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Bayreuther Forschungen zu den Folgen der Fluechtlingsstroeme im Sudan

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Den Umgang mit Krisensituationen von Binnenfluechtlingen im Sudan beschreibt eine soeben erschienene Doktorarbeit der Bayreuther Bevoelkerungs- und Sozialgeographin Andrea Joeckel.

Den Umgang mit Krisensituationen von Binnenfluechtlingen im Sudan beschreibt eine soeben erschienene Doktorarbeit der Bayreuther Bevoelkerungs- und Sozialgeographin Andrea Joeckel. Ihrer Untersuchung "Existenzsicherung von Binnenfluechtlingen. Das Beispiel der Dinka in Nyala/Darfur", die jetzt als Band 23 der Bayreuther Geowissenschaftlichen Arbeiten veroeffentlicht wurde, macht deutlich, dass Binnenfluechtlinge trotz widrigster Bedingungen an den Zufluchtsorten mit der neuen unbekannten Situation auf der Grundlage eines wuerdevollen Miteinanders umgehen.

In letzter Zeit wird oft von der verheerenden Situation in Darfur, der westlichsten Provinz der Republik Sudan gesprochen. Der Bundestag sendete gezielt eine Delegation in den Sudan und verurteilt diesen Buergerkrieg scharf. Das Bundesministerium fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will jetzt die Hilfe fuer den Sudan aufstocken, wozu Sitzungen auch mit Angehoerigen der Universitaet Bayreuth einberufen wurden.

Tatsaechlich ist es so, dass sich der verheerende Buergerkrieg in Darfur vor ueber einem Jahr entwickelte. Dass sich die oeffentliche Aufmerksamkeit erst jetzt auf diese Katastrophe richtet, laesst sich wahrscheinlich damit erklaeren, dass Politik und Wissenschaft immer noch zu wenig kooperieren. Diese Region ist der Universitaet Bayreuth nicht unbekannt. Bayreuther Wissenschaftler arbeiten dort seit mehr als zwanzig Jahren.

Darfur mit seinen Menschen ist immer wieder von Krisen getroffen. Die grosse Duerre von 1984 erforderte bereits grosse Fluchtbewegungen von Nord- nach Sueddarfur. Seit Mitte der 80er Jahre setzten aufgrund von Massaker und des Buergerkriegs im Suedsudan vermehrt Fluechtlingsstroeme aus dem suedlichen Bahr el Ghazal ein. Diese Ereignisse loesten einen Druck besonders auf die Staedte aus, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft ohne jegliche Ressourcen auf engem Raum zusammen leben muessen. Waehrend Mitte der 80er Jahre die Folgen dieser Duerre und des Zustroms von suedsudanesischen Vertriebenen durch internationalen Hilfseinsatz abgefangen werden konnte, zog sich seit 1990 die internationale Hilfe komplett aus Darfur zurueck.

Andrea Joeckels Arbeit basiert auf langjaehriger empirischer Forschung Ende der 90er Jahre in Nyala, die sich mit den Folgen der Fluechtlingsstroeme der vergangenen fuenfzehn Jahren beschaeftigt. Die Menschen der Region waren schon immer auf eigene Wege der Bewaeltigung angewiesen. Erforderlich fuer den Erfolg oder dem Empfinden eines Gelingens war es, bei jeglichen Anstrengungen sowie bei den Misserfolgen ihre Wuerde zu bewahren. Es werden Hintergrundinformationen zu raeumlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Sudan, Darfur und der Gouvernoratshauptstadt Sueddarfurs Nyala gegeben. Deutlich wird durch die Studie, dass bei jahrelangem Aufenthalt im fremden Gebiet es fuer die suedsudanesischen Binnenfluechtlinge notwendig geworden ist, die Lokalitaet ihres Herkunftsgebietes zu rekonstruieren und einen eigenen sozialen Raum zu bilden, in dem eine Art von Normalitaet geschaffen wird. Diese Menschen sind durch die jetzige Situation doppelt getroffen, da sie am vermeintlich sicheren Zufluchtsort erneut Gewalt und Krieg erfahren.

Joeckel, Andrea (2004) Existenzsicherung von Binnenfluechtlingen. Das Beispiel der Dinka in Nyala/Darfur. Bayreuther Geowissenschaftliche Arbeiten, Band 23. Bayreuth: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. ISBN: 3-9809181-0-6 Bestellung durch den Buchhandel oder direkt bei: Naturwissenschaftliche Gesellschaft Bayreuth e.V. 95440 Bayreuth, Tel.: 0921/55-2271, Fax: 0921/55-2231

Juergen Abel M. A.
Pressestelle der Universitaet Bayreuth
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