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POSEIDON-Logbuch 5. Juni: The Shark has landed

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Seit dem 3. Mai ist das deutsche Forschungsschiff POSEIDON im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs EUROPROX auf Forschungsexpedition. Über die Jungfernfahrt des HighTech-Magnetschlittens auf dem galizischen Schelf berichtet das Bremer "Shark"-Team, Hendrik Müller und Christian Hilgenfeld.

Poseidon-Logbuch P363/3

Vigo - Vigo



Thilo von DobeneckFahrtleiter und Geophysiker, Tilo von Dobeneck führt mit seinem Team im POSEIDON-Logbuch durch die Tage im letzten Fahrtabschnitt dieser Forschungsreise. Am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM koordiniert er den Forschungsbereich „Sedimentationsprozesse“ und bestimmt an der Universität Bremen die Geschicke in der Abteilung Marine Geophysik.






Autoren: "Shark"-Team Hendrik Müller und Christian Hilgenfeld



5. Juni: The Shark has landed!


Heute ist die See ruhiger und dem ersten Tiefwasser-Tauchgang des gelben Elektromagnetik-Hais steht nichts mehr im Weg. Seine Aufgabe ist die hoch auflösende elektromagnetische Vermessung des Meeresbodens, um dessen Wassergehalt sowie Zusammensetzung und Zustand der im Sediment enthaltenen magnetischen Minerale zu kartieren. Messwerte werden im Abstand von ca. sechs Zentimetern entlang des Fahrprofils erhoben. Im Vergleich dazu liefern konventionelle Kerndaten eine horizontale Auflösung von vielen hundert Metern und können kleinräumige Änderungen der physikalischen Zusammensetzung des Meeresbodens nicht erfassen.

Gleich nach dem Frühstück werden die technischen Komponenten miteinander verbunden und einem Funktionstest unterzogen. Alles klappt! Schiffsbesatzung und Kapitän machen sich zum Aussetzen bereit, während Hendrik Müller den elektromagnetischen Sensor sowie Messgeräte zur Erfassung der dreidimensionalen Lage des Hais im Raum, Wassertiefe, Temperatur und elektrischer Leitfähigkeit des Meerwassers scharf macht.

poseidon 6. Juni: Hai taucht ab











Der Hai wird ins Wasser gelassen: Mit GEM-Shark ist eine hochauflösende elektromagnetische Vermessung des Meeresbodens möglich.


Form, Gerätezusammensetzung und Messdatenerfassung hat Hendrik Müller zusammen mit dem Ingenieur Christian Hilgenfeldt und dem Bremer Geophysiker Thomas Frederichs während der letzten zwei Jahre zu einem hoch empfindlichen Ensemble kombiniert und dem GEM-SHARK virtuell in der dreidimensionalen Computerwelt Leben eingehaucht. In nächtelanger Arbeit wurde daraus mit Tilo von Dobeneck und einem Glasfaser-Fachmann ein schon fast lebendiges Wesen, an dessen Verlust nicht im schlimmsten Alptraum zu denken ist! Kollisionen am Meeresboden sind aber leider nicht auszuschließen, deshalb gibt es auch zwei Rettungsseile mit Signalbojen, falls das Zugkabel reißt.

poseidon 6. Juni:Bye Bye, Hai





















Bye, bye! Der Elektromagnetik-Hai auf dem Weg zu seinem Jungfern-Tiefseetauchgang.Ob wohl alles klappt?


Ok, die Sicherungsseile sind ausgebracht, nun wird „sharky“ in das für ihn bestimmte Medium ausgesetzt, schwimmt noch ein bisschen, bis er gemächlich mit der Nase voran abtaucht und langsam aus dem Blick verschwindet (siehe Bilder oben).

poseidon 6. Juni: KontrollbildschirmAlles versammelt sich vor den Kontrollbildschirmen (Bild links). Die Wassertiefe steigt und die Neigung stabilisiert sich bei 25°, die Nase schaut also etwas nach oben. Die Haifinne stabilisiert Kurs und Roll-Winkel. Über Funk gibt Hendrik Müller Anweisungen an die Brücke und den Windenfahrer um „sharky“ sicher
auf dem Meeresboden zu landen.

"Labor an Brücke: Geschwindigkeit auf 2.5 Knoten erhöhen". "Labor an Winde: Fieren mit null-fünf auf 450 Meter".

So langsam nähert sich die über das Datenkabel übertragene Wassertiefe des Hais dem vom Echolot der POSEIDON gemessenen Abstand zum Meeresboden an. Nach zehn Minuten ist es soweit: Der Schlitten setzt mit dem Heck auf und begibt sich kurzerhand in eine horizontale Lage.

"Labor an Brücke: Schlitten ist auf Grund".

Erleichterung macht sich breit und unsere spanischen Projektpartner, die die Entwicklung des GEM-Sharks
mitfinanziert haben lächeln zufrieden: Herzlichen Glückwunsch, der Fisch ist sicher gelandet.

„Sharky“ gleitet ruhig wie auf Schienen mit 5-6 km/h über den 160 Meter tiefen Meeresboden und registriert dabei 25 Messdaten pro Sekunde. Gelegentliche hohe Ausschläge deuten auf Metallobjekte hin und erinnern daran, dass der GEM Sensor als Minendetektor gehandelt wird. Aber auch geologische Strukturen wie Erosionshorizonte nahe der Schelfkante - der aus grünschwarzen
Glaukonitsanden aufgebaute äußere Schelf und der tonreiche Schlammgürtel im inneren Schelf - werden anhand ihrer verschiedenen sedimentphysikalischen Eigenschaften klar abgebildet und voneinander abgegrenzt. Erstmals kann man auch die Kern- und Übergangszonen dieser sedimentären Einheiten kontinuierlich und exakt erfassen (siehe Bild unten).

poseidon 6. Juni: Die ersten Daten















Die ersten Meßdaten des Elektromagnetikschlittens GEM-Shark sind ein voller Erfolg.

Vier Stunden währt die unbeschwerte Gleitfahrt nach Osten, dann ereicht POSEIDON die felsigen Ausläufer der Steilküste und deren mit Treibnetzen verbarrikadierten Fischgründe. Hier wird's gefährlich für den Hai und wir heben ihn daher bis knapp unter die Wasserlinie an, fahren eine Wende und dann noch einmal die halbe Profilspur als Wiederholung zurück. Nach sechs Stunden Einsatz sind die Batteriekapazitäten erschöpft und es wird Zeit, die Mission zu beenden.

Als wir den Schlitten hieven wollen, geschieht etwas Unerwartetes: Der Gleitkörper kippt abrupt zur Seite und führt heftige Schlingerbewegungen aus. Eine Kollision mit einem Hindernis? Die Datenverbindung steht noch, bricht aber im Steigflug ab. Bange Minuten vergehen. Als der Hai endlich aus den Wellen auftaucht, erkennen wir, dass sich das Zugseil verschlungen hat und die elektrische Kommunikationsverbindung gelöst ist. Alles noch mal gut gegangen! Auch an Gleitern und Rumpf sind keine Schäden zu verzeichnen, nur ein Schnapsglas Wasser ist ins Druckgehäuse der Elektronik eingedrungen.
Christian Hilgenfeldt identifiziert und dichtet die verantwortliche
kleine Leckage. Das Team der Konstrukteure und ihre spanischen
Projektpartner an Bord können mit diesem erfolgreichen Ersteinsatz hoch zufrieden sein!

Viele Grüße von der Poseidon,
Hendrik Müller und Christian Hilgenfeld



Weitere Informationen:


Wo ist POSEIDON jetzt?

Zur aktuellen Position des Forschungsschiffes hier.

Mehr über den offiziellen Träger der Fahrt EUROPROX:der European graduate school - proxies in
earth history
unter www.europrox.de.


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