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Was passiert auf Polarstern? Fahrtleiter Fahrbach berichtet live aus der Antarktis - Tag 5

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Für planeterde.de berichtet Fahrtleiter Dr. Eberhard Fahrbach vom 9. bis zum 14. März für planeterde täglich von der Polarstern. Nachdem gestern neue Strömungsmesser verankert wurden, begab sich Fahrbach und seine Crew heute auf die spannende Suche nach einer drei Jahre alten Meßstation - voller Daten zu Strömung, Temperatur und Meereisdicke.

Fahrtleiter-Logbuch

Tagebucheintrag, Mittwoch, der 12. März 2008


Der heutige Tag hat wieder einmal gezeigt, wie eng Enttäuschung und Freude in unserer Wissenschaft zusammen liegen. Wir haben das südliche Ende unseres Schnittes durch den Südlichen Ozean von Südafrika zur Antarktis erreicht. Etwa 13 Seemeilen vor der Schelfeiskante wollten wir eine Verankerung aufnehmen, die hier drei Jahre lang Strömung, Temperatur und Meereisdicke gemessen hatte. Verankerungen sind, wie gestern erklärt, komplizierte autonome Messstationen, die ihre Daten aufzeichnen und zum Erhalt der Daten geborgen werden müssen. Sie reichen in unserem Falle vom Meeresboden bis in 150 m Tiefe unter die Meeresoberfläche, um zu vermeiden, dass sie durch Meereis oder Eisberge zerstört werden. Um sie an die Oberfläche zurück zu bringen, wird die Verankerung mit einem akustischen Signal angesprochen und der Befehl gegeben, den Haken zum Ankerstein zu öffnen. Der Auftrieb zieht die Verankerung an die Oberfläche, worauf sie vom Schiff geborgen werden kann.

Logbuch 12. März: Eisecholot


























Der Verankerungstechniker Matthias Monsees mit dem von einem Eisberg verschleppten Eisecholot. Foto: C. Lohse

Suche im Schatten der Eiswand

Ab 6:00 Uhr UTC gaben wir unsere Signale, doch keine Reaktion war zu erkennen. Weder bestätigten die Auslöser, dass sie unseren Befehl erhalten hatten, noch konnten wir mit dem Funkpeiler den Satellitensender erkennen, der an der Spitze der Verankerung sitzt und sich melden sollte, wenn die Verankerung an die Oberfläche kommt. Wir begannen mit dem Schiff Suchkurse zu fahren und schickten den Helikopter los. Kein Erfolg. Nach zwei Stunden war klar, dass wir die Verankerung als verloren anzuerkennen hätten. Wir nahmen die Arbeiten mit der Wasserprobennahme wieder auf und arbeiteten uns weiter nach Süden vor. Eisberge mit bizarren Formen, Feldern von stark verwitterten alte Eisschollen und Neueis bestimmten die Szenerie, am Horizont grüßte die Schelfeiskante mit imposanten 32 m Höhe.

Logbuch 12. März: Eis voraus


















Blick über die Reling von POLARSTERN. Foto: C. Lohse

Gesucht und gefunden

Mit der genauen Position ging es dann schnell. Die Verankerung wurde vollständig geborgen. Sie zeigte Beschädigungen, die klar erkennen ließen, dass sie von einem Eisberg so weit verschleppt worden war, dass unser akustisches Signal zwar stark genug war, sie auf 7 sm (Seemeilen, 1 sm =1852m, Anm.d.R.) Abstand auszulösen, das Bestätigungssignal des Auslöser aber nicht mehr bis zu uns durch drang. Das Signal des deformierten Satellitensenders war bei der großen Entfernung in Bodennähe durch die Eisfelder abgeschattet und konnte nur vom Satelliten mit Blick von oben erkannt werden. Wir sind glücklich über den guten Ausgang, müssen aber noch abwarten, bis die Geräte geöffnet sind, um zu wissen, ob beim Verschleppen weitere Schäden aufgetreten sind.


Logbuch 12. März: Satellitensender




















Der Fahrtleiter prüft den vom Eisberg deformierten Satellitensender.Foto: C.Lohse

Inzwischen haben wir die letzten Messungen direkt an der Schelfeiskante beendet und dampfen nach Westen ins Weddellmeer.

Eberhard Fahrbach auf der POLARSTERN


Internationale Polartage

Der 12. März ist übrigens der 3. Internationale Polartag - was das ist? Schauen Sie hier.


Fahrtleiter-Logbuch


Eberhard Fahrbach im Portrait

Für planeterde.de berichtet Dr. Fahrbach vom 9. bis zum 14. März von seinen persönlichen Eindrücken aus der Antarktis. Aufgrund des tragischen Helikopterunglücks am 2. März bei der Neumayer-II-Station verzögerte sich die Berichterstattung des Fahrtleiters von der Polarstern. Das Schiff ist vom 10. Februar bis 16. April in der Antarktis.


Wohin geht die Reise? Erstes Ziel: Versorgung der Neumayerstation

Tag 1 ( 1.03.08)


Die dunkle Seite der Wissenschaft: Helikopterunglück am 2. März bei Neumayer-II

Tag 2 ( 9.03.08)


Auf Station: Über die "Satelliten" der Ozeane und multikulturelles Arbeiten auf POLARSTERN

Tag 3 (10.03.08)


Über Bord: neue Verankerungen - Strömungsmesser - vermessen wie salzig, warm und schnell polare Strömungen sind.

Tag 4 (11.03.08)


An Bord: die spannende Suche nach einer dreijährigen Meßstation an der Schelfeiskante

Tag 5 (12.03.08)


Tag 6 (13.03.08)

Tag 7 (14.03.08)



Logbuch 12. März: Fahrtleiter und Kapitän Schwarze






















Kapitän Schwarze und der Fahrtleiter freuen sich über den glücklichen Ausgang der Verankerungssuche. Foto: C. Lohse


Berichte und Aktuelles von Polarstern

Weitere Berichte können Sie auf der offiziellen Seite des Internationalen Polarjahres lesen:

Offizielle Wochenberichte der Expedition ANTXXIV/3

Berichte der zwei mitreisenden Lehrer, Charlotte Lohse und Stefan Theisen aus Norddeutschland.

Wo ist Polarstern? Kursplot des Schiffes.

"Polarstern - 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis" im Delius Klasing Verlag erschienen. Für Hintergrundinformationen siehe auch hier.