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Expedition in die Laptev-See

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Einladung zum Pressegespräch<br> Freitag, 01. Oktober 2004, 11:00 Uhr<br> Großer Konferenzraum, IFM-GEOMAR, Dienstgebäude<br> Ostufer, Wischhofstr. 1-3, 24148 Kiel<br><br> Thema: TRANSDRIFT X - Expedition in die Laptev-See<br>

Jubiläumsreise mit (Eis-)Tücken Das arktische Eis wird immer dünner? Das können die 17 deutschen und russischen Wissenschaftler der zehnten Forschungreise im Rahmen des Projekts "System Laptev-See" zumindest für dieses Jahr nicht bestätigen. Die extremsten Eisbedingungen im Sommer seit mindestens 20 Jahren machten die Expedition mit dem Namen TRANSDRIFT X zu einem schwierigen Unterfangen. Zehn Tage mussten die Teilnehmer in der sibirischen Stadt Tiksi ausharren, erst dann hatten die zwei vorausfahrenden Atomeisbrecher einen Weg für das russische Forschungsschiff JAKOV SMIRNITSKY gebahnt. Zu guter Letzt musst die Reise auch noch 34 Stunden früher abgebrochen werden, da sich die Eisbedinungen erneut verschlechtert hatten.

Trotz der kurzen Zeit an Bord konnten die Wissenschaftler ihr geplantes Programm erfolgreich zu Ende führen (auch wenn der Schlaf dabei meist zu kurz kam). Mit einem hochauflösenden seismischen System haben sie den Meeresboden der Laptev-See vermessen und so erstmals dessen komplizierte Strukturen sichtbar gemacht. Die Laptev-See ist das größte Gebiet der Erde mit gefrorenem Meeresgrund. Der bis zu 1000 Meter tief reichende Permafrost gilt als Geschichtsbuch des irdischen Klimageschehens, aus diesem Grund suchten die Wissenschaftler mit Hilfe ihrer Messungen nach geeigneten Stellen für die im nächsten Jahr geplanten Bohrungen. Ein weiteres Ziel der Expedition war die Bergung der beiden Messobservatorien, die ein Jahr zuvor am Meeresboden in 25 und 30 Metern Tiefe verankert wurden. LENA und YANA hatten seit dem alle 30 Minuten verschiedene Umweltparameter wie Temperatur, Salzgehalt und Strömung gemessen und damit erstmals auch eine kontinuierliche Beobachtung während des langen sibirischen Winters ermöglicht. Der mögliche Einfluss von Umweltfaktoren und Klimaveränderungen ist in dieser Region besonders wichtig, da unter dem Permafrostboden riesige Treibhausgas-Vorkommen vermutet werden. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), der Universität Bremen und der Staatlichen Institute für Arktis und Antarktisforschung und für die Geologie der Weltmeere in St. Petersburg waren an der Expedition unter der Leitung von Doktor Heidemarie Kassens vom IFM-GEOMAR beteiligt.

Frau Doktor Kassens und die anderen Expeditionsteilnehmer vom IFM-GEOMAR werden in dem Pressegespräch von den umfangreichen geophysikalischen, meeresbiologischen und meereschemischen Untersuchungen berichten und erste Ergebnisse vorstellen.

Hintergrundinfos Permafrost mit Mächtigkeiten von bis zu 1000 m prägt die Landschaft Zentralnordsibiriens und den Meeresboden der nördlich angrenzenden Laptev-See. Der terrestrische Permafrost im Hinterland der Laptev-See, seine Verbreitung und seine Stabilitätgrenzen sind durch zahlreiche Studien gut erforscht. Das Wissen um den submarinen Permafrost in der Laptev-See hingegen beruht lediglich auf den Ergebnissen russischer Explorationsbohrungen in den 60er und 70er Jahren bei den Neusibirischen Inseln und der wissenschaftlichen Pilot-Bohrexpedition TRANSDRIFT VIII (2000) in der zentralen Laptev-See. Seismische Aufzeichnungen aus der gesamten Laptev-See und auf Küstenuntersuchungen basierende Modellrechnungen weisen auf eine großflächige Verbreitung des submarinen Permafrostes hin.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das russische Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Technologie haben die Expedition TRANSDRIFT X finanziert. Es war bereits die zehnte Forschungsreise im Rahmen des deutsch-russischen Verbundvorhabens "System Laptev-See". Das Projekt erstellt Prozessstudien zur Dynamik des Permafrostes in der Laptev-See. Die Dynamik und Geschichte des Permafrostes sind wegen der möglichen Methanfreisetzung und deren Klimafolgen von weltweiter Bedeutung, da in und unter dem Permafrost große Gashydratvorkommen vermutet werden. Insbesondere unter Seen, Flüssen und am Meeresboden der Laptev-See kann es zur Bildung tiefgreifender Auftauzonen kommen, die ein Entweichen dieser Gase ermöglichen. Um die Bedeutung permafrostgebundener Gashydrate und Treibhausgase im Kohlenstoffkreislauf und im globalen Klimasystem einschätzen zu können, sollen fächerübergreifende Prozessstudien über das Vorkommen, die Bildung sowie die Auf- und Abbauprozesse des submarinen Permafrostes durchgeführt werden.