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POSEIDON-Logbuch 15.&16. Juni: Poseidons Boten

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Tilo von Dobeneck und sein Team liegen auf POSEIDON in den letzten Zügen. Ziel der letzten Etappe ist die Erkundung der Duoro- und Galicia-Schlammgürtel. Doch neben all den Gerätzeeinsätzen mit Vibrolot und "Hai", gibt es auch Grund zum Feiern - Till Hanebuths Geburtstag.

Poseidon-Logbuch P363/3

Vigo - Vigo



Thilo von DobeneckFahrtleiter und Geophysiker, Tilo von Dobeneck führt mit seinem Team im POSEIDON-Logbuch durch die Tage im letzten Fahrtabschnitt dieser Forschungsreise. Am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM koordiniert er den Forschungsbereich „Sedimentationsprozesse“ und bestimmt an der Universität Bremen die Geschicke in der Abteilung Marine Geophysik.






Autor: Tilo von Dobeneck



15. und 16. Juni: Poseidons Boten


Zwischen Duoro- und Galiciaschlammgürtel

Wir sind am südlichen Ende der Fahrt POS 366/3 angelangt, einem Seegebiet, das vor der nordportugiesischen Costa Verde liegt. Hier befindet sich je nach konsultierter Literatur der tonige Übergang oder die sandige Lücke zwischen den Duoro- und Galicia-Schlammgürteln. Was denn nun? Und wie bildet sich dieser Übergang in den elektromagnetischen Merkmalen der Sedimente ab, die ja aus geologisch unterschiedlichen Liefergebieten stammen? Das wollen wir in diesen zwei Tagen durch Probenahme und Messung ergründen. Schnell wird klar – einfach ist das nicht! 100 Meter tief unter uns liegen submarine Landschaften mit schroffen Felsen und verschlungenen Schlamm-, Sand- und Kiesfeldern, die wir leider nicht mit unseren Augen, sondern nur mit unseren Sensoren sehen können. Dass eine Unterwasserkamera am Schlitten ganz oben auf der Wunschliste der Ergänzungsausstattung steht, ist wasserklar.

poseidon 15. und 16. Juni: Delfine

















Botschafter Poseidons: Delfine unterhalten die Crew mit eleganten und verspielten Kunststückchen.

Poseidons Boten
Als wir am Nachmittag des 15. Juni von einer Kernstation außen an der Schelfkante zurück Richtung Küste fahren, gesellt sich eine Besuchergruppe aus mindestens 20-30 Individuen zu uns, die in diesen aquatischen Landschaften heimisch sind und viel darüber erzählen könnten. Es sind die Botschafter Poseidons, so elegante wie verspielte Delfine, die sich einen Spaß daraus machen, wieder und wieder in Paaren oder größeren Gruppen von bis zu sechs Tieren Seite an Seite in schnellem Tempo und in wenigen Metern Abstand an unserer POSEIDON und ihren Stabilisatorenflügeln entlang zu schwimmen und vergnügte Sprünge zu vollführen.

In's Netz gegangen

Diesen herrlichen Kreaturen muss es gut gehen, denn dass es hier viel Fisch zu (fr)essen gibt, erkennt man auch den zahlreichen Stell- und Grundnetzen, deren beflaggte Auftriebskörper wir häufig passieren. Hoffentlich passiert unserem Hai da unten nichts! Lange geht es gut, aber dann hängt er doch in einem alten Netz fest und muss vorsichtig eingeholt werden. Die Heckwinde des Schiffs quält sich, aber schließlich taucht unser Hai an der Wasseroberfläche auf. Er wirkt etwas verwirrt und ist mit einer grauen Netzstola bekleidet. Noch mal davon gekommen …

poseidon 15. und 16. Juni: Arne beim Basteln












Arne beim Basteln von Tills Geburtstagsgeschenk


Schiffstraditionen

Wir sehen ein, dass es in dieser intensiv befischten Zone nicht nur für kleine Fische gefährlich ist, und beschließen nach zwei wegen zu hoher Netzdichte abgebrochenen Schlittenprofilen und vier erfolgreichen Vibroloteinsätzen dieses schöne, aber operativ schwierige Gebiet wieder nach Norden in Richtung Ría de Vigo zu verlassen. Morgen ist schließlich der letzte Tag dieser Reise. Und die fünfstündige Transitstrecke lässt sich trefflich dazu nutzen, im Kreis aller Fahrtteilnehmer den Geburtstag unseres Chefsedimentologen Till Hanebuth zu feiern (siehe Foto  rechts unten mit Angel Mela). poseidon 15. und 16. Juni: Angel und Geburtstagskind Till HanebuthEndlich sehen auch alle, woran Arne seit Tagen in der Deckschlosserei gearbeitet hat: Ein wunderschönes kleines Modell des Vibrolots, Tills Lieblingsgerät, aus dem bunten Blech von Getränkedosen gefalzt und gelötet. Solche kleinen Bastelarbeiten aus im Schiff verfügbaren Materialen haben lange Tradition in der Seefahrt, man denke nur an kunstvolle die Buddelschiffe und Knotenbretter. Und gelegentliche feuchtfröhliche Feiern haben an Bord natürlich auch ihre Tradition. Aber über deren Ablauf näher zu berichten, hieße, gegen ein altes Verschwiegenheitsgesetz der Seefahrer zu verstoßen, welches da lautet: "Schiff ist Schiff und Land ist Land!". Daran kommt auch das Webblog nicht vorbei.

Viel Grüße von Bord,
Tilo von Dobeneck

poseidon 15. und 16. Juni: Das Vibrolot-Modell























Vibrolot-Modell : Gelötet aus diversen Getränkedosen ein tolles Geburtstagsgeschenk in bester Seemannstradition.



Weitere Informationen:


Wo ist POSEIDON jetzt?

Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.

Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history
unter www.europrox.de.


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