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Katastrophenschutz in Zeiten des Klimawandels

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Auf der zwölften Kyoto-Folgekonferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi wurde es wieder deutlich: Der Klimawandel ist wohl nicht mehr aufzuhalten, und treffen wird er besonders die armen Staaten dieser Welt. Die UN-Katastrophenschutzorganisation ISDR entwickelt deshalb Pilotprojekte in Kenia, Äthiopien, Eritrea und Djibuti, die den Bauern Hilfe zur Selbsthilfe erlauben - unter wissenschaftlicher Anleitung.

Malawi im Jahr 2002. Wieder einmal hatte die seit Jahren andauernde Dürre den Mais auf den Feldern verdorren lassen. Die Preise auf dem Markt explodierten. Deshalb akzeptierten die Arbeiter gerne einen Sack Mais als Lohn: Das Getreide war wertvoller als Geld. Wer Glück hatte und bei einer gemeinnützigen Einrichtung beschäftigt war, konnte sich seinen Wochenlohn in Form eines Maissacks abholen. Der Mais selbst stammte aus Hilfslieferungen aus dem Ausland, die aber erst nach einiger Verzögerung angelaufen waren.

Letzteres sei typisch, erklärt Martin Owor, Leiter des Afrika-Büros der UN-Katastrophenschutz-Organisation ISDR in Nairobi: "Wir kämpfen in Afrika vor allem gegen Dürren. Dieser Typ Katastrophe setzt langsam ein, und die internationale Gemeinschaft erfährt immer erst dann davon, wenn die Situation bereits eskaliert ist, weil sie sich auf dem Land abspielen, fernab der Städte, in denen die Nachrichtenagenturen sitzen." Seit 30 Jahren wachse die Verwundbarkeit der Gesellschaft gegenüber Naturkatastrophen, führt John Harding vom ISDR-Hauptquartier in Genf aus: "Der Grund ist, dass immer mehr Menschen verarmen und in Slums leben, die den Naturgefahren schutzlos ausgesetzt sind. Die Ursache der Probleme ist also die Armut und dass die Regierungen den Menschen nicht großzügig helfen können." Auf diesen gesellschaftlichen Trend sattelt inzwischen der Klimawandel auf.


Die Trockenheit in Afrika läßt die Böden großflächig aufreißen. Foto: UN DPI

Die Lage wird dadurch mancherorts spürbar prekärer, daher läuft die Suchen nach Wegen, die Folgen abzufedern, auf Hochtouren: "Anpassung" heißt die Strategie, die auf alle möglichen Gebiete angewandt werden muss. Aber während in den entwickelten Ländern Versicherungen und die Hilfsmittel der Regierungen eine gewisse Sicherheit bieten, müssen die Menschen in den Staaten der Dritten Welt alleine mit solchen Schicksalsschlägen fertig werden - und es trifft vor allem die Armen. Um ihnen zu helfen, muss die Prävention verbessert und an die Verhältnisse in Zeiten des Klimawandels angepasst werden.

Schon heute häufen sich Dürren und Überflutungen - und sie ändern ihre regionale Verteilung. "Die eine Gegend, die viel Erfahrung bei der Bekämpfung von Dürren hat, sieht sich vielleicht künftig mit Überflutungen konfrontiert", so Harding. Damit greifen die alten Strategien zur Katastrophenbekämpfung nicht mehr, die Vorsorge muss sich anpassen. Die Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen. "Vor allem müssen Sie den Menschen erst einmal den Begriff 'globaler Klimawandel' vermitteln", so Martin Owor, "aber für vieles, was passiert, existieren in den lokalen Sprachen keine Wörter. Die Menschen kennen Dürren und Überflutungen, aber deren Ursachen zu erklären, ist eine große Herausforderung."

Allerdings ist es eine zentrale Herausforderung, denn um Hungersnöten wie die 2002 in Malawi zu verhindern, soll die Eigenverantwortung der Bevölkerung gestärkt werden - und zwar ohne den Einsatz von moderner Technik. Anders geht es in den bettelarmen Ländern nicht. Die Menschen müssen selbst gegen die Risiken ankämpfen. Wie, dazu läuft im nordkenianischen Distrikt Kadjado ein Pilotprojekt. Dieser Kadjado-Distrikt ist anfällig für Dürren. "Viele Kommunen hängen von einem Feuchtgebiet ab, das wie ein Schwamm Wasser speichert. Ein Frühwarnsystem soll die Menschen künftig vor langen Trockenperioden warnen, damit sie auf traditionelle Weise Wasser speichern, solange es noch regnet", erklärt Martin Owor.

Sobald die Meteorologen Dürrealarm geben, sollen die Bauern die natürlichen Dämme im Feuchtgebiet versiegeln, damit kein Wasser abfließt. Das erfordert Aufklärungsarbeit: Denn traditionell machen die Bauern genau das Gegenteil und treiben in Dürrezeiten ihre Tiere in das verlockend grüne Feuchtgebiet, öffnen unkontrolliert Entwässerungskanäle. Die Folgen: Das gespeicherte Wasser fließt schnell zu den Flüssen ab, es ist für die Menschen verloren. "Wir ermutigen sie also", so Owor, "ihr Feuchtgebiete zu schützen und geplant zu nutzen, damit es sein Wasser langsam über die gesamte Dürre hinweg abgibt." Weil den Regierungen Afrikas das Geld für den Bau großer Wasserspeicher fehlt, müsse man diese natürlichen Mechanismen nutzen.

Zuallererst haben sich die Anwohner über die beste Nutzung der Ressourcen abzustimmen. Dabei sollen ihnen die von der UN entsandten Wissenschaftler helfen. Funktioniert das Projekt, soll die Strategie an andere Gemeinden angepasst und übertragen werden - und vielleicht sind dann eines Tages auch in Malawi die Dürren besser zu verkraften.