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Erdbeben und Kulturerbe im Mittleren Osten

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Vier Mal bebte die Erde am Römischen Aquädukt bei Missyaf in Syrien: um 350, 650, 1050 und 1150 nach Christus. Kieler Forscher untersuchten organische Funde und erstellten danach diese Zeitskala im Rahmen des EU-Projekts APAME, dessen Ergebnisse noch bis zum 2. September in einem Abschlussworkshop an der Christian-Albrechts-Universität vorgestellt werden.

Insgesamt 15 Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Syrien, Jordanien und der Türkei beenden damit ihre dreijährigen Forschungen zu Anzahl und Stärke von Erdbeben am Totes-Meer-Graben. Sie ergründeten, welchen Einfluss die Beben auf die archäologischen Plätze und das kulturelle Erbe im Mittleren Osten nahmen. Das Projekt ist benannt nach der antiken syrischen Stadt Apamea, einem der größten noch erhaltenen Kulturschätze in dieser Region.

Im Mittelpunkt der Forschungen stand die Region um den Totes-Meer-Graben - die etwa 1000 km lange geologische Spannungszone zwischen dem Roten Meer im Süden und der Türkei im Norden. Hier schieben sich die afrikanische und die arabische Kontinentalplatte nordwärts, die arabische jedoch zirka sechs Millimeter pro Jahr schneller, und verursachten so in der Vergangenheit immer wieder Erdbeben und Schäden an antiken Monumenten.

"Wenn wir wissen wollen, wann das nächste große Erdbeben kommen könnte und welche Gefahren für die Monumente und die Bevölkerung bestehen, müssen wir die Frequenz der bisherigen Erdbeben genau aufführen", erklärt Professor Pieter Meiert Grootes, der Leiter des Leibniz-Labors für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Kieler Uni. Die Gruppe um ihn und die Physikerin Dr. Marie-Josée Nadeau datierte mit der Radiokarbonmethode nicht nur den "Lebenslauf" des Aquädukts, sondern lieferte auch Zeitskalen für die Forschungen der Projektpartner - unter anderem durch Datierung Jahrtausende alter Getreidekörner auf 25 Jahre genau.

Die Projektpartner - Archäologen, Geophysiker, Bauingenieure und Soziologen - sammelten Daten in Bodenprofilen, in Ausgrabungen antiker Ruinen und in historischen Dokumenten, sie katalogisierten die archäologischen und kulturellen Plätze und ihre Beschädigungen in einer Datenbank. Sie fanden heraus, welche Gebäude in welcher Weise gebaut wurden und stellten den Zusammenhang mit den Beschädigungen her. Aus den Erdbebenspuren rekonstruierten sie die Stöße der Vergangenheit, um bessere Vorhersagen für die Zukunft machen zu können.

Zur Abschlusspräsentation in Kiel wird die syrische Delegation begleitet von ihrem Stellvertretenden Minister für Kultur der Republik Syrien, Dr. Abdal-Razzaq Moaz.

Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 08/2006