Was passiert auf Polarstern? Fahrtleiter Fahrbach berichtet live aus der Antarktis - Tag 6
Für planeterde.de berichtet Fahrtleiter Dr. Eberhard Fahrbach vom 9. bis zum 14. März für planeterde täglich von der Polarstern. Am sechsten Tag kehrt Ruhe auf dem Schiff ein, das tief ins Weddellmeer vordringt. Dem südlichen Motor der globalen Ozeanzirkulation und "Pfannkucheneisbäcker".
Fahrtleiter-Logbuch
Tagebucheintrag, Donnerstag, der 13. März 2008
Wir befinden uns nun im Weddellmeer, der großen Bucht des
Südatlantiks, die im Westen durch die Antarktische Halbinsel, im Süden durch
das Filchner-Ronne-Schelfeis und im Osten durch die Küste Dronning-Maud-Lands
begrenzt ist. Das Weddellmeer ist von Beginn der Polarstern-Expeditionen an
eines der Hauptarbeitsgebiete der Ozeanographen gewesen, da hier das sogenannte
„Weddellmeer-Bodenwasser“ entsteht.
Man nehme: Sonnenstrahlung und Süßwasser
Die Ozeanographen sprechen von Wassermassenbildung,
wenn sich die Eigenschaften, das bedeutete Temperatur, Salzgehalt, und gelöste
Substanzen, verändern. Dies geschieht normalerweise an der Meeresoberfläche, wo
Wärme und Süßwasser ausgetauscht werden. Erwärmung erfolgt im Wesentlichen
durch die Einstrahlung der Sonne, Abkühlung durch Wärmeaustausch mit der Atmosphäre.
Süßwasser wird dem Ozean durch Verdunstung und Meereisbildung entzogen und durch
Niederschlag und Eisschmelze, bzw. den Zustrom von Flüssen, Gletschern und
Eisströmen zugeführt.
Schema nach Schmitz (1996) zur globalen Zirkulation der Meeresströmungen. In der Ozeanographie werden Zustand und Veränderlichkeit der Zirkulation und der Wassermassen im Ozean untersucht. Daraus läßt sich aussagen, welche Rolle der Ozean im globalen Klimageschehen spielt, denn: Physikalische Bedingungen haben einen ausschlaggebenden Einfluss auf das Leben im Ozean und folglich auf den CO2-Kreislauf. Quelle: AWI
Und erhalte: Antarktisches Bodenwasser
Das Weddellmeer verfügt außer über die Zufuhr von Flüssen über alle diese Zutaten. Die Wirkung der Flüsse wird durch die der Schelfeise ersetzt. Durch die aufsteigende Bewegung in der Antarktischen Divergenz kommt verhältnismäßig warmes Wasser an die Oberfläche, wo es abgekühlt wird und wo durch Niederschlag und Eisschmelzen Süßwasser zugeführt und durch Eisbildung entzogen wird. Das Endergebnis dieser Prozesse ist eine Wassermasse, die an Dichte gewonnen hat, und in die Tiefsee absinkt. Sie verlässt das Weddellmeer und erfüllt das unterste Stockwerk des Weltmeeres mit dem Antarktischen Bodenwasser. Dies ist der südliche Teil der globalen Absinkbewegung, die zur großräumigen Umwälzung des Weltmeeres führt.
Die Dampfzeit vom Meridian von Greenwich ins zentrale Weddellmeer verschafft eine kurze Zeit der Ruhe an Deck. Foto: C. Lohse
Warmes Bodeswasser? Langzeitmessungen helfen, dieser Frage auf den Grund zu gehen
Im vergangenen Jahrzehnt haben wir beobachtet, dass sich das
Weddellmeer-Bodenwasser stetig erwärmt. Nun fragt man sich, ob dies eine
Fluktuation oder einen Trend darstellt. Diese Frage kann nur durch lange
Zeitreihen beantwortet werden. Deshalb ist eines der Ziele unserer Expedition,
sowohl Messungen der relevanten Parameter mit hoher Genauigkeit und räumlicher
Auflösung auszuführen.
Wir setzten aber auch autonome Messplattformen ein, die an einem Ort fixiert sind (Verankerungen) oder in der Wassersäule treiben (Floats), so der Fahrtleiter
Wir setzten aber auch autonome Messplattformen ein, die an einem Ort fixiert sind (Verankerungen) oder in der Wassersäule treiben (Floats). Beide liefern eine zeitlich viel höhere Auflösung als die relativ seltenen Messungen vom Schiff aus.
Tschüß, Trollzunge! Die Arbeiten auf dem Meridian von Greenwich sind abgeschlossen und POLARSTERN dampft nach Westen ab. Zurück bleibt Trolltunga - die Trolleiszunge. Foto: C. Lohse
Durch's Eis ins Herz des Weddellmeers
Das ursprüngliche Ziel der Expedition war es, sowohl den Einstrom in das Gebiet der Wassermassenbildung im Osten, wie auch den Ausstrom der neu geformten Wassermassen im Westen zu messen. Doch nun müssen wir das Programm kürzen, um die Zeit wieder einzuholen, die wir durch einen in Kapstadt verspätet eintreffenden Messcontainer und das Unglück bei Neumayer verloren haben. Deshalb beginnen wir unsere Messungen erst wieder im zentralen Weddellmeer und wir dampfen nun durch eine geschlossene Eisdecke bis zu nächsten Station, die wir heute Nacht erreichen werden.
Eberhard Fahrbach auf der POLARSTERN
Fahrtleiter-Logbuch
Für
planeterde.de berichtet Dr. Fahrbach vom 9. bis zum 14. März von seinen
persönlichen Eindrücken aus der Antarktis. Aufgrund des tragischen
Helikopterunglücks am 2. März bei der Neumayer-II-Station verzögerte
sich die Berichterstattung des Fahrtleiters von der Polarstern. Das Schiff ist vom 10. Februar bis 16. April in der Antarktis.
Tag 1 ( 1.03.08)
Die dunkle Seite der Wissenschaft: Helikopterunglück am 2. März bei Neumayer-II
Tag 2 ( 9.03.08)
Auf Station: Über die "Satelliten" der Ozeane und multikulturelles Arbeiten auf POLARSTERN
Tag 3 (10.03.08)
Über Bord: neue Verankerungen - Strömungsmesser - vermessen wie salzig, warm und schnell polare Strömungen sind.
Tag 4 (11.03.08)
An Bord: die spannende Suche nach einer dreijährigen Meßstation an der Schelfeiskante
Tag 5 (12.03.08)
Tag 6 (13.03.08)
Tag 7 (14.03.08)
Backe, backe....Pfannkucheneis: es wird Herbst und die Eisbildung setzt ein. Aus Eismatsch wird "Pfannkucheneis". Lecker? Eher frostig. Foto: C. Lohse
Berichte und Aktuelles von Polarstern
Weitere Berichte können Sie auf der offiziellen Seite des Internationalen Polarjahres lesen:
Offizielle Wochenberichte der Expedition ANTXXIV/3
Berichte der zwei mitreisenden Lehrer, Charlotte Lohse und Stefan Theisen aus Norddeutschland.
Wo ist Polarstern? Kursplot des Schiffes.
"Polarstern - 25 Jahre Forschung in Arktis und Antarktis" im Delius Klasing Verlag erschienen. Für Hintergrundinformationen siehe auch hier.







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