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Rund ein Jahr nach Katastrophe: Tsunami-Frühwarnsystem kommt voran

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:34 — abgelaufen

Potsdam (dpa) - Rund ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien ist die Einrichtung eines Frühwarnsystems im Indischen Ozean ein gutes Stück vorangekommen. "So können wir jetzt bereits acht bis zehn Minuten nach einem Erdbeben vor Indonesien Aussagen über Stärke und Ort treffen - zum Zeitpunkt der Katastrophe am 26. Dezember 2004 dauerte es mehr als eine Stunde", sagte der Koordinator des Gesamtprojektes, Jörn Lauterjung vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam, in einem Gespräch mit der dpa.

"Aber wir müssen noch viel schneller werden - so etwa zwei Minuten nach einem Erdbeben brauchen wir die Informationen." Zudem sei es derzeit noch nicht möglich, Aussagen über einen drohenden Tsunami zu machen. "Wir haben erst im November als Test die ersten beiden Druckmessgeräte im Ozean vor Indonesien ausgelegt - da müssen wir noch Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln, wie sie funktionieren", sagte Lauterjung. Der Aufbau des technischen Systems für die Frühwarnung solle Mitte/Ende 2008 abgeschlossen sein.


Dr. Jörn Lauterjung, Physiker Leiter des wissenschaftlichen Vorstandsstabes
© GeoForschungsZentrum Potsdam

Bislang sei in Indonesien ein internationales Netz von rund 20 Seismometern zur Aufzeichnung von Beben aufgebaut worden, die über Satellitenkommunikation an ein Datenzentrum in der Hauptstadt Jakarta angeschlossen sind. Ziel seien etwa 50 bis zum Jahr 2008. Hinzu kämen rund zehn Druckmessgeräte im Ozean entlang der indonesischen Küste. "Diese sind jeweils mit einer Boje verbunden, die Daten über Meeresbewegungen an das Datenzentrum sendet", sagte der Physiker. "Da die Erdbebenzone entlang der indonesischen Küste in immer gleichem Abstand verläuft, bräuchte ein ähnlicher Tsunami wie damals etwa 20 Minuten, um die Küste zu erreichen - und das ist unser Richtwert."

Deshalb sei es das Ziel, binnen acht bis zehn Minuten Aussagen über ein starkes Erdbeben sowie die Frage, ob es einen Tsunami ausgelöst hat, treffen zu können. Das GFZ arbeitet bei dem Projekt mit weiteren deutschen Einrichtungen, darunter dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, sowie indonesischen, japanischen und chinesischen Partnern zusammen. Von dem Frühwarnsystem profitierten auch alle anderen Länder in der Region - "am 26. Dezember 2004 kamen keinerlei Informationen etwa in Sri Lanka an, wo die Welle erst zwei Stunden später auf das Land traf."

Aber, so betonte Lauterjung, die Installation von Instrumenten allein reiche bei weitem nicht. "Die schnelle Information der Bevölkerung muss gesichert und ihr Bewusstsein für eine mögliche Katastrophe geschärft werden." Zudem müssten Evakuierungen geprobt werden. Denkbar sei auch, an Stränden Mangroven zu pflanzen, die einen gewissen Schutz bieten.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra einen Tsunami ausgelöst. Die nachfolgende Flutwelle riss rund 230 000 Menschen in den Tod.


Pressemitteilung
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
06.02.2006