POSEIDON-Blog 4. Juni: Poseidon grollt
Seit dem 3. Mai ist das deutsche Forschungsschiff POSEIDON im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs EUROPROX auf Forschungsexpedition. Über den dritten und letzten Fahrtabschnitts berichtet von Bord Fahrtleiter Tilo von Dobeneck und sein Team.
Poseidon-Logbuch P363/3
Vigo - Vigo
Autor: Tilo von Dobeneck
4. Juni: Poseidon grollt
Heute sollte laut Arbeitsplan der große Tag sein, an dem unser GEM Shark erstmals in seinem jungen Leben in ein Schelfmeer abtaucht: Aber der nachts auffrischende, steife, in Böen sogar stürmische Wind, ignoriert die günstigen Wetterprognosen und beschert uns unruhigen Schlaf. Meeresgott Poseidon hat offensichtlich schlechte Laune, und das ihm geweihte Schiff stampft und rollt durch die aufgewühlte schwarze See. Ein erster frühmorgendlicher Blick durchs Bullauge offenbart, dass an Großgeräteeinsatz heute nicht zu denken ist. Schon der unbedachte Einsatz von Messer und Gabel könnte schwerwiegende Folge haben. Aber einen Fahrtleiter ohne Plan und einen Seetag ohne Forschung darf es auf einem Forschungsschiff nicht geben! Also trotz flauen Magens - raus aus der Koje!
Das Side-Scan-Sonar
Im Trockenlabor treffe
ich auf Arne Schwab, der die Nacht am
'Seitensichtsonar'
ausgehalten hat, um Hindernisse wie Schiffswracks und ‚basement outcrops' (aus
der Sedimentdecke herausragendes Grundgestein) auf den vorgesehenen
Schlittenprofilen zu identifizieren. Eine notwendige, aber eher
langweilige Aufgabe, denn der küstenparallele 'mud belt', dem unser
Interesse gilt, ist eine strukturlose, ebene Schlammwüste.
Ein 'side
scan sonar' (siehe oberes Bild)
ist ein am Kabel
über den Meeresboden
geschleppter 'Fisch mit Richtlautsprechern', der Kontraste in der
Schallrückstreuung des Meeresbodens registriert und diese als
Grauschattierungen auf Thermopapier abbildet. Verschiedene Grautöne weisen auf
Rauhigkeits-, Festigkeits- oder Neigungsunterschiede hin. Auf dem
Schlammgürtel fehlen solche Kontraste generell und daher produziert Arne an
manchen Arbeitstagen nichts als einheitlich mausgraue, viele Zehnermeter
lange Thermopapiertapeten (Thermorollen). Dann
freuen sich die Elektromagnetiker, denn ihr Schlitten kann sich hier
ungefährdet bewegen.
Doch heute Nacht war's
anders: Am westlichen Rand von Arnes 'Matratze' (so nennt man in der
Geophysik ein Netz aus parallelen Messprofilen), nahe der Schelfkante,
wirkt der Meeresboden stark zerklüftet. Harte,
steil stehende Sedimentschichten aus der Kreidezeit ragen hier als Zacken
und Grate aus der Sedimentdecke heraus. Die Bodenströmung muss sich
zwischen diesen untermeerischen Klippen hindurchwinden und
schafft dabei Bereiche starker und schwacher Strömung.
Daraus
resultieren interessante Verteilungsmuster der Sedimente, die
Rückschlüsse auf die Strömungsrichtungen erlauben. Und der seefeste Arne bekommt an diesem Schaukeltag die Erlaubnis, in einer
16-stündigen Detailvermessung das Potential des 'side scan sonar' mal so
richtig auszureizen … während der Rest der Wissenschaft eine ruhige
Kugel schiebt.
Beste Grüsse
Tilo von Dobeneck
Arne Schwab freut sich sichtlich auf seine 16-Stundenschicht mit dem Side-Scan-Sonar.
Weitere Informationen:
Wo ist POSEIDON jetzt?
Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.
Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history unter www.europrox.de.








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