woche sind wir nun an Bord von „Meteor“. Routine ist eingekehrt, Mannschaft und Wissenschaftler haben sich aufeinander eingestellt. Einige an Bord kenne ich noch von letztem Jahr als wir mit „Meteor“ eine Forschungsfahrt in das Schwarze Meer unternommen haben.

Statt Bratwurst zum Frühstück: Rudern und Radfahren

Ich bin nicht so oft auf längeren Ausfahrten mit Forschungsschiffen. Mehr bin ich auf kleineren Schiffen an der Nordseeküste unterwegs. Meine bisher längste Reise war vor ca. 10 Jahren mit der „Sonne“ vor die Küste Perus – das ging über 6 Wochen. Es gab damals Leute, die sind leichtfüßig an Bord gehüpft und wurden am Ende von Bord gerollt. Jede Woche 2 kg zugenommen, das macht... – lassen wir das! Man kann 3 x am Tag warmes Essen bekommen. Wer wünscht sich das nicht: schon am Morgen zum Frühstück einen Pfannkuchen mit Pfirsichen, Spiegeleier mit Speck und „baked beans“, Rührei in allen denkbaren Variationen, ein Minutensteak oder eine Bratwurst. Meine Antwort darauf – ich esse morgens meistens Müsli mit Joghurt und eine Scheibe Schwarzbrot mit Marmelade und treibe jeden Tag Sport. Zu Hause ist es das Laufen, das geht an Bord natürlich nicht. Die „Meteor“ ist zwar 100 m lang aber leider gibt es kein durchgängiges Deck. Aber es gibt zwei Fahrräder, ein Multitrimmgerät und eine Rudermaschine an Bord. Sauna kann man auch noch zu Sport dazu zählen. Auf dieser Reise ist das Fahrradfahren etwas verschärft. Im Sportraum hängt ein Zettel an der Wand auf dem Frau/Mann Dauer, Strecke, Schwierigkeitsgrad (1 – 20) und verbrauchte Kalorien eintragen kann. Es ist noch nicht ganz klar, wer zum Sieger gekürt wird; die/derjenige mit dem höchsten Kalorienverbrauch, der längsten zurückgelegten Strecke oder eine Kombination aus diesen Kriterien?

Was mache ich an Bord?

Meine Aufgabe an Bord ist relativ einfach: ich sammele Sedimentproben vom Meeresboden. Ich suche nach Proben mit sehr hohen Gehalten an organischem Kohlenstoff. Zu Hause, am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) in Oldenburg, werde ich diese Proben dann mit chemischen Methoden analysieren. Die Schwermetallzusammensetzung dieser Proben ähnelt den Rückständen aus unseren städtischen Kläranlagen. Nur dass die Anreicherung an giftigen Schwermetallen ausnahmsweise nicht durch uns Menschen verursacht worden ist, sondern natürlichen Ursprungs ist. Mich interessieren die Prozesse, die dazu führen, dass im Ozean diese giftigen Metalle dem Kreislauf entzogen und für geologische Zeiträume unschädlich gemacht werden. Das ist der Grund, warum es mich immer mal wieder vor der Küste Namibias und Perus zieht. Gerade dort befinden sich vor der Küste besonders ausgeprägte Auftriebsgebiete. In solchen Gebieten ist der Nährstoffgehalt im Ozean besonders hoch und damit einher geht ein reiches Planktonwachstum. Der Reichtum an Plankton ist einer der Gründe dafür, dass der Metallgehalt der am Meeresboden abgelagerten Sedimente so hoch ist.


METEOR-Log/Schnettger: 22.April: Bild 2

















Bernhard Schnetger und Vera Bender (Studentin am FB-5 Geowissenschaften der Univ. Bremen) bei der Beschreibung von Sedimentkernen.


Namibia war einst Eldorado des Fischfangs

Früher war die Küste Namibias für ihren Fischreichtum bekannt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden diese Küstengewässer von den großen Fischfangflotten aber völlig überfischt. Auch einer von unseren Matrosen an Bord hat damals auf einem dieser Schiffe gearbeitet. In der Bucht von Walvis Bay kann man immer noch Reste dieser Flotte sehen: z.B. Schiffe mit kyrillischen Namen, die dort ankern, vor sich hinrosten und schon von dezimeter-dicken Schichten an Vogeldung bedeckt sind. Irgendwann werden sie sinken – kein Mensch kümmert sich darum! Den Nachteil haben nun die namibianischen Fischer. Nach der Unabhängigkeit hatten sie gehofft, vom Fischfang profitieren zu können. Trotz langjähriger Fangverbote sind aber die Sardinenschwärme ausgeblieben. Kollegen am Zentrum für Marine Tropenökologie befassen sich schon seit Jahren mit diesem Phänomen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sich um ein Zusammenspiel der immer noch nachwirkenden Überfischung und des sich auch hier auswirkenden Klimawandels handelt.


METEOR-Log/Schnettger: 22.April: Bild 1





















Verena Heuer (Univ. Bremen – FB 5 Geowissenschaften) bei der Beprobung von Sedimentkernen in einem der Kühlräume der Meteor.

Von Möwen und Seelöwen umzingelt

Seit wir den Hafen in Kapstadt verlassen haben ist kein Land mehr in Sicht gekommen. Auf den ersten Blick scheint es so zu sein, dass wir bis auf einige weiße Albatrosse völlig allein sind. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber auch Seeschwalben und Raubmöwen. Letztere leben hauptsächlich davon alles aufzusammeln was an Fressbarem auf dem Wasser schwimmt oder aber sie jagen andere Vögel so lange, bis diese ihr Futter fallen lassen. Wenn das Schiff stoppt, um das schwere Gerät zum Meeresboden herab zu lassen, dann finden sich sofort ganze Herden an Seelöwen ein. Mein Kollege Mark sagt, dass man sie von Robben an ihren längeren Barthaaren unterscheiden kann, außerdem sind sie viel verspielter. Die ganze Zeit tollen sie als Knäuel um das Schiff herum, putzen auf dem Rücken liegend mit den Flossen ihre Schnauze oder springen aus dem Wasser. Wenn des Nachts das Wasser von der Schiffsbeleuchtung bestrahlt wird, werden Schwärme von Hornhechten angelockt.

Lieben Gruß, Bernhard Schnetger



ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.